Erstmals Ökumenischer Gottesdienst zum Christopher Street Day in Mannheim

 

(12.08.2010) In Mannheim findet am Samstag erstmals ein ökumenischer Gottesdienst zum Christopher-Street-Day statt, an dem Homosexuelle mit Feiern und bunten Paraden für ihre Rechte und gegen Ausgrenzung demonstrieren.

Der Pfarrer der CityGemeinde Hafen-Konkordien, Peter Annweiler, sagt dazu: "Es ist Aufgabe der Kirche in einer Großstadt, bei öffentlichen Großereignissen präsent zu sein." Oberkirchenrat Matthias Kreplin wirbt für einen Dialog, um zum Thema Homosexualität in der evangelischen Kirche zu gemeinsamen Positionen zu kommen. Der Mannheimer Gottesdienst sei eine gute Gelegenheit zur Begegnung.

       

      Interview mit Pfr. Peter Annweiler und Gedanken von OKR Matthias Kreplin

       

      Interview mit Peter Annweiler:

      Warum gestaltet die evangelische CityGemeinde Hafen-Konkordien den ökumenischen Gottesdienst zum Christopher-Street-Day (CSD) mit?

      Annweiler: Es ist Aufgabe der Kirche in einer Großstadt, bei öffentlichen Großereignissen präsent zu sein. Zudem geht es darum, gleichgeschlechtliche Lebensformen in der Kirche sichtbar zu machen, Lesben und Schwule in ihrer Buntheit und als Bereicherung einer Gemeinde wahrzunehmen.

      Interessieren sich Homosexuelle eigentlich für die Angebote der Kirche?

      Wir feiern in Mannheim seit mehreren Jahren ökumenische Gottesdienste zum Welt-Aids-Tag Anfang Dezember. Die werden von jeweils 80 bis 90 Menschen besucht, unter ihnen viele Homosexuelle. Am Samstag werden aber auch Mitglieder unserer Gemeinde kommen, um ihre Solidarität zu bekunden. Ökumenische Gottesdienste zum Christopher-Street-Day sind in anderen Großstädten wie Köln, Frankfurt oder München seit langem üblich.


      Wie wird der Gottesdienst gestaltet?

      Wir nehmen das CSD-Motto "Die Zukunft ist bunt" mit farbigen Stoffbahnen in der Kirche auf. Mein katholischer Kollege macht sich Gedanken zur Psychologie der Farben. In der Predigt stelle ich den biblischen Bezug zum Regenbogen her.

       


      Einordnende Gedanken von OKR Kreplin:

      Vordergründig mag es so aussehen, als bewege sich die Schwulen- und Lesbenbewegung mit ihrem Christopher-Street-Day in völlig anderen Milieus als sie in der Evangelischen Kirche zu finden sind. Aber das täuscht. Auch in der evangelischen Kirche gibt es homosexuell orientierte Menschen, die bewusst als Christen leben und in der Kirche Verantwortung übernehmen wollen. Deshalb hat schon die Evangelische Landessynode in Baden 2003 sich gegen jede Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ausgesprochen und ausdrücklich die damals eingeführte rechtliche Regelung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften begrüßt.
      Allerdings gibt es innerhalb der evangelischen Kirche auch eine breite Strömung, die unter Bezugnahme auf einige biblische Traditionen Homosexualität gegenüber kritisch eingestellt ist. Hier wird es noch intensive Gespräche über das Verständnis der Bibel brauchen und auch die Begegnung mit homosexuell orientierten Menschen, um zu gemeinsamen Positionen innerhalb der evangelischen Kirche zu kommen - insbesondere in der Frage der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Der ökumenische Gottesdienst zum Christopher-Street-Day in Mannheim bildet dazu eine gute Gelegenheit zur Begegnung.

       

      Lesen Sie hier den Beschluss der Landessynode von 2003 zur geistlichen Begleitung von Lebenspartnerschaften