Mit der Verabschiedung einer neuen Grundordnung endete die Frühjahrstagung der Landessynode in Bad Herrenalb: Mit überwältigender Mehrheit wurde die Neufassung des „Grundgesetzes“ beschlossen. Desweiteren richteten die 77 Synodalen aus ganz Baden ihren Blick in die Zukunft: Strategische Ziele und erste Beratungen zum Doppelhaushalt 2008/2009 standen auf dem Programm.
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Ausführliche Vorschau auf die Themen der Frühjahrstagung und grundlegende Informationen über die Synode
Mittwoch, 25. April: Eröffnungsgottesdienst
Bei allem Blick nach vorne erinnerte Oberkirchenrat Gerhard Vicktor, ständiger Stellvertreter des Landesbischofs, in seiner Predigt im Eröffnungsgottesdienst an die Grenzen menschlichen Planens und Denkens. „Die göttliche Präsenz in verschiedenen Formen menschlicher Geschäftigkeit erleben zu dürfen, ein Mal menschliches Planen zu begrenzen, ein anderes Mal es weit über das gesetzt Ziel hinaustragen, das waren und sind im letzten tröstliche Erfahrungen“, so Vicktor.
Ausführlicher Bericht: Pressemeldung vom 25.04.07
Predigt von Oberkirchenrat Gerhard Vicktor im Eröffnungsgottesdienst als PDF Dokument zum Download
Donnerstag, 26. April: Bericht des Landesbischofs zur Lage und erste Plenarsitzung
Flexibilität in den Gemeindeformen, ein starkes Miteinander von haupt- und ehrenamtlich Mitarbeiten, neue Fortbildungs- und Bildungskonzeptionen: unter anderem darin sieht Landesbischof Ulrich Fischer Chancen für die Zukunft der Landeskirche. In seinem jährlichen Bericht zur Lage vor der Landessynode sprach sich Fischer zudem für ein engeres Miteinander mit der württembergischen Landeskirche aus.
Bericht zur Lage
Der badische Bischof würdigte das im letzten Jahr veröffentlichte Impulspapier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und empfand den Zukunftskongress in Wittenberg im Januar dieses Jahres als großen Gewinn für die Kirche. Vor allem mit den Grundsätzen geistliche Profilierung statt undeutlicher Aktivität, Schwerpunktsetzung statt Vollständigkeit, Außenorientierung statt Selbstgenügsamkeit sowie Beweglichkeit in den Strukturen habe die EKD „Unverzichtbares für die Weiterentwicklung“ benannt. In Baden könne vieles davon aufgenommen und weitergeführt werden.
Die im Impulspapier gezeichneten rechnerischen Szenarien im Jahr 2030 würden allerdings nicht auf Baden zutreffen. Nach wie vor bleibe auch die Parochie, ein bestimmtes Einzugsgebiet für eine Gemeinde, im ländlichen Raum in Baden eine feste Größe, in den Großstädten müsse man allerdings auch in Baden offen für neue Strukturen und Gemeindeformen sein.
Die regelmäßigen Dienste in den Gemeinden müssten verlässlich weiter finanziert werden, auf der Ebene von Kirchenbezirken und Landeskirche sollte aber eine stärkere Profilierung durch Projektmittel möglich sein. „Steigerung der Motivation und Leistungsbereitschaft muss unser Ziel sein, nicht Aufbau neuer Versagens- oder Verlustängste.“
Die Bildungsarbeit der Landeskirche solle im Rahmen eines Bildungsgesamtplanes neu konzeptionell ausgerichtet werden. Zusammen mit der württembergischen Landeskirche wolle man einen „Grundkurs Glauben“ für Mitarbeitende konzipieren, um die Sprachfähigkeit im Glauben zu entwickeln.
Erste Plenarsitzung: Novelle der Grundordnung
Mit einer Einführung in die letzten Beratungen zur Novelle der Grundordnung, dem „Grundgesetz“ der Evangelischen Landeskirche in Baden, beendete die Landessynode ihre erste Plenarsitzung.
Einführung in den Entwurf zur Neufassung der Grundordnung 2007
Mit der Art und Weise, wie sich eine Kirche rechtlich organisiert, lege sie Zeugnis darüber ab, von welchen geistigen und geistlichen Kräften sie ihr Leben bestimmen lasse, betonte der Rechtsreferent der Evangelischen Landeskirche in Baden, Oberkirchenrat Jörg Winter. Bei der Neufassung der seit fast 50 Jahren geltenden Grundordnung gehe es demnach auch um eine „Vergewisserung und Verständigung über die Grundlagen unserer theologischen Existenz“, wie Winter sagte.
Im Anschluss an die Plenarsitzung tagten die ständigen Ausschüsse.
Ausführlicher Bericht: Pressemeldung zum Bericht zur Lage vom 26.04.07
Landesbischof Ulrich Fischers Bericht zur Lage im Wortlaut (PDF)
Ausführlicher Bericht: Pressemeldung zur 1. Plenarsitzung vom 26.04.07
Freitag, 27. April: Pressekonferenz und zweite Plenarsitzung
Bei der Pressekonfernz am Freitag machten Synodalpräsidentin Margit Fleckenstein und Landesbischof Ulrich Fischer deutlich, dass sich die Evangelische Landeskirche in Baden in einer „guten Ausgangsposition“ für die kommenden Jahre sieht.
