Marie von Marschall

 

"Frau des Monats" Januar 2006

Marie von Marschall
Marie von Marschall

Marie von Marschall war eine geborene Freiin von Gemmingen und stammte aus einer jener alten Adelsfamilien im Kraichgau, die schon sehr früh für die Sache der Reformation eingetreten war. Die junge Marie von Gemmingen wurde zusammen mit der im gleichen Jahr 1862 geborenen Prinzessin Victoria, der späteren Königin von Schweden, unterrichtet und erzogen. 1886 heiratete Marie von Gemmingen Freiherr Adolf Marschall von Bieberstein, der als badischer Gesandter in Berlin tätig war und später zum Staatssekretär im Auswärtigen Amt ernannt wurde. So erlebte sie als junge Frau das Berlin der kaiserlichen Zeit. Hier wurden auch ihre fünf Kinder geboren. 1897 folgte Marie von Marschall ihrem Gatten nach Konstantinopel, wo er 15 Jahre lang als deutscher Botschafter wirkte. Freiherr von Marschall starb 1912 unerwartet während eines Kuraufenthaltes in Badenweiler. Als Witwe wuchs Marie von Marschall, zurückgekehrt nach Neuershausen bei Freiburg, in einen neuen Wirkungskreis hinein.
Zum Zeichen, dass Witwenschaft nicht Vereinsamung und innere Verarmung zu bedeuten brauchte, stellte sie ihre Kräfte in den Dienst der Kirche. Darüber hinaus erkannte sie mit ihrem klaren Blick für das große Geschehen in der Welt, dass im Zuge des Krieges mancherlei soziale und wirtschaftliche Nöte entstehen würden, und darum erschien ihr ein Zusammenschluss aller einsatzbereiten Frauenkräfte in der Kirche als eine dringende Aufgabe. So entstand 1916 der "Evangelische Frauenverband für Innere Mission in Baden", der alle damals bestehenden Frauenvereine und Frauenverbände einschließlich der Diakonissenmutterhäuser zusammenfassen und zum Dienst in den Gemeinden heranziehen sollte. Marie von Marschall hat als Vorsitzende des Evangelischen Frauenverbands von 1916 - 1934 die Arbeit geleitet und sich durch ihr tiefes Verständnis für alle Nöte der Zeit und durch ihre Autorität, die von ihrer Persönlichkeit ausging, großes Vertrauen und Ansehen erworben. Unter ihrer Leitung kam es 1918 zur Gründung der Evangelisch-Sozialen Frauenschule in Freiburg (heutige Ev. Fachhochschule), und 1925 zur Einrichtung des ersten badischen Müttererholungsheims "Sonnenhaus" in Königsfeld (bereits 25 Jahre vor der Gründung des Müttergenesungswerks!).

Bei ihrem Abschied aus der Frauenarbeit schrieb Marie von Marschall in einem Brief:
„... Diese Zeilen sollen den Dank bedeuten für alle Hilfe und für alle Liebe, die ich in langen Jahren erfahren durfte. Aber auch die Bitte um Nachsicht. Denn wenn man an einem Lebensabschnitt steht und zurückschaut, wird einem so recht klar, wieviel man versäumt hat, wieviel man hätte besser machen müssen. Der Herr aber, der bisher unsere Arbeit gesegnet hat, Er wolle sich auch in Zukunft dazu bekennen. Er möge es schenken, daß wir in der Volksgemeinschaft, in die wir hineingestellt sind, weiter wirken zu Seiner Ehre und zum Wohl unserer Kirche..."
Freifrau Marie von Marschall starb am 28. Juli 1949 in Neuershausen.

       

      Evangelisch-Soziale Frauenschule

       

      "Thema des Monats" Januar 2006

      Frauenschule Freiburg
      Ein Jahrgang der Ev.-Sozialen Frauenschule

      Die Wurzeln der Evangelisch- Sozialen Frauenschule liegen mitten im Ersten Weltkrieg:
      Damals, 1916 , schlossen sich, im Zusammenhang mit dem Landesverein für Innere Mission, alle bestehenden Evangelischen Frauenvereine und Verbände zusammen zum „Evang. Frauenverband für Innere Mission in Baden e.V.“ Durch die Kriegswirren und das vielfache Leid waren neue Aufgaben entstanden, die Kräfte von Frauen sollten in neuer Form für die Entwicklung der Zukunft gebündelt werden.
      „Immer sind es besondere Frauenaufgaben gewesen, denen sich die Aufmerksamkeit des Frauenverbandes zugewendet hat, Aufgaben die in dieser Form vom Landesverein für innere Mission nicht noch neben allen seinen anderen Arbeitsgebieten hätten durchgeführt werden können.“

      In der Gründung der Frauenschule im Jahre 1918 nahm diese Absicht eine konkrete Gestalt an: Frauen sollten durch eine gezielte Ausbildung berufliche Wege gehen können, um Widerstand zu leisten gegen Not und Verzweiflung. Freifrau Marie von Marschall und Freiin Helene von Dungern mieteten eine Wohnetage, statteten sie mit gestifteten Möbeln aus und begannen die ersten Kurse abzuhalten.
      Gelder  flossen von dem oben erwähnten Landesverein für Innere Mission, durch eine persönliche Gabe Frau von Marschalls und durch eine Sammlung Freiburger Pfarrer.
      1920 wurde die erste Prüfung abgehalten durch Prälat Schmitthenner und Dr. Marie Braun, eine führende Gestalt in der Frauenbewegung.
      1921 erlangte die Schule, die sich „Evangelisch-Soziale Frauenschule“ nannte, staatliche Anerkennung. Akademische Leitung erhielt sie durch Frau Dr. Lina Mayer-Kulenkampf.
      1923 übernahm Dr. Julie Schenck die Leitung der Schule. Sie vertrat darüber hinaus alle Evangelischen Frauenschulen in der Frauenarbeit Deutschlands.
      Sie entwickelt die Schule weiter, durch die Abteilung für Gemeindehelferinnen und Religionslehrerinnen. 1926 zog die Schule in das eigene Haus Goethestrasse 2 ein. 1928 wurde dies erweitert um das Internat.
      Die gute Arbeit, die dort geleistet wurde, fand durchaus Anerkennung: Die Landeskirche förderte diese Einrichtung vielfältig. Sie unterstützte sie mit qualifizierten Lehrkräften und dadurch, dass der Beruf der Gemeindehelferin ausgebaut und gesetzlich verankert worden war.
      1943 wurde die Schule dann ganz von der Landeskirche übernommen.

      Seit damals hat diese Schule große Veränderungen erlebt und bewältigt – von der Frauenschule hin zur Evangelischen Fachhochschule – gefördert von Kirche und Staat.
      Im Lehrangebot und in den Formen der akademischen Abschlüsse zeitnah und aktuell.

      Ihre Wurzeln in der beeindruckenden Leistung mutiger und initiativfreudiger und starker Frauen sind es wert erinnert und bewahrt zu werden!