"Am Anfang stand Wyhl, am Ende Fukushima"
Karlsruhe/Weisweil, (07.02.2012). Landesbischof Ulrich Fischer hat den Widerstand gegen das geplante AKW Wyhl in den 70er Jahren als "Einstieg in den Ausstieg" aus der Atomkraft gewürdigt. "Am Anfang stand Wyhl, am Ende Fukushima", erklärte Fischer, der am Mittwoch anlässlich des 40. Jahrestages des Beginns des Widerstands im südbadischen Weisweil nahe Wyhl einen Mahn- und Gedenkgottesdienst feiern wird.
Die Kirchen hätten eine starke und friedensstiftende Rolle in der Vermittlung und der Mediation gespielt, unterstrich Fischer und erinnerte an eine Initiative des damaligen badischen Landesbischofs Hans-Wolfgang Heidland. Dieser hatte im Februar 1975 bei Ministerpräsident Hans Filbinger angerufen und mit Erfolg darauf gedrungen, einen bevorstehenden Großeinsatz der Polizei gegen die Anti-AKW-Demonstranten zu verhindern.
Fischer, der im vergangenen Jahr in der Ethikkommission der Bundesregierung zum Atomausstieg mitarbeitete, sagte weiter, er empfinde auch Genugtuung darüber, dass der vor 40 Jahren in Wyhl mutig beschrittene Weg mit dem 2011 beschlossenen Atomausstieg einen "besonnenen Abschluss" gefunden habe. Doch gebe es angesichts noch vieler ungelöster Probleme auf dem Weg zu einer sicheren Energieversorgung ohne Kernkraft keinen Grund zum Jubeln.
An diesem Jahrestag sollte zudem nicht "das Rechthaben der Protestierenden von damals" gefeiert, sondern die "gemeinsam errungene Umkehr von einem Irrweg menschlichen Handelns" bedacht werden. Die Geschichte der Nutzung der Atomenergie sei mit den Katastrophen von Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima "ein Lehrstück über den Mangel menschlicher Demut und den Wahn menschlicher Grenzüberschreitungen, die nicht ungestraft bleiben". Alle menschliche Hybris aber, und das sei das Trostreiche, könne der Gnade Gottes anbefohlen werden.
Mit einem Gottesdienst und der Enthüllung eines Gedenksteins erinnern Kirchen und Bürgerinitiativen am Mittwoch in Weisweil am Kaiserstuhl an den Beginn des Widerstands gegen das AKW. Eine Veranstaltung am 8. Februar 1972 im dortigen Gemeindehaus gilt als Keimzelle der Umweltbewegung in Wyhl.
Beginn des Gottesdienstes: 18.30 Uhr / Weitere Informationen erhalten Sie auf den Seiten des Kirchenbezirks Freiburg