Novelle der Grundordnung und strategische Ziele
Strukturen flexibler zu gestalten, offenere Gemeindeformen zu etablieren und der mittleren Ebene mehr Entscheidungsbefugnis zu geben, das seien die wesentlichen Änderungen der Novelle der Grundordnung. Die Landessynode hat zudem sechs strategische Ziele für die Zukunft beschlossen. Neben der Verbesserung des Miteinanders von Haupt- und Ehrenamt, einer vertieften Kommunikation der Inhalte des Glaubens nach außen und nach innen sowie der Zuwendung zu Menschen in seelischer und materieller Not steht vor allem die Bildung auf der Prioritätenliste. „Das heißt nicht nur reines Wissen, sondern eine ganzheitliche Bildung für alle Menschen, besonders für die Benachteiligten“, erklärte Dekan Günter Eitenmüller (Mannheim), Vorsitzender des Bildungs- und Diakonieausschusses. Dazu gehöre die Profilierung der Kindertagesstättenarbeit wie die Arbeit mit Senioren und der Religionsunterricht. „Unser christliches evangelisches Profil soll erkennbarer werden.“
Entpanntere Finanzsituation
Nach Mehreinnahmen im letzten Jahr von 5,5 Prozent bei der Kirchensteuer erwarte man auch in den nächsten Jahren eine bessere Einnahmesituation. „Dabei hilft uns das ansteigende wirtschaftliche Wachstum“, wie Joachim Buck, Vorsitzender des Finanzausschusses, erläuterte. Dennoch sei aufgrund zu erwartender Steuerreformen und der demographischen Entwicklung langfristig mit weiteren Einbußen zu rechnen, so Buck.
Ausführlicher Bericht: Pressemeldung vom 27.04.07
Strategische Ziele der Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Baden (PDF)
Samstag, 28. April: 3. Plenarsitzung
Mit überwältigender Mehrheit wurde die Neufassung des „Grundgesetzes“ verabschiedet. Erste Beratungen zum Doppelhaushalt 2008/2009 stimmten zuversichtlich.
Neue Grundordnung
50 Jahre war die alte Grundordnung der Evangelischen Landeskirche in Baden in Kraft, jetzt wurde das Gesetzeswerk grundlegend novelliert. „Mit der neuen Grundordnung haben wir einen wichtigen Beitrag für mehr Transparenz geschaffen“, sagte Präsidentin Margit Fleckenstein. Das Gesetzeswerk zeige, dass sich die Evangelische Landeskirche in Baden den anstehenden gesellschaftlichen Herausforderungen stelle. Diskutiert wurde über eine Amtszeitbegrenzung kirchenleitender Ämter, was in der Synode aber letztlich nicht die erforderliche Mehrheit fand. Landesbischof und Oberkirchenräte werden demnach nach wie vor unbefristet berufen.
Beratungen zum Doppelhaushalt 2008/2009
Zwar flossen im letzten und auch in diesem Jahr etwas mehr Kirchensteuern, doch machen es die demografische Entwicklung und mögliche Steuerreformen nötig, dennoch den Gürtel enger zu schnallen. Mit Kürzungen von 2,9 Millionen in dem rund 300 Millionen Euro umfassenden Haushalt sehen die Synodalen die Landeskirche gut gerüstet für die Zukunft. Neben Sachkosten und Stellen in der Verwaltung sollen durch zweimonatige Vakanzen von neu zu besetzenden Pfarrstellen und einer langfristigen Reduktion von kirchlichen Lehrkräften im Religionsunterricht die Einsparungen erzielt werden. Insgesamt rechne man aber bis zum Jahr 2010 mit einer deutlichen Entspannung der kirchlichen Finanzlage. Auf der Herbsttagung im Oktober 2007 wird das Zahlenwerk endgültig verabschiedet.
Mit sechs strategischen Zielen und Mitteln in Höhe von rund acht Millionen Euro bis 2010 will die Landeskirche aber dennoch neue befristete Projekte angehen. Dazu sollen bis zur nächsten Tagung Maßnahmen geplant werden, die vor allem im Bildungsbereich, der Verbesserung des Miteinanders von haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden sowie in diakonischen Aufgabengebieten liegen sollen.
Aussprache des Berichts von Landesbischof Fischer
Im Rahmen der Aussprache des Berichts von Landesbischof Ulrich Fischer würdigte die Landessynode die im November 2006 von der Innenministerkonferenz beschlossene Bleiberechtsregelung. Diese greife allerdings immer noch zu kurz: „Die Regelungen ermöglichen nur für einen Teil der langjährig geduldeten Flüchtlinge eine humanitäre Lösung“, sagte der Mannheimer Dekan Günter Eitenmüller, Vorsitzender des Bildungs- und Diakonieausschusses. Die Synodalen appellierten an die Kirchengemeinden, Flüchtlingen bei Arbeits- und Wohnungssuche behilflich zu sein und sich bei ihren Bundestags- und Landtagsabgesordneten für eine erweiterte Bleiberechtsregelung einzusetzen.
Ausführlicher Bericht: Pressemeldung vom 28.04.07
Beschluss der Landessynode zu Bleiberecht und Zuwanderungsgesetz