Das Elektroauto ist keine Lösung

 

Akademietagung zur Zukunft der Mobilität

 Karl Otto Schallaböck

Zum offensiven Umsteuern in Sachen Mobilität
rief Karl Otto Schallaböck vom Wuppertal
Institut für Klima, Umwelt und Energie auf



Heiner Monheim

Deutschland sollte Vorbild werden für eine
"nachhaltige Weiterentwicklung der Mobilität"
- Verkehrswissenschaftler Heiner Monheim



Joachim Radkau

Joachim Radkau unterstrich, dass sich ein
Blick in die vielfältige Technikgeschichte
gerade in Sachen Mobilität lohne.



Siegfried Strobel und Referenten

Für eine "Wiederentdeckung der
Geschwindigkeit nach menschlichem Maß"
- Akademiedirektor Siegfried Strobel
und die Referenten

(01.02.10) Zu einem offensiven Umsteuern in Sachen Mobilität hat am Wochenende der Philosoph Karl Otto Schallaböck vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie aufgerufen. Auf der Bad Herrenalber Tagung "Zukunft der Mobilität in einer globalisierten Welt", die gemeinsam von der Evangelischen Akademie Baden und dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) veranstaltet wurde, betonte Schallaböck, dass Mobilität zwar elementar zum Menschsein dazu gehöre. Die Vorteile der menschengeschichtlich innovativen Erfindung von "mit Fremdenergie angetriebenen Apparaten" seien inzwischen aber längst zum Nachteil für die Menschheit geworden. Der weltweit immer noch anwachsende Verkehr sei eine der maßgeblichen Quellen für Treibhausgasemissionen.

Weder das Elektroauto noch der Hybridantrieb, so Schallaböck weiter, seien bisher eine effiziente Lösung, um Emissionen nennenswert abzusenken. Vielmehr gelte es, die zurückgelegten Fahrzeugkilometer deutlich zu vermindern, den Verkehr auf weniger belastete Verkehrsträger zu verlagern und die Verkehrsmittel in Richtung kleinere Autos zu verbessern. Sinnvoll sei auch eine Absenkung der Geschwindigkeit, denn bei Tempo 80 werde deutlicher weniger Sprit verbraucht.

Notwendige Veränderungen in der Zukunft

Die Notwendigkeit von Verhaltensänderungen hob der Verkehrswissenschaftler Heiner Monheim (Trier) hervor. Statt den Stau und damit "Immobilität zu globalisieren", gelte es, die Städte so zu organisieren, das mit möglichst wenig Schaden Mobilität ermöglicht wird. Deutschland als Land, in dem das Auto erfunden wurde, sollte Verantwortung für die Welt übernehmen und Vorbild werden für eine "nachhaltige Weiterentwicklung der Mobilität". Dabei gehe es insbesondere um die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs.

Die Herausforderungen an das Verkehrs- und Siedlungssystem angesichts der demographischen Entwicklung zeigte Bastian Chlond (Karlsruhe), Projektleiter am Institut für Verkehrswesen am KIT auf. Zukünftig werde sich immer mehr die Frage stellen, wie viel Mobilität wir uns überhaupt noch leisten können. Mobilität werde in Zukunft mit großer Wahrscheinlichkeit teurer, bereits heute könne man in peripheren Räumen kaum noch die gewohnte Infrastruktur erhalten.

Erhellender Blick in die Geschichte

An eher vergessene Seiten der Technikgeschichte erinnerte der Technik-Historiker Joachim Radkau (Bielefeld): Noch in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts sei das Auto in Deutschland eher unpopulär gewesen. Die bedeutungsvolle Zäsur der bundesdeutschen Automobilgeschichte liege in der Zeit um 1960, als die Zweckbindung der Mineralölsteuer für den Straßenbau beschlossen wurde. Damit sei aber ein "permanenter Zwang zum Ausbau des Straßennetzes installiert worden". Radkau unterstrich, dass sich ein Blick in die vielfältige Technikgeschichte gerade in Sachen Mobilität lohne. Viele gute Konzepte seien schon einmal da gewesen, seien dann aber nicht weiterverfolgt worden.

Für eine "Wiederentdeckung der Geschwindigkeit nach menschlichem Maß" sprach sich Akademiedirektor Siegfried Strobel (Karlsruhe) aus. Diese sei gesund für den Körper, gut für den Geldbeutel und prima für das Klima. Die biblische Schöpfungsgeschichte kenne diese Form der Geschwindigkeit: sie ende mit dem Sabbath, mit der Feier der freien, von aller Geschäftigkeit frei gehaltenen Zeit.

Ralf Stieber, Evangelische Akademie Baden

       

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