"Die Welt gehört Gott, nicht Google"

 

Aber Kirchen sollten im Internet auch nicht versteckt werden

Blumenaukapelle der Jonagemeinde in Mannheim

"Kirchengebäude nicht verstecken":
Z. B. die Blumenaukapelle in Mannheim

Karlsruhe (16.8.2010) Die Evangelische Landeskirche in Baden sieht das umstrittene Google-Street-View-Projekt kritisch, hat sich aber gegen das generelle Löschen ihrer mehr als 1.300 Kirchengebäude und Gemeindehäuser in den virtuellen Stadtansichten ausgesprochen. "Wir wollen ja von den Menschen gefunden werden", sagte Oberkirchenrätin Karen Hinrichs. Der Datenschutzbeauftragte der Landeskirche,  Thomas Klie, bezeichnete es als  problematisch, den öffentlichen Raum kommerziell zu verwerten.

Im Unterschied zu Kirchen und Verwaltungsgebäuden werfe die Online-Erfassung von Kindergärten oder Pfarrhäusern weitere Fragen auf. Es dürfe auf den dreidimensionalen Straßenansichten niemand zu erkennen sein, verlangten Hinrichs und Klie. "Die Privatsphäre darf nicht angetastet werden", sagte der Datenschutzbeauftragte. Hinrichs erklärte: "Die Welt gehört Gott und nicht Google."

Der US-Internetkonzern hat die Straßenzüge von 20 deutschen Großstädten abfotografiert und will sie noch in diesem Jahr online stellen. Im Gebiet der badischen Landeskirche ist zunächst nur Mannheim betroffen. Google räumt Hausbesitzern und Mietern eine Frist bis Mitte September ein, in der sie die Unkenntlichmachung ihrer Liegenschaften bereits vor dem Start von Street View verlangen können. Hinrichs kritisierte, dass diese Frist ausgerechnet in den Ferien beginne, in denen viele Badener nicht zu Hause seien.

Klie erklärte, er halte den gesamten Google-Dienst aus Datenschutzgründen für problematisch und rechtlich ungeregelt. "Aber jeder Bürger kann sich wehren", unterstrich der Professor für öffentliches Recht und Verwaltungswissenschaft an der Evangelischen Hochschule Freiburg.