Den Minderheiten eine Stimme geben
Pfarrerehepaar der Waldenserkirche in Uruguay zu Besuch in Baden
Susanne Labsch (Mitte) mit dem
Ehepaar Wilma und Alvaro Rommel
Die Waldenserkirche in Uruguay, einst von italienischen Einwanderern gegründet, repräsentiert weniger als ein Prozent der Gesamtbevölkerung des kleinen südamerikanischen Landes. Die kleine Kirche, die in Konkurrenz zu den Pfingstkirchen steht, will den Minderheiten im Land eine Stimme geben, sagt Pfarrer Alvaro Michelin Salomon Rommel. Er ist in der Adventszeit mit seiner Frau Wilma, die in der Lutherischen Kirche von Montevideo den Pfarrdienst versieht, zu Gast in Baden.
"Durch die 100 Jahre dauernde Säkularisation im Land sind die Menschen zunehmend geistlich verunsichert", sagt Wilma Rommel bei einem Besuch im Evangelischen Oberkirchenrat Karlsruhe. Sie führt häufig Gespräche mit Menschen, die ihre Beratungsangebote wahrnehmen und Halt fürs Leben suchen. In Uruguay ist die Selbstmordrate bei Jugendlichen besonders hoch, viele Menschen sind depressiv.
Die Menschen hätten oft keine Zukunftshoffnung, sagt Wilma Rommel: "Dies ist auch der Nährboden für die Pfingstkirchen, die großen Zulauf haben, schlussendlich viel versprechen, aber die Menschen in ihrem Versagen dann alleine lassen. Wir Waldenser halten den Protestantismus hoch, im Gegensatz zu den Erweckungsbewegungen.“
Die Waldenser zogen Mitte des 19. Jahrhunderts aus den piemontesischen Tälern Norditaliens in die Neue Welt, weil es dort in den Stammlanden dieser Reformbewegung für viele Menschen keine Lebensgrundlagen mehr gab. "Die Waldenser haben sich nach der Einwanderung in sieben der 19 Provinzen Uruguays auf dem Land angesiedelt. Es waren Bauern und sie gründeten dort die ersten Gemeinden und in guter reformatorischer Tradition auch gleich die ersten Schulen", erzählt Pfarrer Alvaro Michelin Salomon Rommel.
"Erst Mitte des 20. Jahrhunderts sind Waldenser in die Städte gezogen, weil die Jungen dort studieren wollten. Diese sind geblieben und haben die ersten Gemeinden gegründet, zum Beispiel in Montevideo." Bis heute hat die Jugend- und Studentenarbeit in den Städten große Bedeutung. In der Waldensergemeinde von Pfarrer Rommel in Montevideo sind 600 Gemeindeglieder eingetragen oder getauft und etwa 110 von ihnen regelmäßig aktiv.
Viele Pfarrer und Kirchenmitglieder engagieren sich nicht nur in den Gemeinden, sondern auch in der Sozialarbeit, wie Rommel berichtet. Mit großem Vertrauen habe der Staat an die Kirchen und an NGOs 70 Prozent der sozialen Tätigkeiten delegiert. Dieses Wirken in die Gesellschaft hinein sei allgemein anerkannt und so bewege die kleine Waldenserkirche vieles mit ihrer Seniorenarbeit in Heimen, Arbeit mit Behinderten und einem Heim mit Waisenkindern.
Viele Essenausgaben mit Vesper oder Mittagstisch für die Armen in den Städten werden mit Hilfe der Kirchen betrieben. 15 Pfarrer betreuen die Gemeinden und werden von 13 Ruhestandspfarrern bei Bedarf unterstützt. Wenige Hauptamtliche, wie HeimleiterInnen und ErzieherInnen begleiten die Sozialarbeit. Die kleinen Kirchen unterhalten sieben Schulzentren und eine theologische Ausbildungsstätte.
Die Waldenserkirche Uruguays wird von der Evangelischen Landeskirche in Baden unterstützt, unter anderem durch die Entsendung Jugendlicher des Freiwilligen Ökumenischen Friedensdienstes und durch das Gustav Adolf Werk, Hauptgruppe Baden, mit einem Fonds für Ruhestandspfarrer.
(Rolf Pfeffer, Referent für Öffentlichkeitsarbeit)







