Gemeinsame Verantwortung für die Schöpfung
Pfarrer und Imame im interreligiösen Dialog – Interesse am Grünen Gockel
Musa Yilmaz und Gottfried Pohl
Bad Herrenalb. Die gemeinsame Sorge um die Bewahrung der Schöpfung als verbindendes Element zwischen evangelischen Christen und Muslimen: In einem Interreligiösen Seminar zum Thema „Natur und Schöpfung in Christentum und Islam“ zeigten muslimische Theologen konkretes Interesse an dem in christlichen Gemeinden seit Jahren bewährten Umweltmanagement-System Grüner Gockel.
Zum fünften Mal seit 2008 kamen zwölf Pfarrerinnen und Pfarrer der evangelischen Landeskirchen in Baden und in Württemberg mit zwölf Imamen der DITIB-Landesverbände Baden und Württemberg zum christlich-islamischen Austausch zusammen. Das viertägige Seminar ging am Freitag in Bad Herrenalb zu Ende. „Wir werden diesen Dialog, der bundesweit beispielhaft ist, in den nächsten Jahren fortsetzen“, versicherte Pfarrerin Annette Stepputat, die Beauftragte für Islamfragen in der badischen Landeskirche. „Zudem wollen wir ihn verstärkt in die Gemeinden tragen.“
„Die Gespräche waren von großer Offenheit auf beiden Seiten geprägt“, sagte Ali Ipek vom Landesverband Württemberg der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) über das Treffen im Haus der Kirche. Deshalb konnte dort auch über schwierige theologische Fragen gesprochen werden, wie die Auslegung von Bibel und Koran.
Die Landeskirchen stellten auf dem Seminar ihr Umweltmanagement-System Grüner Gockel vor, ein in zahlreichen evangelischen Gemeinden erprobtes und wichtiges Instrument zur Bewahrung der Schöpfung. „Das ist auch für muslimische Gemeinden ein wichtiges Thema“, betonte Fatih Sahan (DITIB Baden). „Wir haben Interesse an dem Konzept und halten eine Kooperation für möglich.“
Der Islambeauftragte der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Heinrich Georg Rothe, sprach sich dafür aus, den christlich-islamischen Dialog auch auf akademischer Ebene zu stärken. „Wir haben sehr gute Erfahrungen mit direkten Begegnungen gemacht und wünschen uns deshalb, dass die Studierenden der theologischen Hochschulen in Baden-Württemberg mit islamischen Gelehrten ins Gespräch kommen“, sagte der Pfarrer. In Bad Herrenalb referierten die renommierten Professoren Saban Ali Düzgün (Universität Ankara) und Mehmet Evkuran (HITIT Universität Gorum).
Im Rahmen einer Exkursion wurden die Tagungsteilnehmer von Dekan Günter Ihle durch den Biblischen Garten in Kehl geführt, anschließend diskutierten sie in der dortigen Moschee mit Mitgliedern des Regionalkonvents und Vertretern der DITIB-Moscheegemeinde.
