Wer wir sind

 

Was ist das Besondere, das Unverwechselbare an unserer Evangelischen Landeskirche in Baden? - Wir sind eine unierte Kirche, die lange nach der Reformation, aber nicht zu spät versucht hat, unterschiedliche Strömungen zu einer Union zusammenzubinden. Leitsätze zeigen, wo und wie der Glaube bei uns gelebt wird. Sie zeigen, wie er konkret Gestalt annimmt bei Taufen, Konfirmationen, Trauungen, Beerdigungen, im Kindergarten, im Religionsunterricht, in der Erwachsenenbildung, in Gottesdiensten für Kinder, für Jugendliche, für Familien und für alle jeden Sonntagmorgen, schließlich dort, wo konkrete seelische und körperliche Hilfe gebraucht wird. Zwischen Wertheim und Bodensee, in der Großstadt wie in den kleinen Dorfgemeinden treffen sich Menschen, um gemeinsam ihren Glauben zu leben, als hoffentlich gastfreundliche, offene Kirche. Sagt doch bereits die Gründungsurkunde unserer Landeskirche aus dem Jahre 1821, die Landeskirche sei in sich einig und mit allen Christen in der Welt befreundet.

       

      Wir suchen Wahrheit und erfülltes Leben. Das finden wir durch den Heiligen Geist in Jesus Christus.

       

      Hier handelt es sich um einen aus dem Diskussionsprozess neu hervorgegangenen Leitsatz. Er nimmt wie in Satz 7 in Kapitel "Was wir glauben" das Anliegen vieler Rückmeldungen auf, die eine explizite Formulierung über den Heiligen Geist vorschlagen. Obwohl der Satz mit guten Gründen in das Kapitel "Was wir glauben" eingeordnet werden kann, wurde er an den Anfang des Kapitels "Wer wir sind" gestellt, um damit augenfällig zu machen, dass das ganze Kapitel mit seinen Aussagen über die Kirche Inhalte des 3. Glaubensartikel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses aufnimmt.

           

          Wir sind getauft. Die Taufe verbindet uns mit den christlichen Kirchen auf der ganzen Welt.

           

          In sehr großem Umfang wird in den Rückmeldungen darauf Wert gelegt, dass nicht nur die Taufe, sondern auch der Glaube das verbindende Element zu Gott und den christlichen Kirchen auf der ganzen Welt darstellt. Die häufig vorgeschlagene Erweiterung des Satzes "...Die Taufe und der Glaube..." verbinden uns, wurde nicht explizit aufgenommen, aber in der neuen Formulierung berücksichtigt. Der Satz nimmt die Verbindung mit den anderen Kirchen in den Blick. Mit diesen verbindet uns in ökumenischer Geschwisterschaft die Taufe, während beim Glaubensverständnis immer noch Unterschiede vorhanden sind. Die Verbindung zu Gott ist in den Sätzen des Kapitels "Was wir glauben" bereits ausreichend zum Ausdruck gekommen.

               

              Wir feiern Gottesdienst: Gebet und Musik, Predigt und Abendmahl stärken uns, Gott zu lieben und den Nächsten wie uns selbst.

               

              Dieser Satz hat in den Diskussionen des Leitsatzprozesses in der Grundaussage hohe Zustimmung erfahren. Die Ergänzungen nehmen die inhaltlichen Vorschläge zu diesem Satz auf. So wird nun auch die Musik explizit genannt, weil sie ein wichtiger Bestandteil des Gottesdienstes ist und viele Menschen gerade die geistliche Musik als Stärkung erfahren.

                   

                  Wir nehmen Menschen so an, wie sie sind, und begleiten sie in den Höhen und Tiefen ihres Lebens.

                   

                  Auch wenn es immer wieder Vorschläge gab, die Aussage dieses Satzes durch Begriffe wie "bemühen", "versuchen" oder "wollen" mehr als Willenskundgebung zu verstehen, da manche Erfahrung diesen Satz als zu "steil" oder zu "arrogant" erscheinen lässt, wurde an der Intention der Formulierung festgehalten und nur der Artikel vor "Menschen" gestrichen, weil die Botschaft von der Rechtfertigung des Sünders allein aus Gnade alltäglich unauffällig umgesetzt wird im seelsorgerlichen und diakonischen Handeln der Kirche. Gewiss vorhandene Defizite verändern an dieser Stelle nicht das Grundprofil von Kirche.

                       

                      Wir ermutigen Menschen, sich mit der Wahrheit Gottes auseinander zu setzen.

                       

                      Zwar war die Zustimmung zur ursprünglichen Formulierung dieses Satzes "Wir muten den Menschen die Auseinandersetzung mit der Wahrheit Gottes zu" durchaus vorhanden. Gleichwohl wurden zahlreiche Änderungswünsche angemeldet, die Auseinandersetzung mit der Wahrheit Gottes nicht als Zumutung zu betrachten. Dass Mut zur Auseinandersetzung mit dem gehört, was Gott vom Menschen fordert und wie er den Menschen sehen will, ist der Endfassung des Satzes nicht genommen.

                           

                          Unsere Gemeinden sind Oasen zum Auftanken.

