Badisches Ökumenisches Forum der Dekade zur Überwindung von Gewalt

 

Gewalt ist alltäglich, sie begegnet uns in vielfältigen Formen. Das 7. Dekadeforum beschäftigte sich mit Gewalt und neue Medien.

Plakat Dekade

Gefangen im Netz – neue Medien und Gewalt:
7. Badisches Dekadeforum in Mannheim

 

„Sind doch nur 5 Punkte“, sagt K. als er von seinen Erziehern danach gefragt wird, warum er ständig seine Mitschüler mit der Schulter anrempelt. Die Erwachsenen sind zunächst ratlos, doch dann verstehen sie: 5 Punkte, die erreicht der Schüler, wenn sein Schuss von der Spielkonsole den Gegner auf dem Bildschirm an der Schulter trifft. Trifft er Herz oder Kopf sind es mehr Punkte.
Der exzessive Konsum von Computerspielen verändert die Wirklichkeitswahrnehmung, das macht dieses Beispiel, das die Sozialpädagogin Bärbel Waldhausen beim Dekadeforum einbringt, deutlich. Knapp 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschäftigten sich in Mannheim einen Tag lang intensiv mit dem Zusammenhang von neuen Medien und Gewalt.
„Bild schlägt Wort“ mit dieser Schlagzeile könne man die Entwicklung der Medien zusammenfassen, so Prof. Michael Albus in seinem Vortrag. Die neuen Medien bieten zweifellos Chancen und Freiheiten, die Frage sei aber, wie die genutzt werden. Bilder werden zunächst emotional wahrgenommen, nicht mit dem Verstand. Vor allem der schnelle Wechsel von Bildern führe dazu, dass diese sich nicht in der Hirnrinde einnisten können. Das führe vor allem bei Kindern und Jugendlichen zu Problemen mit der Wirklichkeits- und Zeitwahrnehmung, so Albus.
In vier Arbeitsgruppen beschäftigen sich die rund 40 Teilnehmenden dann mit einzelnen Aspekten des Themas. Die Sozialpädagogin Bärbel Waldhausen berichtet, welche Probleme in ihrer Einrichtung, der „Tüllinger Höhe“, entstehen, wenn Jugendliche beim „happy slapping“ Gewaltszenen inszenieren, mit Handys filmen und ins Internet stellen. Geduldig erklärt Gemeindediakon Andreas Sommer auch denen, die Computerspiele ablehnen, den Gebrauch der Konsolen. Sie sollten im Gespräch mit den Spiele-Nutzern wissen, wovon sie reden, meint Sommer. Petra Zellhuber-Vogel, Rundfunkrätin beim SWR, öffnet ihrer Gruppe die Augen für Geschlechterstereotypen und subtile sexualisierte Gewalt in Fernsehbildern. Dietmar Burckhardt, Journalist und Pfarrer der EKHN erläutert die Rolle der Medien in Religionskonflikten und berichtet von positiven Erfahrungen mit einem Runden Tisch für Journalisten mit christlichem und muslimischem Hintergrund in Frankfurt.
Auch kirchliche Arbeit kann einen Weg aus der „Gefangenschaft im Netz“ weisen, wenn sie die Frage stellt, was Jugendliche (und nicht nur sie) in den Spielen und den virtuellen Welten des Internets suchen. Darüber sind sich die Teilnehmenden in der Schlussdiskussion einig.        

Anne Heitmann  

 

 

"Feuer einstellen" Arbeitshilfe über "Gewalthaltige Computerspiele und ihre Alternativen"


Wie gefährlich ist Gewalt in Computerspielen? Welche Möglichkeiten gibt es, um dieses Thema adressatengerecht und spannend in den kirchlichen und schulischen Unterricht einzubringen? Darum geht es bei der Arbeitshilfe, die gemeinsam vom Haus kirchlicher Dienste Hannover, dem Religionspädagogischen Institut (rpi) Loccum und der Bundeszentrale für politische Bildung Berlin erarbeitet wurde.

   Zu beziehen bei Arbeitsstelle Friedensarbeit für 12,00 €