Gurs 1940 - Wir gedenken

 

Die Deportation der südwestdeutschen Juden nach Gurs am 22. Oktober 1940

Deportation jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger nach Gurs

 

Im Vorhof zur Hölle

Der 22. Oktober 1940 ist einer der schwärzesten Tage in der Geschichte Südwestdeutschlands: Innerhalb nur weniger Stunden wurde nahezu die gesamte jüdische Bevölkerung Badens, der Pfalz und des Saarlandes in das südfranzösische „Camp de Gurs“ deportiert, das größte Internierungslager in Frankreich. Ziel der sogenannten „Wagner-Bürckel-Aktion“ war es, die südwestdeutschen Gebiete als erste im Reich rasch und vollends „judenfrei“ zu machen. Die meisten der 6.538 Deportierten kamen in den folgenden Jahren ums Leben.

Pro Jude eine Wolldecke

Die Gestapo-Beamten kamen am frühen Morgen in die Wohnungen. Die Festgenommenen in den 137 betroffenen Gemeinden mussten in aller Eile ihre Habseligkeiten zusammenpacken und innerhalb einer Stunde reisefertig sein. Pro Kopf durfte ein höchstens 50 Kilogramm schwerer Koffer mitgenommen werden, eine Wolldecke, Geschirr und Lebensmittel für mehrere Tage, maximal 100 Reichsmark sowie die Ausweispapiere. Mit Zügen und Lastwagen wurden die Menschen in das 1.300 Kilometer entfernte Gurs gebracht – kleine Kinder ebenso wie Alte und Kranke. Dass sie nie mehr zurückkommen sollten, war ihnen nicht klar. An den Strapazen der dreitägigen Reise starben bereits viele der älteren Juden.

 

     

    Hanna Meyer-Moses und ihre Schwester

    » Zeitzeugengespräch mit Hanna Meyer-Moses

    Die 1927 in Durlach geborene Zeitzeugin Hanna Meyer-Moses wurde am 22.10.1940 mit ihren Eltern und den vielen anderen Juden in Baden ins Internierungslager Gurs verschleppt.
    Nur durch die Hilfe von engagierten Menschen konnte sie aus dem Lager befreit werden und als eine der wenigen deportierten Juden überleben.

       

      » Videos zum Thema Gurs

      Zeitzeugengespräch: Interview mit Kurt Maier

         

        Das Mahnmal in Neckarzimmern

        » Jugendprojekt Mahnmal

        Das ökumenische Projekt „Mahnmal für die deportierten Juden und Jüdinnen Badens“ wurde in den Jahren 2002–2005 durchgeführt. Es soll an das Schicksal der am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportierten badischen Juden und Jüdinnen erinnern. Das Projekt wollte Jugendliche und Jugendgruppen motivieren, in ihren Gemeinden auf Spurensuche zu gehen, ihre Ergebnisse zu dokumentieren und zwei identische Gedenksteine, sogenannte Memorialsteine, zu gestalten.