Genuss und Solidarität

 

Der "Faire Handel" boomt: Im Krisenjahr 2009 gaben die Kunden dafür 322 Millionen Euro aus, wie das Forum Fairer Handel mitteilte. Das war so viel wie nie zuvor. Die evangelische Kirche hat bei der Gründung der Bewegung vor 40 Jahren eine maßgebliche Rolle gespielt.

Heute gibt es allein in Baden 65 Weltläden, zum Teil in kirchlicher Trägerschaft, wie der Beauftragte für den kirchlichen Entwicklungsdienst, Peter Scherhans, sagt. Mehr als 120 badische Gemeinden "trinken fair", in ihren Kaffeemaschinen wird gerecht gehandelter Kaffee aufgebrüht. Bei Gemeindeveranstaltungen wird der Eine-Welt-Kiosk aufgebaut.

Die Branche stecke trotz zweistelligen Umsatzsprüngen in den vergangenen Jahren zwar immer noch in einer Nische, sagt Scherhans. Doch führten mittlerweile auch Discounter und Einzelhandelsketten fair gehandelte Produkte. Die zunächst kontrovers diskutierte Beteiligung von Billigketten wie Aldi oder Lidl sei mittlerweile weitgehend akzeptiert: "Wer will, dass zum Wohl der Produzenten sich möglichst viele beteiligen, der wird begrüßen, dass die Discounter mitmachen - auch wenn das für die nur Imagepflege ist. Denn sie bringen die Masse." Nur noch etwa 10 Prozent des Umsatzes von GEPA und anderen Fair-Handelsorganisationen entfielen auf die traditionellen Weltläden.

Auch dort weht längst ein anderer Wind: Nicht länger nur die Solidarität mit den Herstellern in den Entwicklungsländern spiele beim Einkauf eine Rolle, sondern auch die Qualität der Waren und deren Genusswert, sagt der Beauftragte für den kirchlichen Entwicklungsdienst. "Die Produkte müssen ja verkauft werden. Darum geht es um ein attraktives Angebot, das in attraktiven Läden präsentiert wird." Professionelles Marketing ist kein Fremdwort mehr: So gab es zur Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika "Produkte mit Kick" - vom modischen T-Shirt bis zum Ball aus pakistanischer Produktion.

Das entwicklungspolitische Engagement ist für die Weltläden dennoch von zentraler Bedeutung geblieben. Die Verbraucher könnten sich dort über die Produzenten informieren, und bei Veranstaltungen und Kampagnen geht es um entwicklungspolitische Themen wie gerechtere Welthandelsstrukturen, betont Scherhans. Dabei leben die Weltläden vom ehrenamtlichen Engagement. "Viele dieser ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter investieren sehr viel Zeit, Kraft und Ideenreichtum", sagt der Pfarrer.