                           

                          Der Begriff "Oase" wurde fast durchgängig aufgegriffen und jeweils in einen veränderten formulatorischen Zusammenhang gestellt. Es gibt aber keine Aussage, die das dahinter stehende Anliegen auf einen verständlicheren Nenner bringen könnte. Der Begriff des "Auftankens" wird zum Teil durch Begriffe wie "Kraft schöpfen" und "Sinnfindung" ersetzt. Oasen sind eindeutig Räume der Erholung und des Anhaltens, sogar des Innehaltens. Auftanken bedeutet, etwas zu sich zu nehmen, in diesem Falle im geistigen und geistlichen Sinne, das vorher in diesem Maße nicht oder nicht mehr vorhanden war. Die Begriffskombination "Oasen zum Auftanken" stellt eine Metapher dar für einen Raum, in dem es möglich ist, neue Kraft zu sammeln; in dessen Sinngebung können sich die meisten Vorschläge wiederfinden.

                               

                              Unser Glaube sucht Gemeinschaft und gewinnt auch darin Gestalt, wie wir unsere Kirche organisieren.

                               

                              Die Verbindung von Glauben und Gemeinschaft wird von einem fast hundertprozentigen Konsens getragen. Die Rückmeldungen deuten an, dass dabei der Frage nach der institutionellen Organisation der gewünschten Gemeinschaft weniger Bedeutung beigemessen wird. Unaufgebbar ist aber die Verbindung von Glaube, Gemeinschaft und Gestalt.

                                   

                                  Zum Profil unsrer Kirche gehören die vielen verantwortlich handelnden ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

                                   

                                  Viele Vorschläge nehmen auch die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesen Satz mit auf. Das Anliegen ist unter dem Blickwinkel nachvollziehbar, dass ohne seine Hinzufügung der Eindruck entstehen könnte, bei den engagierten und verantwortlich handelnden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kirche handle es sich ausschließlich um Ehrenamtliche. Klar, dass dies nicht der Fall ist. Der Leitsatz will hervorheben, dass es zum besonderen Profil unserer Landeskirche gehört, viele engagierte ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu haben.

                                       

                                      Mit Kindern entdecken wir, was es heißt, heute christlich zu leben.

                                       

                                      Bei allen Diskussionsforen in den Kirchenbezirken und in anderen Rückmeldungen wird mit Hinweis auf das Kinderkirchenjahr und den "Perspektivenwechsel" die Notwendigkeit hervorgehoben, Kinder in den Leitsätzen besonders zu erwähnen. Neue Vorschläge legen alle Wert darauf, damit den thematischen Schwerpunkt religiöse Erziehung zu verbinden, denn Glaube bedarf der Information, und die junge Generation muss mit den christlichen Wurzeln unserer Kultur bekannt gemacht werden.

                                           

                                          Wir geben weiter, wovon wir selbst leben: Die gute Nachricht von der Liebe Gottes.

                                           

                                          Der Satz erfuhr in den Diskussionen, ebenso wie bei anderen Rückmeldungen, eine fast hundertprozentige Zustimmung. Er wurde in das Kapitel "Wer wir sind" eingeordnet, weil er im Alltag gelebt wird. Dies gilt auch dann, wenn in manchen Rückmeldungen die Formulierung mitschwingt: "Auch wenn wir manchmal selbst Zweifel haben."

                                               

                                              Unser Glaube hat Hand und Fuß. Nah und fern helfen wir Menschen in Not, auch durch unsere Diakonische Arbeit.

                                               

                                              Bei den Vorschlägen zum Thema Diakonie steht die praktizierte Nächstenliebe in der Weise im Vordergrund, dass dabei nicht nur die faktische Seite beschrieben wird, sondern es wird dargestellt, dass Reden ohne Handeln und Glaube ohne Umsetzung zu kurz greifen. Dass Kirche in ihrer Glaubwürdigkeit auch am diakonischen Handeln gemessen wird, darf bei der Selbstdarstellung von Kirche nicht fehlen.

                                                   

                                                  Wir treten in Verantwortung für die zukünftigen Generationen für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung ein.

                                                   

                                                  Dieser Satz wurde in Anlehnung an den konziliaren Prozess formuliert. Er nimmt eine große Anzahl von Formulierungsvorschlägen auf, die in Kombination mit unterschiedlichen Themen angeboten wurden, so im Zusammenhang mit Ökumene oder der jungen Generation, dem gesellschaftlichen Auftrag von Kirche oder eben mit dem konziliaren Prozess. Der Leitsatz steht jetzt im Kapitel "Wer wir sind", weil in unserer Landeskirche das Eintreten für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung nicht mehr nur unter der Perspektive Ziel oder Vision zu sehen ist.

                                                       

                                                      Wir sind eine offene Kirche. In christlicher Verantwortung nehmen wir gesellschaftliche Entwicklungen wahr, greifen Impulse auf und wirken in die Gesellschaft hinein.

                                                       

                                                      Auch dieser Leitsatz ist neu gegenüber dem Vor-Entwurf. Die damit aufgegriffenen Aspekte von Kirche wurden vielfach eingefordert. Denn der Blick in die Zukunft mit Orientierung an sozialen und politischen Gegenwarts- und Zukunftsfragen sowie an der Botschaft Christi sollte mit ausgeprägter Klarheit zum Ausdruck kommen.

                                                           

                                                          Für unsere vielfältigen Aufgaben setzen wir das uns anvertraute Geld sinnvoll und effizient ein.

                                                           

                                                          Völlig unumstritten war, dass in den Leitsätzen auch etwas zum Geld gesagt werden muss, denn kirchliche Arbeit braucht Geld. Das Vertrauen auch in den verantwortlichen Umgang mit dem Geld ist ungebrochen. Die Kirche ist darauf angewiesen, um ihre Aufgaben in der Gesellschaft wahrzunehmen. Auch das ist Konsens.

                                                               

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