Was wir glauben
Viele Menschen fragen nach dem, was mehr ist, als die Spanne zwischen Geburt und Tod, die wir Leben nennen. Sie suchen nach Sinn, nach Orientierung. Sie fragen nach Religion und Glauben, weil sie ahnen, dass der Mensch von Voraussetzungen lebt, die er nicht selbst geschaffen hat. Christinnen und Christen möchten in der Lage sein, über das zu reden, was sie glauben. Sie wollen deutlich machen können, was das Leben trägt und sinnvoll macht. Dafür haben wir in der Tat die Bibel und das Glaubensbekenntnis als Grundlage. Das gilt nach wie vor. Die Leitsätze wollen uns helfen, kurz und prägnant in zeitgemäßer Sprache zu sagen, woran wir als Christenmenschen glauben.
Gott liebt die Menschen, ob sie es glauben oder nicht.
Dieser Leitsatz entspricht der Formulierung des Vorentwurfs. In hohem Maße wurde in den Rückmeldungen zum Ausdruck gebracht, dass die Liebe Gottes nicht erst durch den Glauben begründet wird, sondern dass Gottes Liebe dem Glauben des Menschen voran geht und diese durch die Annahme im Glauben erfahrbar wird.
Gottes Wort begegnet uns in der Bibel.
Die inhaltliche Zustimmung zur Formulierung des Vor-Entwurfs war so umfangreich und eindeutig, dass dieser Leitsatz unverändert wiedergegeben wird. Dabei ist der erste Satz völlig unumstritten. Zum zweiten Satz werden Variationen angeboten, die den konsensgetragenen Vorschlag des Vor-Entwurfs nicht zutreffender ausdrücken.
Gott hat die Welt geschaffen und gesagt, was gut ist.
Die Formulierung des Vor-Entwurfs wird von einem hohen Konsens getragen. Durch das Streichen der ursprünglichen Formulierung: Gott hat die Welt geschaffen und "den Menschen von Anfang an" gesagt, was gut ist, wird der Leitsatz in der Intention noch klarer. Viele Rückmeldungen schlagen dies auch vor. Die vorliegende Formulierung stellt eine Verbindung von Schöpfung und Ethik ebenso her wie die Nähe zum biblischen Schöpfungsbericht.
Unser Leben ist wertvoll - nicht durch unsere Leistung, sondern weil Jesus Christus für uns gestorben ist und lebt.
Der Begriff Leistung wurde durch Hinzufügen des Possessivpronomens "unsere" unmissverständlich beschrieben. Auf keinen Fall sollte auf ihn verzichtet werden, weil in einer Zeit, in der menschliches Leben immer stärker nach seiner Leistungsfähigkeit beurteilt und nicht leistungsfähigem Leben zunehmend die Existenzberechtigung abgesprochen wird, die Besinnung auf die Rechtfertigung des Menschen, durch das stellvertretende Sterben Jesu, von besonderer Aktualität ist.
Durch Jesus Christus ist Gott auch in den Tiefen menschlicher Not bei uns.
Dieser Leitsatz kommt aus der Mitte des Diskussionsprozesses. Viele Formulierungsvorschläge beschäftigen sich mit Jesus Christus, seinem Wirken damals und heute; ebenso mit der erlebbaren Nähe Gottes in allen Höhen und Tiefen unseres Lebens.
Wer mit Gott rechnet, hat Hoffnung und kann besser mit Gelingen und Scheitern umgehen.
Die inhaltliche Grundaussage fand große Zustimmung. Die Ergänzung "... und kann ‚besser' mit Gelingen und Scheitern umgehen", zeigt zum einen auf, dass der Glaube nicht automatisch mit Gelingen und Scheitern fertig zu werden hilft. Sie führt ebenso einen Annäherungswert ein, durch den sich der Abstand zwischen Können und Nichtkönnen verringert. Der Verzicht auf die ursprüngliche Formulierung "... und kann mit dem eigenen Gelingen und Scheitern" umgehen, ändert die inhaltliche Aussage nicht, erweitert jedoch diesen Satz in seelsorgerlicher Hinsicht.
Der Heilige Geist hilft uns zur Umkehr und eröffnet neue Wege.
Die Formulierung dieses Leitsatzes nimmt das Anliegen vieler Rückmeldungen und Diskussionen auf, die einerseits einen Leitsatz zum Heiligen Geist vermissen und andererseits eine Aussage zum Thema "Schuld, Buße, Umkehr" anmahnen.
Unser Leben ist mit dem Tod nicht zu Ende. Wir glauben an die Auferstehung der Toten.
Dieser Glaubensinhalt kann wohl kaum in anderen Worten beschrieben werden. Wo die Grenzen menschlichen Lebens zu beschreiben sind, kommt offensichtlich auch die Sprache an ihre Grenze. Erstaunlich ist immerhin, dass zum ersten Satz noch größere Zustimmung herrschte als zum zweiten.
Gott ist grösser als unser Wissen. Zu allen Zeiten hält er Geheimnisse bereit, die die menschliche Vernunft übersteigen.
Auch wenn im ersten Satzteil in den Rückmeldungen zum Teil der Begriff des Wissens durch "Vorstellung" oder "Vorstellungsvermögen" ersetzt wird, bleibt dieser Leitsatz in seiner Formulierung gegenüber dem Vor-Entwurf unverändert. Die Änderungsvorschläge zeigen, dass der christliche Glaube eine Wirklichkeit bezeugt, die "höher ist als alle Vernunft" und die Begrenzung der Wirklichkeit auf das naturwissenschaftliche oder durch Erfahrung Begreifbare eine dem Glauben widersprechende Reduzierung bedeutet.
