"Bereit für neue Erfahrungen" - Seelsorgeangebote für Urlauber in Baden
Kirche muss da sein, wo die Menschen sind:
(23.08.2010) Der Sommer ist die Zeit der Urlauberseelsorge. Etliche Pfarrer, Diakone und Ruheständler kümmern sich an beliebten Ferienorten im Ausland um deutsche Touristen. Aber auch in Baden - im Schwarzwald und am Bodensee - sind Urlaubsseelsorger im Einsatz. Sie treffen auf Menschen in einer besonderen Situation.
"Die Menschen nehmen sich eine Auszeit vom Alltag, sind bereit für neue Erfahrungen", sagt Sabine Kast-Streib, die geschäftsführende Direktorin des Zentrum für Seelsorge beim Oberkirchenrat. Deshalb erreichten die Seelsorger häufig auch Kirchenferne. "Ein Anlass kann schon der Besuch einer schönen Kirche sein."
Klaus Borchers-Ziobro kann das nur bestätigen. Jahrelang hat der Pfarrer im Ruhestand in der Droste-Stadt Meersburg am Bodensee im Sommer ausgeholfen. Um mit den Touristen in Kontakt zu kommen, wählte er einen strategisch günstigen Platz: "Die Schlosskapelle steht der evangelischen Gemeinde zur Verfügung. Da strömen die Touristen rein."
Vor der Kirche hatte Borchers-Ziobro ein Infoblatt mit seinem Bild und dem Angebot zu einer Führung aufgehängt. Einige sprachen ihn dann in der Kirche an. In den Führungen durch die prachtvoll ausgestattete Kapelle habe er dann versucht, Bemerkungen der Besucher aufzunehmen und ein tiefergehendes Gespräch zu führen.
"Man muss einen halben Schritt auf die Menschen zukommen und die besondere Stimmung im Urlaub aufnehmen", sagt der erfahrene Theologe. In einigen Fällen enstand so ein Vertrauensverhältnis zu Leuten, die große Probleme mit sich herumtrugen. "Eine Frau wollte über den Tod ihres Mannes sprechen. Ein Ehepaar litt darunter, dass der Kontakt zu den Kindern abgerissen war. Auch Scheidungen waren ein Thema."
Borchers-Ziobro sagt, er sei bei seiner Arbeit am Bodensee von den örtlichen Pfarrerinnen sehr unterstützt worden - von einer eventuellen Konkurrenz zu den ansässigen Seelsorgern kann er nichts berichten. Kirchenrätin Kast-Streib, die im Oberkirchenrat in Karlsruhe für die Urlauberseelsorge zuständig ist, betont, dass sich die Arbeit ohnehin nur zum Teil überschneide. "Die besonderen Angebote werden auch oft von den Urlaubern wahrgenommen, nicht nur von der ansässigen Gemeinde."
Viele Gemeinden in der badischen Landeskirche haben Angebote für Urlauberinnen und Urlauber entwickelt. Durch ein „Netzwerk Tourismusarbeit“ sollen diese Angebote künftig gezielt unterstützt und koordiniert werden. Außerdem werden für acht Gemeinden jedes Jahr Urlauberseelsorgen ausgeschrieben, leider bleiben fast immer einige Stellen vakant. "Die Interessierten können sich eigentlich aussuchen, wo sie hingehen", sagt Kast-Streib. Im Angebot sind Urlaubsziele wie die Insel Reichenau, Konstanz oder Titisee.
Weitere Infos finden Sie auf der Seite: "Klinik-, Kur- und Urlaubsseelsorge"
