"Jetzt weiß ich, was ich tun kann!"

 

Friedensstiftertraining für Jugendliche

Jugendliche beim spielerischen Schlagabtausch

Friedensstiftertraining für Jugendliche

(06.09.2010). „Wenn Gewalt im Spiel ist, halte ich mich raus! Hinterher bin ich tot, wie der Mann in München!“ So und ähnlich äußern sich viele Jugendliche am Anfang ihres "Friedensstiftertrainings", das die Arbeitsstelle Frieden im Evangelischen Kinder- und Jugendwerk Baden anbietet. Der Tod von Dominik Brunner ist nun ein Jahr her, die Täter wurden zu hohen Haftstrafen verurteilt. Trotz zahlreicher Appelle für mehr Zivilcourage scheint dieser Fall bei vielen Menschen den gegenteiligen Effekt hervorzurufen. Sie halten sich raus, wenn sie mit Gewalt konfrontiert werden. Vielleicht noch verständigen sie die Polizei. Aber bis diese zur Stelle ist, kann viel passieren, wie der Fall in München zeigt.

Wie man sich richtig verhält - das vermittelt die Arbeitsstelle Frieden seit nunmehr drei Jahren mit ihrem "Friedensstiftertraining". Das Angebot erreicht bislang vor allem Kofirmandinnen und Konfirmanden, es gibt aber auch ein wachsendes Interesse von Schulen. Zudem bildet die Arbeitsstelle regelmäßig Haupt- und Ehrenamtliche zu Trainerinnen und Trainern  aus. Das Thema Zivilcourage ist dabei nur ein Thema, genauso wichtig sind die Einheiten Mobbing, Umgang mit Provokationen oder Konflikte fair lösen. Den Schwerpunkt bestimmen die Jugendlichen selbst. In einer Andacht am Ende des Trainings erhalten sie ein Friedensstifterzertifikat überreicht.

Einige Ratschläge zur Zivilcourage sind theoretisch bekannt: Ruhe bewahren, die Angreifer nicht körperlich berühren, andere Zuschauer direkt ansprechen und sie zu konkreten Handlungen aufrufen, wie etwa die Polizei verständigen.  Aber wie macht man das? Wie spreche ich jemanden an? Kann ich das überhaupt, oder verstumme ich angesichts der Gewalt? In Gewaltsituationen verhindert oft die Angst, selbst verletzt zu werden, wirksames Handeln. Zivilcourage ist eben nicht nur eine Sache der Überzeugung – sie muss auch geübt und gelernt sein.

In den zweitägigen Trainings lernen Jugendliche in konkreten Situationen, wie sie in das Geschehen eingreifen können, ohne sich und andere zu sehr zu gefährden. In Rollenspielen erfahren sie an ihrer eigenen Person, welche Verhaltensweisen Gewalttäter eher noch anstachelt oder aber beruhigt. Heldenhaftigkeit ist fehl am Platz. Die Jugendlichen erfahren, dass Körperkontakt möglichst vermieden werden muss, um die Situation nicht noch mehr zu anzuheizen. Wichtig ist es, Zuschauende direkt anzusprechen und sie zu konkretem Verhalten aufzufordern.
Eine häufige Rückmeldung nach dem Training: „Jetzt weiß ich was ich tun kann!“

Stefan Maaß, Arbeitsstelle Frieden