Wohnformen im Alter
Älter werden wir später!
Buntes Leben - auch im Alter
„Das Alter ist nicht ein Rest, sondern ein ganz neues, für sich bestehendes Großes“
Käthe Kollwitz
Zusammenwohnen in Freiheit und Geborgenheit, aber in den eigenen vier Wänden, das ist der Wunsch vieler Frauen und Männer für die dritte Lebensphase.
Die Frauenarbeit der Evangelischen Landeskirche Baden und die Erwachsenenbildung Freiburg „entführten“ 26 Frauen und einen Mann in den neuen innovativen Freiburger Stadtteil Vauban, um Initiativen vorzustellen und bei einem Rundgang mit BewohnerInnen ins Gespräch zu kommen.
Entstanden sind dort in den letzten Jahren Wohnprojekte für ältere Menschen mit unterschiedlichem Profil, mit unterschiedlicher Rechtsstruktur, aber mit der großen Bereitschaft Altes loszulassen und mit 60 plus noch mal eine ganz neue Lebensphase zu gestalten. Davon erzählte sehr anschaulich Kitty W. die mit Anfang 60 noch mal einen Neuanfang in der GENOVA VAUBAN eG, einem Genossenschaftsprojekt, das das Zusammenwohnen von Jung und Alt fördert, wagte: „Ich konnte mit planen und bauen, fühle mich hier zuhause und sehr lebendig“.
Die ARCHE setzt sich für ein altersgerechtes und selbstbestimmtes Leben mit Tieren in naturnaher Umgebung ein. Nach dem Motto „Gemeinsam statt einsam“, möchte diese Gruppe ein Wohnumfeld schaffen, indem die Frauen und Männer in Ehren alt werden dürfen und im Krankheitsfall auch liebvoll versorgt werden. Eine Wohngemeinschaft gibt es bereits im Umland von Freiburg, eine zweite Gruppe wird in zwei Jahren in den Sonnenhof ziehen.
Der SONNENHOF „Wohnen mitten im Leben“ ist ein weiteres Freiburger Wohnprojekt im Vauban. SeniorInnen, Familien, Singels und Alleinerziehende möchten dort in nachbarschaftlicher und soziokultureller Gemeinschaft leben.
„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, so die Grundidee der Wohngruppen für Demenz erkrankte Menschen. Michael Szymczak vom Netzwerk Wohngruppen für Menschen mit Demenz der Evangelischen Fachhochschule Freiburg entführte uns mit seinem Vortrag in eine ganz andere Welt:
„Mit den vorhandenen Strukturen der ambulanten und stationären Altenhilfe können wir nur unzureichend auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und deren Angehörige reagieren.“ Das Netzwerk hat sich daher zum Ziel gesetzt, bürgerschaftlich begleitete Wohngruppen für Menschen mit Demenz aufzubauen. Dazu gehört auch die WOGE, eine Wohngruppe, die im Sonnenhof ihr Domizil finden wird.
Die Wohnfrage wird eine Schlüsselfrage des demographischen Wandels und der alternden Gesellschaft sein. Es sind Wohnformen gefragt, die jenseits von staatlicher Vorsorge, Seniorenresidenz und Altenheimen liegen.
Gemeinschaft und das Gefühl „gebraucht zu werden“, sind die wichtigsten Motive für einen Neuanfang mit Gleichgesinnten. Aber, so sagte uns eine Bewohnerin: „Mit 60 sollte dieser Schritt getan werden, sonst ist es meist nicht mehr möglich.“
Das Thema brennt auf den Nägeln und „es tut gut, dass diese Tagung angeboten wurde, das gibt mir neue Perspektiven“, so eine Teilnehmerin zum Abschluss der Veranstaltung.
Die Frauenarbeit wird sich weiter mit dem Thema „Älter werden“ beschäftigen, denn auch an der Teilnehmerinnengruppe wurde deutlich: Das Alter ist (bisher noch) weiblich.
Hannelore List, Referentin für Familie, Gender, Lebensformen
Mehr zum Thema: Netzwerktag Wohnen im Alter, ekiba aktuell (21.03.07)
