Lebensordnung Taufe
Von ihren Anfängen an hat die Kirche Menschen getauft.
Die christliche Gemeinde tauft, weil Jesus Christus gesagt und geboten hat: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker:
Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Mt 28,18–20). Diese Worte sind auch unter der Bezeichnung „Missionsbefehl“ bekannt. Sie verpflichten die christliche Gemeinde dazu, alle Menschen einzuladen, Jüngerinnen und Jünger Jesu zu werden und sich taufen zu lassen. Die Herrschaft Jesu Christi über alle Welt und die Verheißung seiner Gegenwart sind für die Taufe grundlegend und zugleich maßgebend für ihre Bedeutung und Ordnung. Die Taufe ist das allen christlichen Kirchen gemeinsame Sakrament und ein sichtbares Zeichen ihrer Einheit.
Die Taufe begründet die Mitgliedschaft in der Kirche. Sie soll im Glauben der Getauften ihre Fortsetzung und Entsprechung finden. Gegenwärtig werden in den Gemeinden alte Formen der Taufpraxis belebt, und die Gestaltung der Taufgottesdienste erfährt besondere Aufmerksamkeit.
Zeremoniale des Gottesdienstes
Für das Sakrament der Taufe muss gegebenenfalls, wenn kein fest stehender Taufstein in der Kirche vorhanden sein sollte, eine Taufschale auf den Altar gestellt werden. Eine Taufkanne mit gewärmtem Wasser und ein Tuch zum Abtrocknen des Täuflings werden ebenfalls vor dem Gottesdienst vorbereitet. Erst zu Beginn des Taufaktes gießt der Liturg das Wasser in die Taufschale und kann anschließend aus der Taufagende das so genannte Sintflutgebet sprechen.
Während der Eröffnung der Taufe kann der Täufling mit dem Kreuzzeichen begrüßt werden - weil er durch das Kreuz erlöst wurde und Christus gehört (Obsignatio crucis). Es wird über ihn geschlagen, indem Stirn und Brust und anschließend beide Schultern berührt werden, also genauso, als würde man sich selbst bekreuzigen. Möglich ist auch, dem Täufling ein Kreuz auf die Stirn zu zeichnen.
Die Taufe selbst wird vollzogen, indem das trinitarische Taufvotum gesprochen wird, während der Kopf des Täuflings dreimal mit Wasser übergossen wird. Das Wasser kann dazu in die hohle Hand genommen werden und darf wieder in das Taufwasserbecken zurückfließen. Lediglich die Stirn des Kindes zu benetzen, gilt als bedenklich und widerspricht den ökumenischen Vereinbarungen über die gegenseitige Anerkennung der Taufe.
Die Gemeinde steht während des Taufaktes. Nach der Taufhandlung nimmt der Liturg, evtl. aber die Mutter oder ein Pate das Tuch - ähnlich dem Purifaktorium beim Altarsakrament -, um den Täufling abzutrocknen. Im Anschluss an die Taufe kann eine Taufkerze überreicht werden, die zuvor an der Osterkerze, die zur Tauffeier brennt, oder an der Altarkerze entzündet worden ist (während der Advents- oder Weihnachtszeit weder am Adventskranz noch am Weihnachtsbaum!). Die Taufkerze wird einem der Paten mit einem entsprechenden biblischen Votum gereicht und bleibt bis zum Schluss des Gottesdienstes brennen; darum ist es ratsam, einen Leuchter zum Abstellen der Taufkerze bereitzuhalten. Der Taufende hat auch die Möglichkeit, den Täufling mit Öl zu salben; damit wird das Priestertum aller Getauften versinnbildlicht. Dazu wird ein Gefäß mit Öl in der Nähe des Taufsteins bereitgestellt, aus dem der Taufende mit seinem Daumen ein wenig Salbe herausnimmt, um damit den Täufling an der Stirn zu bekreuzigen.

Kirchliche Lebensordnung Taufe

