Erdbeben in Costa Rica

 

Bericht der Freiwilligen Hanna Jenne

Alajuela, Januar 2009

Zuallererst einmal die Information: Debora und mir ist nichts passiert und glücklicherweise sind auch unsere Gastfamilien und alle anderen Bekannten unversehrt davon gekommen! Besser gesagt: Wir sind mit dem Schrecken davon gekommen, wie die meisten Ticos. Allerdings, wie man in Deutschland vielleicht mitbekommen hat, gab es doch einige Todesfälle. Bislang zählt man ca. 30 Tote und es gibt immer noch ein paar Vermisste, die, wie man vermutet, noch ungeborgen, unter den Trümmern ihrer Häuser verschüttet liegen. Besonders um das Epizentrum herum, das in den Bergen in der Nähe des Vulkans Poás lag, hatte das Beben schwerwiegende Auswirkungen. Viele der dort angesiedelten Ticos leben nun in so genannten “albergues” (Auffanglagern), da sie ihr zu Hause verloren haben oder auf Grund der anhaltenden Erdbebengefahr verlassen mussten. Entgegen der Hoffnungen aller, hat sich eine Woche nach dem schweren Beben die Lage noch nicht entspannt. Immer noch gibt es fast pausenlos Nachbeben, die man als leichte Schwingungen der Erde wahrnimmt und ab und an gibt es auch größere Beben, der Stärke 3-4. So bleiben viele von uns ängstlich und besorgt darüber, dass es ein weiteres, starkes Erdbeben geben kann. Laut Seismologen könnten nämlich die Platten, die das Erdbeben vom Donnerstag verursachten, benachbarte Platten in Bewegung gesetzt haben.

Als es am Donnerstag um 13:20 Uhr bebte, arbeitete ich gerade in der “Fundación Manos Abiertas”, einem Heim für Schwerbehinderte, und gab einem der Heimbewohner das Mittagessen. In den ersten Sekunden, als alles wackelte, konnte ich erst gar nicht realisieren, was gerade geschah. Ich weiß auch nicht mehr, wie lange das Beben anhielt, denn wir sind einfach nur noch alle gerannt, um die insgesamt etwa 50-60 Heimbewohner so schnell wie möglich in dem kleinen Park umringt von Häusern, in Sicherheit zu bringen. Die Bewohner sind ohne Ausnahme an den Rollstuhl gebunden und konnten somit nicht selbst aus dem Haus. Manche von ihnen lagen auch gerade im Bett und mussten erst noch in den Rollstuhl gehieft werden.
Waren einmal alle unversehrt im Freien versammelt, so gab es eine kleine Phase der Erleichterung. Diese dauerte leider nicht allzu lange, denn es bebte immer wieder leicht und so verbrachten wir den gesamten Mittag draußen. Alles musste "normal" ablaufen, denn die Bewohner sind auf ihre Medizin angewiesen und gerade jene, die z. B. über Sonden ernährt werden, mussten ihre Milch wie immer um Punkt 15 Uhr bekommen. Wir mussten also immer wieder ins Haus um verschiedene Sachen rauszuholen, u.a. auch Sonnencreme und Regenschirme, mit denen wir die Bewohner vor der prallen Mittagssonne schützten. Alles in Allem war es eine schlimme Erfahrung. Das Schlimme für mich persönlich war nicht das eigentliche Beben, denn das ging ziemlich schnell vorüber. Es waren vielmehr die vielen leichten Nachbeben und die Angst vor einem erneuten Großbeben. Hinzu kommt, dass man nicht nur um sein eigenes Leben bangt, sondern um das von so vielen! Es ist schrecklich in einem solchen Moment, so viele Menschen um sich herum zuhaben, die auf eine angewiesen sind. Auf der anderen Seite ist es im Nachhinein auch ein gutes Gefühl, an einem Ort gewesen zu sein, wo man wirklich gebraucht wurde.

Da die Zeit der Nachbeben noch nicht überstanden ist, bleibt eine gewisse Anspannung und Sorge in der Fundación. Vorkehrungsmaßnahmen sind getroffen: Essenvorräte sind ins Freie geschafft und alle Betten sind in den Eingangsräumen platziert, um im Falle eines weiteren, starken Bebens wieder alle so schnell wie möglich in Sicherheit zu bringen. Die Häuser der Fundación haben letzten Donnerstag zwar alle Stabilität bewiesen, dennoch finden sich hier und da - wenn auch nur sehr kleine - Risse in den Wänden.
Die Menschen hier, nicht nur der Fundación, sondern des gesamten Landes, hoffen darauf, dass bald wieder Ruhe einkehrt. Man möchte nicht mehr mit dieser Ungewissheit leben und will zur Normalität zurückkehren - auch wenn das für viele Betroffene mit einem aufwändigen Wiederaufbau verbunden ist. Man möchte auf die Frage, “Como estás?”,  wieder antworten können: “PURA VIDA!”

 

Spendenaufruf für Costa Rica:
Freundeskreis Alajuela
Konto-Nr.: 202010
BLZ: 682 900 00
Volksbank Lahr
Stichwort: Erdbeben Alajuela

 

       

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