"100 Jahre und noch viel mehr..."

 

Die Gehörlosenseelsorge feiert Jubiläum

Gehörlose beim Singen mit Gebärden

„Vertaut den neuen Wegen, auf die
der Herr uns weist” –
Das Kirchenlied ist eines von vielen,
die es in der Gebärdensprache gibt

Eine fröhliche Gruppe versammelt sich vor der Kirche. Leise, aber angeregte Gespräche begleiten das Wiedersehen der gehörlosen Gemeindeglieder aus nah und fern. Zum Gottesdienst ruft sie nicht die Glocke. Zur Anfangsstille stimmt eine Kerze ein, die ruhig zum Altar getragen wird. Allmählich schweigen die Hände – die Gebärdensprache verstummt.

Seit über 100 Jahren treffen sich – wie überall auf der Welt – gehörlose Christen in ihren Gehörlosengemeinden. Und das ist bemerkenswert. „Gebärdenlieder“ sind entstanden, religiöse Gebärden sind in die Deutsche Gebärdensprache (DGS) eingegangen.

 

EKD-weit werden Gehörlosenseelsorger und -Seelsorgerinnen durch den Dachverband der Gehörlosenseelsorger ausgebildet.
Alle, die diesen Dienst tun, lernen Gebärden – entweder die Deutsche Gebärdensprache (eine Sprache mit eigener visueller Grammatik; man kennt sie inzwischen von den Dolmetschereinblendungen beim Fernsehkanal PHÖNIX) oder die lautsprachbegleitende Gebärde (ein Hilfssystem zwischen deutscher Lautsprache und begleitenden Gebärden)

Im Jubiläumsjahr der Gehörlosenseelsorge werden badenweit zahlreiche Begegnungs- und Festgottesdienste gefeiert. Eröffnet wurde der Reigen in Karlsruhe. Weiter ging es in Beuggen; Pforzheim, Heidelberg und Freiburg folgen. Im Herbst feiert die Gehörlosenseelsorge ihr Jubiläum mit der Landessynode.

Barrierefreiheit für Hörgeschädigte in der Kirche
Seit 100 Jahren ist Barrierefreiheit immer wieder Thema. Kirche geht in die Gebärdensprachwelt – dorthin, wo die Gehörlosen sind. Sie hat gehörlose und hörgeschädigte Prädikanten ausgebildet, einen Beirat gebildet, der die Kirchenleitung berät, und sie sorgt dafür, dass regionale Gruppen Gehörloser durch Gottesdienst, Kasualien oder Erwachsenenbildung eingebettet bleiben in ihrer Kirche.

Das Thema ist immer wieder Gegenstand der Diskussion in den Landeskirchen der EKD. Die neueste Errungenschaft ist die Finanzierung von Dolmetschdiensten für evangelische Gehörlose bei Kasualien. Wenn beispielsweise das hörende Kind gehörloser Eltern konfirmiert wird, kann die Familie für den Elternabend und die Konfirmation einen/e Dolmetscher/in bestellen. Die Kosten werden übernommen.

Schwerhörige Menschen brauchen Barrierefreiheit nicht durch die Gebärde, sondern durch deutliches, zugewandtes Sprechen in blendfreiem Licht und die Ausstattung der Kirchen und Gemeindesäle mit Höranlagen. Schwerhörigenseelsorge hat eine aufklärende und ermutigende Aufgabe. Sie sucht am Ort nach Mitteln und Wegen, die Barrieren für Schwerhörige abzubauen.

In der Heidelberger Jakobuskirche gibt es seit dem letzten Jahr im Monat einen ertaubtengerechten „visuellen Gottesdienst“. Jedes Wort wird auf eine Leinwand zum Mitlesen projiziert, so dass auch an Taubheit grenzend schwerhörige Menschen oder Ertaubte teilhaben können. Ähnliches wird in Pforzheim in der Christuskirche erprobt.

Die Zukunft wird zeigen, ob sich beide Gruppen – die „Gebärdler“ und die „Leser“ – aufeinander zu bewegen werden.

Pfarrerin Bergild Gensch,
Landeskirchliche Beauftragte für
Gehörlose und Hörgeschädigte

       

      Kontakt
      Seelsorge und Beratung für Hörgeschädigte

      Schröderstraße 101
      69120 Heidelberg
      Tel.: 06221 - 475342
      Fax: 06221 - 402074
      E-Mail

       

      Seelsorge

      Pfarrerin:
      Bergild Gensch

      Landeskirchliche Beauftragte für Gehörlose und Hörgeschädigte und Gestalttherapeutin

      Sprechzeiten: Nach Vereinbarung

       

      Sozialberatung

      Birgit Hole-Euchner,
      Diplom-Sozialarbeiterin (FH)

      Sprechzeiten:
      jeden Mittwoch von
      9.00 - 12.00 Uhr
      jeden Freitag von
      14.00 - 15.30 Uhr
      und nach Vereinbarung

      Sekretariat:
      Ellen Jünschke
      Bürozeiten: Montag - Freitag von
      9.00 - 15.00 Uhr