Frauengesundheit

 

 

HART(z)E ZEITEN für Frauen

 

Armut, soziale Ungleichheit und strukturelle Benachteiligung von Frauen im Gesundheitssystem

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Carola Bury

Auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist Erwerbsarbeit für die Mehrheit der Bevölkerung die Grundlage materieller Existenz. Aus der beruflichen Tätigkeit folgen gesellschaftlicher Status, Macht, Erfolg und Selbstbewusstsein. Arbeitsunfähigkeit, Krankheit und Alter waren wesentliche Armutsrisiken auch in früheren Zeiten. Heute „schützt“ Arbeitsfähigkeit längst nicht mehr vor Armut. „Kinderarmut“ – ein Begriff, den die Wirtschaftswundergesellschaft längst überwunden glaubte, hat in den letzten Jahren die moralische Diskussion über Armutsfragen in unserer Gesellschaft mehr bestimmt als alle anderen Aspekte. Dabei sind es nicht die Kinder, sondern die Familien, die arm sind. Und es ist insbesondere die Situation der Frauen, die häufig den Ausschlag für die ökonomische Situation der Familie gibt. Denn Arbeitslosigkeit, aber auch prekäre Beschäftigung sind heute die wesentlichen Gründe für Armut in unserer Gesellschaft.

     

    Frauengesundheit – hohe Hürden für arme Frauen

     

    Am Beispiel von Präventions- und Rehabilitationsmaßnahmen (Mutter-Kind-Kuren)

    Bild _ Mutter mit Kind

    Bild zu Frauengesundheit

    Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen für Mütter gehören zu den gesetzlich vorgesehenen Leistungen der Krankenkassen nach Sozialgesetzbuch V (SGB V). Mit Aufnahme der Maßnahmen 2007 als Pflichtleistung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sollte frauen-, familien- und gesundheitspolitisch ein Zeichen gesetzt werden. Denn Mehrfachbelastungen durch Familie, Partnerschaft, Beruf oder soziale Rahmenbedingungen können krank machen.

       

      HPV-Impfung: Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs?

       

      Der Medizin-Nobelpreis geht in diesem Jahr nach Deutschland. Der Heidelberger Krebsforscher Harald zur Hausen bekommt die Auszeichnung für seine Entdeckung, dass Viren Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Ein Impfstoff dagegen wird bereits angewandt. Vor einem Jahr wurde der Impfstoff Gardasil® zugelassen – beworben als „Impfung gegen Krebs“. Diese pauschalisierte Aussage ist irreführend und entspricht so nicht der Wahrheit, denn es gibt keine Impfung gegen Krebs. Richtig ist: Die Impfung wirkt präventiv gegen die Humanen Papilloma Viren (HPV) 6, 11, 16 und 18. Von diesen sind die Virustypen 16 und 18 nach heutigem Wissen für ca. 70 Prozent aller Gebärmutterhalskrebserkrankungen mitverantwortlich. Es gibt mindestens elf weitere HPV-Typen, die ebenfalls an der Entstehung dieses Krebses beteiligt sein können. Die Impfung bietet demzufolge keinen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs insgesamt. Zu befürchten ist, dass aufgrund dessen die Krebsfrüherkennungsuntersuchung, die weiterhin wichtig ist, weniger als bisher (ca. ein Drittel der Frauen nimmt die Vorsorgeuntersuchung nicht wahr) in Anspruch genommen wird. Auch besteht die Gefahr, dass die Benutzung von Kondomen zurückgeht, die einen großen Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen bieten.

      Die Impfung ist nicht unumstritten, wir wissen nicht:

       wie lange der Impfschutz anhält und ob eine Auffrisch-Impfung notwendig ist
       wie sich die Impfung auf die Verteilung der übrigen HPV-Typen auswirken wird
       wie sich die Impfung auswirkt, wenn vorher schon eine Infektion mit HPV stattgefunden hat
       in welchem Ausmaß durch die Impfung Gebärmutterhalskrebs langfristig verhindert wird
       wie sinnvoll es wäre, auch Jungen zu impfen

      Um die Auseinandersetzung über die  Frage des Nutzens für die Gesundheit von Frauen (und Männern) dieser Impfung zu fördern, wird die Frauenarbeit der Evangelischen Landeskirche in Baden und  die Evangelischen Frauen Württemberg den Landesfrauenrat Baden-Württemberg dazu anregen, sich dieser Thematik fachlich und kompetent anzunehmen.