Kirchenmusik Thema eines GAW-Studientages
v.l.n.r. GAW -Vorsitzende Gabriele Mannich,
Ladislav Morawetz, Bärbel Tschochochei,
Prof. Dr. Ernst Hofhansl, Alain Ebert,
Dr. Martin-Christian Mautner
Karlsruhe, (25.01.2012). Zwei Jahrtausende Kirchenmusik im Schnelldurchgang und ein Blick über die Grenzen nach Österreich und Tschechien bot der Studientag des Gustav-Adolf-Werks Baden im Rahmen der jährlichen Vertreterversammlung.
Das Jahr der Kirchenmusik gab dem Gustav-Adolf-Werk Baden Anlass, zum ersten Mal im Rahmen der jährlichen Vertreterversammlung in Bad Herrenalb einen Studientag zu gestalten. Dabei stellte Professor Dr. Martin-Christian Mautner von der Hochschule für Kirchenmusik (HfK) in Heidelberg die mehr als 2.000-jährige Geschichte der Kirchenmusik und des Gesangbuches im Schnelldurchgang vor - von den Psalmgesängen des Judentums, die noch keine geschriebenen Noten kannten, über die ersten Notenzeichen im 7.-8. Jahrhundert, den Neumen, die im 11. Jahrhundert aufkommenden Notenschriften für Scholaren bis hin zu den Besonderheiten der Kirchenlieder in der Reformationszeit.
„Erst ab dieser Zeit kann man von einem Gesangbuch für Gemeinden, wie wir es kennen, reden“, sagte Mautner. Er machte deutlich, dass es bis Mitte des 19. Jahrhunderts kein gemeinsames Gesangbuch der Protestanten Deutschlands gegeben habe. Erst dann begannen Versuche, gemeinsames Liedgut zusammen zu fassen. Bis zum Deutschen Evangelischen Gesangbuch (DEG) 1926 dauerte es dann noch einmal mehr als 70 Jahre .
Der gesamtkirchliche Kantor Ladislav Morawetz von der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) in Tschechien schlug in seinem Vortrag rhetorisch und musikalisch einen weiten Bogen. Er betonte, dass die Kirchenmusik für die EKBB eine große ökumenische Chance in sich berge. „Viele Neuerungen, die wir aus der Ökumenischen Begegnung übernehmen, werden gerade von unserer Gesangbuchkommision in einem neuen Gesangbuch eingearbeitet.“ Tradition und Innovation ergänzten sich. Länder- und kirchenübergreifende Melodien und Gesänge sollten die musikalische Brückenfunktion der EKBB verdeutlichen.
„Auch Österreich trägt seinen Beitrag zur Europäischen Kirchenmusik bei“, versicherte Professor Dr. Ernst Hofhansl, Obmann des badischen GAW Partnervereins GAV Niederösterreich. „Momentan werden bei uns viele Rückgriffe auf die europäische reformatorische Musik durchgeführt und neu editiert“. Doch gebe es derzeit in seiner Diözese nur wenige professionelle Kirchenmusiker und nicht einer von ihnen sei Österreicher. Nach den Vorträgen schloss der Studientag mit gemeinsamem Singen und einem liturgischen Abendmahl-Gottesdienst.
Mit Berichten aus Partnerkirchen, aus der GAW-Zentrale in Leipzig , Terminen und Informationen zum laufenden Geschäft setzten sich die Mitabeiter der Vertreterversammlung am Dienstag auseinander.
Das Gustav-Adolf-Werk in Baden besteht seit 1843, also seit bald 170 Jahren. Besondere Beziehungen gibt es zur Waldenserkirche in Italien, zur Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder in Tschechien und zu den Kirchen am Rio de la Plata (Argentinien, Paraguay und Uruguay). Daneben pflegt das GAW Beziehungen zu Partnerkirchen in Osteuropa, Südeuropa und Lateinamerika. Es nimmt wichtige, in der Grundordnung der Evangelischen Landeskirche in Baden verankerte Aufgaben wahr, indem es auf vielfältige Weise die Kontakte in die Partnerkirchen pflegt und evangelische Gemeinden in Minderheitensituationen unterstützt.
