Weltanschauungsbeauftragter warnt vor "Apokalypse-Blindheit"
Karlsruhe, (19.12.2012). Der Religionswissenschaftler Gernot Meier hat dazu aufgerufen, über dem medialen Interesse an Szenarien eines angeblichen Weltuntergangs am 21. Dezember die wahren Bedrohungen der Menschheit nicht aus den Augen zu verlieren. „Der Weltuntergangs-Hype darf den Blick auf existenzielle Probleme wie den dramatischen Klimawandel nicht verstellen“, sagte der Weltanschauungsbeauftragte der Landeskirche.
„Das wäre eine neue Art der Apokalypse-Blindheit“, spielte Meier auf einen Begriff an, den der Philosoph Günter Anders in den 50er Jahren angesichts der atomaren Bedrohung geprägt hatte. „Der Weltuntergang findet definitiv nicht am 21. Dezember statt und der Termin reiht sich ein in die vielen schon früher prognostizierten Apokalypsen. Aber eine Ahnung vom Weltuntergang klingt etwa beim Klimagipfel in Doha an, wenn wir die Zukunft der Erde aufs Spiel setzen. Der Weltuntergang hat für alle schon stattgefunden, die aufgrund des Klimawandels alles verloren haben“, sagte der Theologe. Statt dem „Reiz der Apokalypse“ zu verfallen, sollten die Menschen versuchen, die von ihnen selbst verursachten Umwälzungen im Ökosystem unseres Planeten noch abzuwenden.
Der Studienleiter der Evangelischen Akademie Baden berichtete, ihn hätten in den vergangenen Wochen etliche Menschen angerufen, die sich Sorgen um Angehörige machten. Diese seien davon überzeugt, dass am Freitag die Welt untergehe. „Für manche wird der Tag nach dem Weltuntergang ein kleiner Weltuntergang, der mit einer großen Enttäuschung verbunden ist“, sagte Meier.
Für ihn sei der 21. Dezember nicht der Tag der Apokalypse, sondern der drittletzte Tag vor Heiligabend. „An Weihnachten kommt Gott in die Welt, und das hundert Prozent verlässlich jedes Jahr wieder. Wir wissen und können darauf vertrauen: Er lässt uns nicht los“, sagte der Pfarrer: „Das ist die weihnachtliche Botschaft der Hoffnung.“
