Was wir wollen

 

Der moderne Mensch will wissen, wo es lang geht. Also sind wir auch herausgefordert, den kirchlichen Katalog mit den "Reisezielen" für das Leben vorzustellen. Mit den Leitsätzen wollen wir den Menschen zeigen: Wir sind auf einem Weg, auf dem wir von Gott nicht verlassen sind und der uns mitten durch die Welt, ihre Probleme und ihre wunderbaren Schönheiten führt. Wir haben nichts zu verbergen. Man soll spüren: Wir wissen, was wir wollen und sagen das auch in einer klaren und allgemein verständlichen Sprache. Aber wir sagen auch, was wir nicht wissen.

       

      Wir wollen in einer zweckbestimmten Welt das Heilige erfahren und erfahrbar machen.

       

      Das Heilige meint nicht nur das Göttliche an sich, sondern Praxisformen des Glaubens sowie bestimmte Werte, die als Konsequenz des Glaubens an Gott unangetastet bleiben sollen. Die Vokabel "Gott", die in vielen Rückmeldungen anstelle des "Heiligen" genannt wurde, trifft daher nur teilweise das ursprünglich Gemeinte, denn es erfasst nicht die sichtbaren sowie fühl- oder erlebbaren Auswirkungen des Gegenwärtig-Seins Gottes. Inhaltlich findet der Leitsatz eine erwähnenswert hohe Zustimmung.

           

          Wir wollen den Mitgliedern unserer Kirche eine geistliche Heimat bieten und noch mehr Menschen für Jesus gewinnen.

           

          Fast durchgängig wurde vorgeschlagen, einladende Kirche zu sein. Als gemeinsamer Nenner sollte dabei zum Ausdruck kommen, dass die Kirchenmitglieder sich ihrer Kirche verbunden fühlen. Dies wird durch die Formulierung "eine geistliche Heimat bieten" besonders deutlich aufgenommen.

               

              Wir wollen eine Kirche, in der man weinen und lachen kann.

               

              Die Formulierungsidee kommt aus der Mitte des Diskussionsgeschehens. Es wird nach einer Kirche verlangt, in der Fröhlichkeit gleichrangig neben Traurigkeit, genauso wie Heiterkeit neben Ernsthaftigkeit zu stehen kommt. Vor allem die Gleichzeitigkeit und die Mischung der Gefühlslagen sind hoch positioniert.

                   

                  Wir wollen, dass alle zum Lesen der Bibel ermutigt werden und zur Auslegung der Schrift beitragen.

                   

                  Der intensive Umgang mit der Bibel ist durchweg unumstritten. Das durch die Verwendung des Begriffs "mündig" entstandene Missverständnis, der Umgang mit der Bibel sei unabdingbar mit der Mündigkeit verknüpft, wurde in dem jetzt formulierten Satz vermieden. Das evangelische Proprium des Priestertums aller Glaubenden gewinnt in diesem Leitsatz konkrete Gestalt.

                       

                      Wir wollen durch religiöse Erziehung und Bildung das Christliche in unserer Kultur lebendig halten.

                       

                      Die Aufnahme des Aspektes der religiösen Erziehung und Bildung in die Leitsätze wurde durchweg gewünscht. Die gewählte Formulierung verbindet dabei das Vergangene, das Gegenwärtige und das Zukünftige.

                           

                          Wir wollen offen, ehrlich und glaubwürdig miteinander umgehen.

                           

                          Die Formulierung dieses Leitsatzes wurde inhaltlich auf breiter Basis bestätigt. Die vielfach eingebrachte Ergänzung, den Begriffen "offen" und "glaubwürdig" noch den Begriff "ehrlich" hinzuzufügen, wurde aufgenommen. Dabei zeigt sich, dass vor allem die Kombination "offen" und "ehrlich" einen basisfreundlichen Charme entfaltet.

                               

                              Wir wollen den Weg fortsetzen zu einer Kirche, die gleichermaßen von Frauen und Männern geleitet wird.

                               

                              Ein gewichtiger Teil der artikulierten Auffassungen beurteilt die im Vor-Entwurf formulierte Zustandsbeschreibung im Kapitel "Wer wir sind: Wir sind eine Kirche, die von Frauen und Männern geleitet wird" als in der Gegenwart noch nicht in hinreichendem Maße umgesetzt.

                                   

                                  Wir wollen eine ökumenische Gemeinschaft der Kirchen, in der die Vielfalt als Bereicherung erlebt wird.

                                   

                                  Das Bedürfnis war groß, über die Aussage hinaus, dass uns die Taufe mit allen Kirchen verbindet (Satz 11 in Kapitel "Wer wir sind"), eine Leitaussage zur ökumenischen Dimension kirchlicher Ziele zu formulieren. Dabei war es besonders wichtig, die Aufhebung von Trennendem zwischen den Konfessionen deutlich aufzuzeigen.

                                       

                                      Wir wollen unsere Arbeit in der Öffentlichkeit darstellen und scheuen den Vergleich mit anderen nicht.

                                       

                                      Beide Satzteile wurden im Diskussionsprozess weitgehend aufgenommen, indem beide Elemente - nämlich Präsentation und Außenwirkung - bejaht wurden. Der geäußerten inhaltlichen Kritik, dass Kirche eine Organisation von Gläubigen sei und nicht Anbieter auf einem Religionsmarkt, wurde Rechnung getragen, indem man den Begriff Leistung durch Arbeit ersetzte, damit aber zu Recht nicht ganz auf den Wettbewerbsaspekt verzichtet wird, dem die Kirche ausgesetzt ist, ob sie will oder nicht.

                                           

                                          Wir wollen eine menschliche Gesellschaft gestalten, die von Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde geprägt ist.

                                           

                                          Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Zustimmung zu den wesentlichen Elementen, nämlich eine menschliche Gesellschaft mit zu gestalten, die von Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde geprägt ist, annähernd hundert Prozent beträgt. Unausgesprochene Einigkeit besteht offenbar auch darin, dass dieses Anliegen ein noch anzustrebendes Ziel ist, zu dessen Erreichbarkeit auch die Kirche ihren Beitrag leisten will.

                                               

                                              Wir wollen nicht alles machen, was machbar ist.

                                               

                                              Die Formulierung im Vor-Entwurf erfuhr ein hohes Maß an Zustimmung. Legt man die wesentlichen Elemente der Aussage zugrunde, die zum Teil anders ausgedrückt oder in einen anderen Zusammenhang gestellt wurden, aber implizit identische Inhalte transportierten, dann steigt die Zustimmung auf einen über neunzigprozentigen Konsens. Auch die verbleibenden abweichenden Aussagen sind nicht konträr, sondern setzen zum Teil lediglich andere Schwerpunkte. Offenbar wurde erkannt, dass sich der Kreis an dieser Stelle zu Leitsatz 24 in Kapitel "Was wir wollen" schließt: Wir wollen in einer zweckbestimmten Welt das Heilige erfahren und erfahrbar machen.

                                                   

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