ekiba aktuell (08.05.07)
Wiederkehr der Religion oder Gottvergessenheit? - 60 Jahre Evangelische Akademie Baden
Akademiepreisträger
Ulrich H. J. Körtner
Landesbischof U. Fischer
Aus Anlass ihres 60. Geburtstages hatte die Evangelische Akademie Baden von 4. bis 6. Mai zu der Jubiläumsveranstaltung "Die Wiederkehr der Religion. Theologisch-philosophisches Forum" eingeladen (siehe ekiba aktuell vom 27.04.07).
Bei dem dreitägigen Forum diskutierten 11 Preisträger des Bad Herrenalber Akademiepreises und der Wiener Theologe Ulrich H. J. Körtner die Frage, welche Bedeutung die Religion im 21. Jahrhundert hat. Beschlossen wurde die Veranstaltung mit einem feierlichen Empfang durch den Bischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Ulrich Fischer.
Als ambivalent bezeichnete der Theologe Ulrich H. J. Körtner einleitend die These vom "Megatrend Spiritualität". Man könne "mit gleichem Recht von einem Megatrend Gottvergessenheit sprechen". Vor allem dürfe das latente Interesse an religiösen Themen nicht mit Religion selbst verwechselt werden. Die These von der Wiederkehr der Religion unterstelle, sie sei zeitweilig verloren gegangen. "Tatsächlich ist jedoch auch eine säkulare Gesellschaft niemals völlig religionslos." Bei aller Skepsis gegenüber der These vom Megatrend Religion seien neben anhaltenden Säkularisierungstendenzen innerhalb und außerhalb Europas auch "gegenläufige Tendenzen zur Revitalisierung traditioneller Religionen" zu beobachten
Als Kirche Perspektiven eröffnen
In dem folgenden Podiumsgespräch äußerten sich elf Preisträger des Bad Herrenalber Akademiepreises zum Thema. Der Theologe Hermann Timm sprach skeptisch davon, dass die Rede von der Wiederkehr der Religion als ein "Medienphänomen" einzustufen sei. Einen „kulturellen Klimawechsel“ im Umgang mit Religion spürt hingegen der Literaturwissenschaftler Christoph Gellner.
Der Soziologe Michael Ebertz stellte eine neue Offenheit für religiöse Fragen seit Mitte der 90er Jahre fest. Vielen Menschen sei jedoch inzwischen klar geworden, dass das Leben nicht in der Alltagswelt aufgeht: "Es gibt ein Geheimnis hinter und über dem Leben". Der Theologe Manfred Oeming sah hier Anknüpfungspunkte für die Wiederentdeckung einer "Theologie der Hoffnung" gegen die Angst vor der Sinnlosigkeit: "Als Kirche können wir Perspektiven sinnhaften Lebens eröffnen".
Mit dem neu erwachten Interesse für Religion bietet sich für die Religionen – so die Theologin Irmtraud Fischer - erstmals seit der Aufklärung die Chance, auch in den intellektuellen Diskurs einzutreten. Notwendig ist allerdings, sich als Kirchen den Fragen der Zeit zu stellen. So forderte der Physiker Peter Henning die Kirchen dazu auf, "Medienkompetenz in der Informationsgesellschaft zu entwickeln und den medialen Markt nicht den Marktschreiern zu überlassen".
Wolfgang Lenz, Generalsekretär der Ökumenischen Vereinigung der Akademien und Laienzentren in Europa wies darauf hin, dass die Frage nach der Wiederkehr der Religion letztlich nur internationalen Bereich zu klären sei. Deutlich sei, dass die "kulturelle Hegemonie der Laizität" auch in Europa ein Ende gefunden habe.
Lust und Geschmack auf Dialog
Landesbischof Ulrich Fischer sagte abschließend in einem Empfang zum Akademiejubiläum, die Akademie mache mit ihren Veranstaltungen "Lust und Geschmack" auf den Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft. War die Akademie anfänglich eher "Brückenbauerin" zwischen polaren Positionen, sei die Akademiearbeit heute geprägt von einer "Offenheit im wechselseitigen Diskurs". Die Akademie entwickle seit 60 Jahren eine hohe "kirchliche Würz- und Strahlkraft" in gesellschaftliche Felder hinein. Dies sei umso beachtlicher, als die badische Akademie im Kontext der EKD zu den kleineren gehört.
Einen ausführlicheren Bericht finden Sie bei der Evangelischen Akademie Baden
