Ehrenamt
Das Selbstverständnis ehrenamtlicher Arbeit wandelt sich.
Ehrenamtliche beim GEK 2007
Das Selbstverständnis ehrenamtlicher Arbeit wandelt sich. Ehrenamtliche sehen sich in der Regel nicht mehr als Helfer mit begrenzter Eigenverantwortung, die langfristig für bestimmte Aufgaben zur Verfügung stehen. Ehrenamtliche möchten auch nicht bloß eine kostengünstige Ersatzlösung für nicht mehr finanzierbare Hauptamtliche sein. Ehrenamtliches Engagement ist heute vor allem qualifizierte, selbstbestimmte, in der Regel zeitlich befristete Mitarbeit.
Viele Ehrenamtliche möchten ihre Begabungen profilieren, für die sie in ihrem beruflichen und privaten Alltag nicht so breite Möglichkeiten der Verwirklichung finden: In Gemeinschaft Singen und Musizieren, Gottesdienste aktiv mitgestalten, Gruppen leiten, in Gremien mitarbeiten, soziale Aufgaben übernehmen und vieles andere. Ehrenamt soll anderen nützen und der eigenen Erfüllung dienen.
Ehrenamt bedarf:
• persönlicher Begleitung durch Hauptamtliche
• bedarfsgerechter Weiterbildungsangebote, die inhaltlich und strukturell den Bedingungen und Möglichkeiten eines freiwilligen, unentgeltlichen Dienstes entsprechen müssen.
Berufliche und ehrenamtliche Mitarbeit in der Kirche - Gedanken von Synodalpräsidentin Margit Fleckenstein
"Es wird höchste Zeit, dass wir uns vertieft Gedanken darüber machen, was Führen und Leiten in unserer Kirche bedeutet und wie Dienstgemeinschaften im Einzelnen zwischen beruflich Tätigen und ehrenamtlich Tätigen noch mehr sinnvoll auszugestalten sind."
[...] Ich muss vorab betonen, dass ich nicht von Haupt- und Ehrenamt sprechen werde, sondern von beruflich und ehrenamtlich in unserer Kirche Mitarbeitenden. Denn der Begriff Hauptamt suggeriert etwas, was mit unserer Kirchenverfassung nicht vereinbar ist. In der evangelischen Kirche gibt es keine Ämterhierarchie. Die These IV der Barmer Theologischen Erklärung ist fast wörtlich in unsere Kirchenverfassung aufgenommen: „Die verschiedenen Ämter in der Kirche begründen keine Herrschaft der einen über die anderen, sondern haben teil an dem der ganzen Kirche anvertrauten Dienst.“ (Art. 7 GO) [...]
Wir sollten uns daran machen zu entdecken, in wie großem Umfang das evangelische Profil durch die besonderen Leitungsstrukturen unser evangelischen Kirche bestimmt wird und welche Chance für eine Erneuerung des Miteinanders in unserer Kirche sich durch eine erneuerte, verbesserte Leitungskultur bieten kann. Nur so kann nach meiner Überzeugung erreicht werden, dass nicht nur mehr Menschen bereit sein werden, Leitungsverantwortung in unserer Kirche zu übernehmen, sondern dass diese Menschen auch wieder mehr Freude an ihrer Kirche haben.
[...]
Hier finden Sie das vollständige Referat von Frau Fleckenstein zum Nachlesen.
Ehrenamtliches Engagement
EHRENAMTLICHES ENGAGEMENT bestimmt seit Jahrzehnten das Leben von Axel Wermke entscheidend. Mit ihm sprach Standpunkte-Chefredakteur Alexander Werner in Ubstadt-Weiher bei Karlsruhe
Axel Wermke
Welche Rolle spielen Ehrenamtliche als Vorbild und wie ist die Situation, was ehrenamtliches Engagement in der Kirche betrifft?
Es ist wichtig, dass es Menschen gibt, von denen man weiß, wie engagiert sie sind, und sieht, dass so etwas möglich ist. Die Kirche hat die Erfahrung gemacht, dass man viel eher für kurzfristige Betätigungen Menschen findet als für längerfristige Projekte, wobei aus einem Engagement immer eine längere Bindung entstehen kann. Gerade Jugendliche leben davon, dass sie Vorbilder haben, auch unter den Lehrern, die sehr konsequent zeigen, was sie wollen, und dies auch durchhalten. Das macht nicht unbedingt immer Freude, aber es ist das Einzige, was auf Dauer bei jungen Menschen etwas bewegt.
Pfarramt, Hauptamt, Ehrenamt - Einblicke in eine schwierige Dreiecksbeziehung im Lichte des allgemeinen Priestertums - Referat auf dem Zukunftskongress im Oktober 2011 in Karlsruhe
von Prälat Dr. Traugott Schächtele
Hinführung
Die Kirche ist ohne Ehrenamtliche nicht zu denken. Sie übernehmen als Älteste oder Synodale Verantwortung in der Leitung. Sie dirigieren Kirchen- und Posaunenchöre. Sie leiten Jugendgruppen und Frauenkreise. Fast 500 von ihnen sind als Prädikantinnen und Prädikanten predigend unterwegs.
In ihrem ehrenamtlichen Betrag sind sie unverzichtbar. Was unterscheidet sie dann aber von denen, die, als Pfarrerin oder Pfarrer, als Gmeindediakon oder Gemeindediakonin, als Kantor oder Kantorin oder mit welchem Beruf auch immer, ihren Broterwerb in der Kirche finden? Nur das Gehalt? Oder gibt es noch andere Differenzierungen?
Mein Beitrag hat zum Ziel, das Verhältnis von allgemeinem Priestertum und Ehrenamt zu klären. Und ich will dadurch helfen, ein Missverständnis aus der Welt zu schaffen. Das Missverständnis nämlich, dass Ehrenamtliche aufgrund des allgemeinen Priestertums in der Kirche aktiv sind; die Hauptamtlichen oder Beruflichen aber dazu gewissermaßen noch besondere Weihen haben und in besonderer Weise priesterlich aktiv sind.
Ich will so vorgehen, dass ich zunächst kläre, was denn der Ausdruck allgemeines Priestertum meint. Danach will ich einige Grundpfeiler des Verständnisses des Ehrenamtes in der Kirche vorstellen, ehe ich dann mit ein paar Thesen zum Schluss komme.
Den gesamten Vortrag von Dr. T. Schächtele mit Gedanken zu:
- Was bedeutet „allgemeines Priestertum“?
- Was ist ein Ehrenamt?
- Thesen zur „Dreiecksbeziehung Pfarramt, Hauptamt, Ehrenamt“
erhalten Sie als pdf-Dokument zum Download.

Merkblatt zum Versicherungsschutz Ehrenamtlicher