ekiba aktuell (10.05.07)
Liberal und basisnah - Der frühere Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende Klaus Engelhardt wird 75
Klaus Engelhardt
Als badischer Landesbischof von 1980 bis 1998 beschäftigte er sich mit der Friedensbewegung und dem Kirchenasyl. Als erster Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nach der Wende führte er von 1991 bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1997 evangelische Christen in den alten und neuen Bundesländern zusammen: Am 11. Mai wird Klaus Engelhardt 75 Jahre alt.
«Wir brauchen in Kirche und Gesellschaft Menschen, die sagen können, warum es sich lohnt, Christen zu sein», sagt der badische Altlandesbischof. Von seiner Kirche fordert er eine Rückbesinnung auf die biblische Botschaft. «Das Missionarische und das Politische gehören zusammen,» so Engelhardt.
In seiner Amtszeit als badischer Landesbischof bewegten ihn Themen wie die Friedensfrage und Nachrüstung in den 80er Jahren oder das Kirchenasyl. «Wir haben damals gute Erfahrungen mit dem Kirchenasyl gemacht,» so Engelhardt. Er erinnert sich an harte Gespräche mit der Landesregierung über die Aufnahme von Flüchtlingen.
Von 1983 bis 1989 gehörte er auch dem Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags an.
"Motor der kirchlichen Einheit"
Kurz nach der Wende wurde Engelhardt als erster EKD-Ratsvorsitzender für die Kirchen in Ost und West gewählt. Er bemühte sich, evangelische Christen in den alten und neuen Bundesländern zusammen zu bringen und wurde dafür als «Motor der kirchlichen Einheit zwischen Ost und West» gelobt. Die evangelische Kirche sei vermutlich die einzige Institution gewesen, die bereits vor dem Fall der Mauer regelmäßige Partnerschaften auf allen Ebenen wahrgenommen habe, so Engelhardt.
Engelhardt engagierte sich auch im Dialog mit der katholischen Kirche. In seine Amtszeit fiel etwa das gemeinsame Sozialwort der Kirchen «Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit», das 1997 veröffentlicht wurde. Das Thema sei noch immer von großer Aktualität, sagt Engelhardt, der für seine leisen, aber dennoch bestimmten Worte bekannt ist. Gemeinsam wurde auch der Text über Chancen und Risiken der Mediengesellschaft publiziert.
Wichtig ist dem Theologen auch der Dialog zwischen Christen und Muslimen.Wiederholt hat er sich dafür ausgesprochen, das «Nebeneinanderherleben von Christen und Muslimen in Deutschland» zu überwinden. Auch in Glaubensfragen müsse der Dialog mit dem Islam in «ernsthafter und streitbarer Weise» gesucht werden.
Auch in der Zeit als Ratsvorsitzender blieb der für seine Offenheit und Liberalität bekannte Bischof basisnah. So stand er regelmäßig in badischen Gemeinden auf der Kanzel. Besonders lobt er das Engagement Ehrenamtlicher. «Man darf den Reichtum der Mitarbeit von Ehrenamtlichen in der Kirche nicht übersehen».
Glückwünsche vom Amtsnachfolger
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirc he in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, gratuliert seinem Amtsvorgänger Klaus Engelhardt zum 75. Geburtstag und würdigt ihn für die geistlichen Impulse, die er der evangelischen Kirche gegeben habe:
Vater des Verbindungsmodells und Brückenbauer
Zur Person
Engelhardt stammt aus einer badischen Pfarrersfamilie und wurde am 11. Mai 1932 in Schillingstadt (Main-Tauber-Kreis) geboren. Nach dem Theologiestudium in Göttingen, Basel und Heidelberg sowie dem Vikariat im Schwarzwald war er vier Jahre Studentenpfarrer in Karlsruhe. Von 1966 bis 1980 lehrte er als Professor für Evangelische Theologie und Pädagogik und als Rektor an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg. Engelhardt ist verheiratet und hat drei Kinder.
Quelle: epd (Christine Süß-Demuth)
