Landesbischof Ulrich Fischer: Methoden von Mega-Gemeinden an Volkskirche anpassen

 

Willow-Creek-Kongress in Karlsruhe

Landesbischof Dr. Ulrich Fischer

Landesbischof Ulrich Fischer: Die badische
Landeskirche hat stark von den Impulsen 
aus Willow Creek profitiert.



Willow Creek Kongress in Karlsruhe

8.000 Teilnehmende in Karlsruhe
beschäftigen mit dem Thema "wachsen"



Ulrich Eggers, Bill Hybel

Willow Creek Gründer Bill Hybels (Mtte)
rief zu mehr Evangelisation auf

(29.01.10) Die Evangelische Landeskirche in Baden hat nach Ansicht von Landesbischof Ulrich Fischer stark von den Impulsen der amerikanischen Mega-Gemeinde Willow Creek (Chicago) profitiert. Durch die Ideen der Gemeinde, die wöchentlich 23.000 Besucher zählt, habe man auch in Baden Modelle für neue Gottesdienste, Arbeit mit Kindern, einen gabenorientierten Einsatz von ehrenamtlichen Mitarbeitern sowie eine intensivere Kleingruppenarbeit entwickelt, sagte Fischer am Donnerstag in Karlsruhe zum Auftakt eines Willow-Creek-Kongresses mit 8.500 Teilnehmern.
Der von Donnerstag bis Samstag stattfindende Kongress beschäftigt sich unter dem Motto „Wachsen“ mit Leitungsfragen in der Kirche. Die Veranstalter plädieren auch für ein stärkeres soziales Engagement von Kirchengemeinden.

Fischer forderte die Kongressteilnehmer auf, die Impulse aus den USA nicht einfach zu übernehmen, sondern auf ihre jeweilige Gemeindesituation anzupassen. Es brauche für die deutsche Kirchensituation "Übersetzungsarbeit". Kritisch äußerte sich der Bischof zur Taufpraxis der US-Gemeinde, die die Kindertaufe ablehnt und nur Menschen tauft, die eine öffentliche Entscheidung für den christlichen Glauben getroffen haben. 
Fischer hatte die Willow-Creek-Gemeinde in Chicago 2001 besucht - die Visite dort gehöre zum Eindrücklichsten, was er als Bischof erlebt habe.

Möglichst viel "säen"

Der Gründer und Leiter von Willow Creek, Pastor Bill Hybels, berichtete, dass seine Gemeinde im Jahr der Finanzkrise 2009 mehr neue Mitglieder aufgenommen und mehr Menschen getauft habe als je zuvor in ihrer 35-jährigen Geschichte. Ein großes Problem in vielen Kirchengemeinden sei allerdings, dass Menschen sich Gott nur zuwendeten, um seinen Segen für ihre Lebenspläne zu erhalten und vor Schwierigkeiten bewahrt zu bleiben. Mit Menschen dieses Schlags könne man keine "revolutionären Gemeinden" bauen. 

Hybels rief zu mehr Evangelisation auf. Christen sei zwar nicht verheißen, dass alle missionarische Bemühungen zum Erfolg führten. Doch solle möglichst viel "gesät" werden, damit wenigstens ein Teil dieser Saat aufgehen und Frucht bringen könne. Als Beispiel nannte der Pastor Evangelisation in der Familie, in der Nichtchristen zum Glauben eingeladen werden sollten.

Keine Wunderwaffe

Der Vorsitzende von "Willow Creek Deutschland", Ulrich Eggers, warnte davor, das Vorbild der Chicagoer Gemeinde als "Wunderwaffe oder Dopingmittel" zu begreifen. Gemeindewachstum lasse sich nicht mit billigen Tricks bewirken, es bestehe vor allem aus dem "Backen kleiner Brötchen". 

Finanzkrise als "Geburtswehe einer neuen Welt"

Der Managementexperte und Bestsellerautor Fredmund Malik (St. Gallen) nannte die gegenwärtige Finanzkrise die "Geburtswehe einer neuen Welt". Ewiges Wachstum, wie es das seitherige Wirtschaftssystem fordere, könne es nicht geben. So wie eine Raupe nicht immer größer werde, sondern sich eines Tages in einen Schmetterling verwandle, verändere sich auch die Wirtschaft in eine neue Form, sagte der Experte für Führungslehre. 

Malik kritisierte, dass die meisten Manager auf ihre Aufgabe nicht vorbereitet würden, weil es auch kaum entsprechende Bildungsangebote gebe. "Wenn unsere Piloten so schlecht ausgebildet wären wie unsere Führungskräfte - wir würden nicht fliegen", so Malik. Er schätze, dass es in Wirtschaft und Organisationen alleine in Deutschland fünf bis zehn Millionen Menschen mit Managementverantwortung gebe, von denen aber die meisten nicht über das erforderliche Fachwissen für ihre Aufgabe verfügten.

Der Kongress findet in Verbindung mit der US-amerikanischen Willow-Creek-Gemeinde (Chicago) statt, die wöchentlich rund 23.000 Gottesdienstbesucher zählt. Der am Samstag endende Kongress hat rund 8.000 Teilnehmer in Karlsruhe und 500 an einem Übertragungsort in Winterthur. Die Hälfte der Teilnehmer in Karlsruhe sind Mitglieder der evangelischen Landeskirche, die andere Hälfte gehört Freikirchen und der römisch-katholischen Kirche an.

Quelle: epd Südwest

       

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