Alles hat seine Zeit
Seminar „Saisonal und regional“ des Kirchlichen Dienstes Land befassste sich mit der gesunden Ernährung aus heimischen Feldern und Gärten
„Die Menschen haben den Rhythmus
des Lebens verloren“ - Herrman Witter
„Ernährung ist ein Erziehungsauftrag“
- Friedlinde Gurr-Hirsch
Die Autorinnen und Herrmann Witter
präsentieren das Kochbuch
(15.03.10) Erdbeeren im Winter oder Spargel im Herbst, Tomaten zu jeder Jahreszeit lassen für viele Verbraucher das Gefühl verloren gehen, dass alle Lebensmittel eigentlich ihre eigene Jahreszeit haben. Die weltweite Lebensmittellogistik macht den uneingeschränkten Genuss von allem zu jeder Zeit möglich. Nicht nur das Gefühl und die Wertschätzung für Lebensmittel geht so häufig verloren, sondern auch die Erkenntnis von Saat und Ernte – dem Rhythmus des Lebens und der Schöpfung.
Pfarrer Hermann Witter, Beauftragter des Kirchlichen Dienstes Land (KDL) der Evangelischen Landeskirche in Baden machte in der Evangelischen Akademie in Bad Herrenalb mit den Worten aus dem biblischen Buch Prediger, „Alles hat seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel seine Stunde“ deutlich, dass es an der Zeit sei, umzudenken. „Die Menschen haben den Rhythmus des Lebens verloren“, meinte Witter zur Eröffnung des Seminars und forderte: „Wir müssen den Menschen helfen, ein neues Wertesystem zu etablieren. Wenn die Menschen bei allem Tun und Lassen Gott im Blick haben, können sie im Prinzip nichts falsch machen“, betont der Leiter des KDL. Wenn dies aus dem Blick gerate, werde das Leben egal.
Gesunde Ernährung aus heimischen Feldern und Gärten
Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch (MdL) aus dem Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz unterstrich die Anliegen Witters und fügt hinzu: „Der Mensch braucht eine Verwurzelung im Glauben und der Religion. Diese Grundhaltung muss verstärkt den jungen Menschen weitergegeben werden, damit sie in der Welt und ihrer Region Wurzeln schlagen können. Der Rhythmus ist das Raster, die Ordnung, im Sinne von Erleichterung und Orientierung im täglichen Leben.“ Die Leistungen der regionalen landwirtschaftlichen Produktion unterstrich Gurr-Hirsch anhand einiger eindrücklicher Zahlen. Zehn Prozent der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft und trägt somit zum Erhalt der im Südwesten so vielfältigen Kulturlandschaft und zur Versorgung der Bevölkerung bei. So hätte sich in den letzten Jahrzehnten das Land durch die eigenständige Produktion von Landwirtschaft und Weinbau zum Genießerland entwickelt und dies hätte dazu geführt, dass insbesondere im Südwesten Deutschlands nach den letzten Untersuchungen 87% der Verbraucher Nahrungsmittel aus der Region bevorzugten. Dass das Land seinen Teil dazu beigetragen hat, wird daran deutlich, dass 16.000 Betriebe nach den Richtlinien des Landes zertifiziert wurden und bei 2.000 verschiedenen Veranstaltungen in und um Landwirtschaft und Weinbau jedes Jahr rund 700.000 Besucher zu den landwirtschaftlichen Produktionsstätten pilgern und sich informieren. Ein eigenes Ökomonitoring weise bei regelmäßigen Kontrollen die regionalen Produkte als so gut wie nicht belastet aus. Man sei in der Region nahe an der alten Hippokratischen Forderung, Nahrungsmittel sollen Heilmittel und Heilmittel sollen Nahrungsmittel sein, so Gurr-Hirsch.
„Ernährung ist ein Erziehungsauftrag“, betonte Gurr-Hirsch. Ihre erschütternde Beobachtung sei, dass junge Familien oft nicht mehr in der Lage seien zu kochen. Nicht aus eigener Schuld oder weil sie nicht wollten, sondern sie hätten es von niemandem gelernt. Darum plädiert sie dafür, frühzeitig bewusst mit der Ernährung umzugehen, auch mit unterstützenden Programmen des Landes, beispielsweise in den Kindergärten und Schulen für eine flächendeckende Ernährungserziehung der Kinder. Junge Menschen sollten einen „Ernährungsführerschein“ machen.
„Alle guten Gaben“: Kochbuch des KDL vorgestellt
Pfarrer Witter stellte zum Ende der Veranstaltung das neue Kochbuch des KDL vor. „Alle guten Gaben“ ist eine kulinarische Reise durch das Kirchenjahr und wurde mit über hundert Rezepten aus den badischen Traditionen von vielen Landfrauen und -männern gesammelt. Die Kochideen sind dem Kirchenjahr zugeordnet. Damit die Rhythmen des Kirchenjahres auch optisch zum Tragen kommen, wurden die liturgischen Farben in die Gestaltung mit einbezogen und eine Einführung in die jeweilige Kirchenjahreszeit verfasst. Den Jahreslauf mit seinen Regelmäßigkeiten von Saat und Ernte unterstreicht eine Sammlung von Tischgebeten, die verdeutlichen:. Essen spielt im Tagesablauf eine Rolle, und ein gedeckter Tisch ist nicht immer selbstverständlich. Tischkanons und ein kleines Weinbrevier runden das Kochbuch ab.
Zu bestellen beim KDL unter der e-mail: KDL-Baden@t-online.de. Auch im Buchhandel zu beziehen.
