"Schau genau ... eine Frau"
Aufklärungskampagne zur Fußball-WM
Illustration: www.ullyarndt.de
Experten vermuten, dass die Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen in Deutschland während der Fußballweltmeisterschaft steigen wird. Einige Frauen, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, um dieser Nachfrage gerecht zu werden, sind Opfer von organisierter Kriminalität. Die Frauenarbeit der Evangelischen Landeskirche in Baden beteiligt sich daher an einer Aufklärungskampagne, die an das Verantwortungsbewusstsein der Freier appelliert.
Vor und während der Fußballweltmeisterschaft soll eine Postkartenaktion öffentlichkeitswirksam auf Zwangsverhältnisse in der Prostitution und auf die Verantwortung der nachfragenden Kunden, der Freier, aufmerksam machen. 24.000 Postkarten werden in unterschiedlichen Lokalen in den badischen Großstädten Karlsruhe, Mannheim, Heidelberg und Freiburg am 2. und 16. Juni 2006 verteilt. Die Frauenarbeit der Evangelischen Landeskirche in Baden beteiligt sich damit an einer Kampagne, die von FRANKA e.V. in Kassel initiiert wurde. Auf der Postkarte sieht eine blonde Frau den Betrachter fragend an und ihr Blick lässt viele Interpretationen zu. „Schau genau, eine Frau...“ lockt ein Text auf der Rückseite der Karte. Was hier auf den zweiten Blick deutlich werden soll, sind die Anzeichen von Zwang und Gewalt, Zeichen, die möglicherweise ein Opfer von Zwangsprostitution und Menschenhandel erkennen lassen. Abgedruckt ist eine Info-Telefonnummer (01802 331 333), an die sich die Freier anonym wenden können.
Menschenhandel ist ein Verbrechen und eine moderne Form der Sklaverei. Mit der Kampagne „Schau genau, eine Frau...“ weist die Frauenarbeit darauf hin, dass Menschenhandel und Zwangsprostitution auch in Baden Themen sind, die Sensibilisierung und genaues Hinsehen erfordern.
Verlässliche Zahlen zum Ausmaß von Zwangsprostitution und Menschenhandel gibt es nicht.
Die Europäische Kommission schätzt, dass weltweit etwa eine Million Frauen jährlich Opfer von Menschenhandel werden. Alleine innerhalb der Europäischen Union (EU) werden nach Angaben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) jährlich etwa 175.000 Frauen, zumeist aus mittel- und osteuropäischen Staaten, gehandelt. Schätzungsweise 500.000 Frauen werden in der EU zur Prostitution gezwungen. Die meisten von ihnen sind unter 25, viele erst zwischen 12 und 18 Jahre alt. Die Täter machen mit der Not der Opfer immense Gewinne.
Für unser Projekt gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution können Sie spenden:
Kontonummer der Frauenarbeit: EOK Karlsruhe, Verwaltungsabteilung
Ev. Kreditgenossenschaft e.G. Karlsruhe
Konto–Nr. 500 011, BLZ 660 608 00
Verwendungszweck: HHST 1320.2210 UK 4
Weitere Informationen bei: Inge Bayer, Tel. (07 21) 91 75-322 und über www.frauenarbeit-baden.de sowie www.franka-kassel.de
- Mehr dazu: ekiba aktuell (18.05.06)
