ekiba aktuell (28.02.07)
Mit Gott das Land verändern - Weltgebetstag der Frauen mit Liturgie aus Paraguay
Der Glaube spielt für die Menschen in Paraguay eine wichtige Rolle. Nach Jahrzehnten der Diktatur leiden die sechs Millionen Einwohner heute unter Armut, Korruption und Umweltzerstörung. Die Kirchen wollen einen Platz zum Atmen und Perspektiven für eine gerechtere Welt bieten. Dies wird auch in der Liturgie deutlich, die Christinnen aus Paraguay in diesem Jahr für den Weltgebetstag der Frauen am 2. März gestaltet haben. Ihr Motto: "Unter Gottes Zelt vereint".
Im Internat in Arroyo Guazú beginnt der Tag mit einer Morgenmesse. Antonia, 33 Jahre, alleinerziehende Mutter des vierjährigen Oscar, nimmt an einem Seminar für angehende Lehrer teil. Voller Inbrunst singt sie mit, lauscht der Ansprache von Schwester Elisa, die dem Orden der Unbefleckten Empfängnis angehört: "Spürt die Liebe Gottes!"
Etwa 100 Augenpaare schließen sich, auch Antonia fühlt in sich hinein. Dann steht sie auf, faltet die Hände und betet das Vaterunser. Auf Spanisch. Ansonsten wird hier im Osten Paraguays Guaraní gesprochen, die Muttersprache der indianischen Gemeinschaften, zu denen auch Antonia gehört.
Rund 92 Prozent der Paraguayer sind katholisch. Doch es gibt ökumenische Bündnisse. Schon 1976, noch unter der Diktatur Alfredo Stroessners (1954-1989), gründeten evangelische und katholische Kirchen zusammen mit den Jüngern Christi das Kirchenkomitee für Hilfe in Notfällen. Die Organisation nahm den Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen auf.
31 Jahre später gibt es immer noch viel zu tun. "Die Leute glauben an uns", sagt Schwester Elisa. Die junge Frau mit den strahlenden Augen unterrichtet in Arroyo Guazú, seit 1996 die erste Oberschule für Indianer in Paraguay eröffnet wurde. "Die staatliche Anerkennung und den Zuschlag für die Lehrerfortbildung zu bekommen, war ein langer Kampf", erzählt sie. "Immer wieder haben wir getanzt und gebetet."
Gemeinsam mit den Schamanen pflegen die katholischen Schwestern die traditionellen Rituale der indianischen Gemeinden. "Wir haben viel voneinander gelernt." Antonia glaubt sowohl an die Götter ihres Volkes als auch an den Gott der Weißen. In einem halben Jahr wird sie die staatliche Lehrerprüfung ablegen. "Die Ausbildung ist ein großes Privileg für mich", sagt sie. Nur wenige Frauen haben in Paraguay die Chance, einen qualifizierten Abschluss zu machen. Für eine indianische Frau wie Antonia ist es noch schwerer.
In der Backsteinkirche von Pastor Ricardo Becker in der Hauptstadt Asunción hofft unterdessen eine Gruppe von Frauen auf einen Wandel im Land. "Gott kann den Menschen verändern", sagt René Carter, die Gründerin des Weltgebetstagskomitees in Paraguay. Trotz ihrer 72 Jahre und der schweren Krankheit, die sie an den Rollstuhl fesselt, spricht die gebürtige Argentinierin klar und präzise: "Die paraguayische Frau ist eine harte Arbeiterin, aber es fehlt ihr an Selbstbewusstsein." Deshalb sind die Christinnen des Landes froh, durch den Weltgebetstag einmal international eine Stimme zu haben.
Quelle: Constanze Bandowski (epd)
