Klang & Technik
Was Glocken zum Klingen bringt
Glockenstuhl in Neckarbischofsheim
Ausgangsmaterial
Europäische Glocken bestehen meist aus Bronze, einer Legierung aus Kupfer und Zinn. Bedingt durch die Materialknappheit nach den beiden Weltkriegen wurden Glocken in diesen Zeiten häufig aus Ersatzlegierungen oder Stahl gegossen. Auch hoffte man, dass wegen des „minderwertigeren“ Materials die Glocken künftig nicht mehr konfisziert würden.
Tief gemauert in der Erden steht die Form, aus Lehm gebrannt...
Das Verfahren zum Gießen einer Glocke ist seit dem 14. Jahrhundert unverändert. Auf eine präzise Form aus Lehm wird eine Trennschicht aus Wachs aufgetragen. Die sogenannte „falsche Glocke“ wird ebenfalls aus Lehm modelliert. Diese Lehmglocke erhält über einer Trennschicht aus Wachs – auf die auch die Inschriften und Verzierungen aus Wachs aufgesetzt werden - wiederum eine Abdeckung aus Lehm. Die Form wird gebrannt, der Mantel und die „falsche Glocke“ abgehoben. Nur der Mantel, die äußere Form wird genau zentriert wieder aufgesetzt und die nun fertige Form in der Gießgrube „eingemauert“, d.h. vollständig mit Sand bedeckt.
"Schon kleine Ungenauigkeiten beim Herstellen der Form oder bei der Gießtemperatur können das Aussehen oder den Klang der Glocke beeinträchtigen..."
Beim Glockenguß fließt flüssige, glühende Bronze in den Hohlraum und füllt diesen aus. Nach dem Ausgraben, dem Abschlagen des Lehmmantels und dem Säubern ist die Glocke fertig. Schon kleine Ungenauigkeiten beim Herstellen der Form oder bei der Gießtemperatur können das Aussehen oder den Klang der Glocke beeinträchtigen, ein „Nachstimmen“ etwa ist nur in sehr engen Grenzen möglich.
Sang und Klang
Für den Klang der Glocke ist neben dem Material die sogenannte „Glockenrippe“ entscheidend. Die Maße und Proportionen dieses Längsschnittes durch die Wandung der Glocke sind die bestgehüteten Geheimnisse der Glockengießer. Die Rippe bestimmt die Zusammensetzung, die Reinheit und das Nachklingverhalten des Glockentones. Jeder Glockenton ist nämlich eigentlich ein Klang, ein Akkord, der sich aus vielen Einzeltönen (Prim, Quinte, Terz, Septime etc.) zusammensetzt; so gibt es etwa Molloktav-, Untermollsext- oder Durrippen, je nachdem, welchen Einzel- oder Gesamtklang der Glocke und des Geläutes man erzielen möchte. Nach jedem Guss wird die Tonschönheit der Glocke vom Glockensachverständigen mit speziellen Stimmgabeln geprüft. Das Glockenmetall, die Bronze, besteht aus einer Legierung von Kupfer mit Zinn im Verhältnis von etwa 4:1.
Der Glockenstuhl, ein Fachwerkgebilde aus Holz oder Stahl, nimmt die Glocken auf. Jede Glocke hängt dabei an einem mit einer Achse versehenen Joch, sodass sie wie eine Schaukel hin- und her schwingen kann.
Anschlag
Die Glocke alleine klingt nicht. Sie muss angeschlagen werden. Dies geschieht entweder durch einen außen am Glockenstuhl montierten Uhrschlag-Hammer oder durch einen in ihr gelenkig aufgehängten Klöppel. Dieser Klöppel wird beim Läuten zusammen mit der Glocke in Bewegung gesetzt und bildet mit ihr ein „Doppelpendel“: Nur wenn Länge und Masseverteilung des Klöppels genau stimmen, schlägt er bei jedem Ausschwingen der Glocke an deren Rand an.
