Was ist der "Frauensonntag"?
Geschichte, Hintergrund, Informationen
Frauensonntag auf der Landesgartenschau in Kehl 2004
Seit wann gibt es den Frauensonntag?
Der Frauensonntag in Baden blickt auf eine lange Tradition zurück. Sie reicht bis in die Anfänge der Evangelischen Frauenverbände in Baden zurück, wo erstmals 1916 in einem Sitzungsprotokoll der Frauensonntag „urkundlich erwähnt“ wird. Seit 1918 wurde er für einige Jahre jeweils am 2. Adventssonntag zur Erbauung und Schulung von Frauen begangen. Mitte der 20er Jahre wurde der Termin jährlich vom Oberkirchenrat festgelegt. Seit 1970 nun hat der Frauensonntag in unserer Landeskirche jeweils am dritten Sonntag im September seinen festen Platz im Jahreskreis.
Wurden in den vergangenen zwanzig Jahren auch in anderen Landeskirchen vermehrt Frauensonntage eingeführt, so dürfen wir in Baden auf unsere lange Geschichte mit Recht ein bisschen stolz sein.
Was ist das Besondere des Frauensonntags?
Ging es in den Anfängen an den Frauensonntagen neben der biblischen Unterweisung um Austausch und Geselligkeit, aber auch um soziale und politische Themen – immerhin war es in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts bei weitem nicht selbstverständlich, dass Frauen sich öffentlich treffen konnten – so ist heute neben die Feier des Gottesdienstes am Frauensonntag selbst der Prozess der Vorbereitung und der gemeinsamen Erarbeitung des Textes und des Gottesdienstes dazugekommen. Ehren- und hauptamtlich tätige Frauen sind daran gleichermaßen beteiligt.
Der Gottesdienst am Frauensonntag soll ja wie jeder Gottesdienst transparent und durchsichtig sein für die Erfahrungen und Lebenswirklichkeiten von Frauen und Männern, von jung und alt. Die Botschaft der Bibel will ja in unsere Lebenswirklichkeit hineinsprechen und dort ankommen, ebenso wie wir mit dem, was uns beschäftigt, mit unseren Fragen, Aufgaben, Themen - mit unserem ganzen Sein - an die biblische Verheißung herantreten.
Das Besondere beim Frauensonntag ist darüber hinaus - und entsprechend gilt dies natürlich auch für den Männer- oder Jugendsonntag -, dass die biblischen Texte bewusst aus und in der Perspektive von Frauen gelesen werden, dass wir uns als gottesdienstliche Gemeinde einmal bewusst auf einen Blickwinkel einlassen: Wie kommen Frauen in diesen Texten vor? - oder auch nicht? Was sagen die Texte über die Lebenswirklichkeiten von Frauen damals? - und heute? Welche Fragen, Gefühle, Irritationen, Erkenntnisse ... tauchen bei der Beschäftigung mit den biblischen Texten auf? Welche Fragen stellt der Text an uns? Und welche wir ihm?
Manchmal ist es ein echtes Ringen mit dem Text – so wie Jakob am Jabbok mit dem Engel Gottes rang (vgl. Gen 32) - ein Ringen um die segnende, die befreiende, die aufrichtende Botschaft des biblischen Textes. Gerade dann, wenn eine lange und dominante Tradition und Textauslegung diese unterschlagen, verschüttet oder verdunkelt hat, braucht es diese Anstrengung, dieses Mühen um den Text.... - Das Ergebnis hat uns bisher immer reich belohnt... Dass Frauen miteinander, in einer Gruppe, oft sind es ehren- und hauptamtliche Frauen gemeinsam, diesen Gottesdienst vorbereiten, ist wertvoll und bereichernd für die Beteiligten ebenso wie für die Gemeinden und die Bezirke, fließt doch auf diese Weise ein großer Schatz an Lebenswissen und -erfahrung, an Kreativität und gelebter Spiritualität – an christlicher Gemeinschaft - mit in die gottesdienstliche Feier hinein. Es ist schön und bestärkend, dass der Frauensonntag an so vielen Orten unserer Landeskirche jährlich gefeiert wird.
Wer bereitet den Frauensonntag vor?
Jährlich, jeweils zu Beginn des Jahres findet die Werkstatt zum Frauensonntag statt, an der Grundlegendes für die Arbeitshilfe erarbeitet wird. Dazu wird über das Programm der Frauenarbeit offen eingeladen. Eine Arbeitsgruppe übernimmt die Vorbereitung der Werkstatt und die Redaktion der Arbeitshilfe. Wenn Sie Interesse und Lust haben, beim nächsten Mal mit dabei zu sein, lassen Sie es uns einfach wissen. Wir freuen uns auf Sie!
