ekiba aktuell (29.01.07)
"Kirche der Freiheit" - Zukunftskongress der Evangelischen Kirche in Deutschland
"Der christliche Glaube ist eine Religion der Freiheit und der Vernunft, des freien Dienstes am Nächsten und der politischen Mitverantwortung." So eröffnete der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber am 25. Januar den dreitägigen Zukunftskongresses der EKD in der Lutherstadt Wittenberg.
Von 25. bis 27. Januar hatte die EKD zum Zukunftskongress "Kirche der Freiheit im 21. Jahrhundert" eingeladen. Grundlage des Kongresses war das im Sommer 2006 veröffentlichte EKD Impulspapier "Kirche der Freiheit. Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert", mit dem der Rat der EKD eine Reformdebatte anstoßen und Möglichkeiten aufzeigen will, wie die evangelische Kirche den vielfältigen Herausforderungen der nächsten Jahre begegnen kann. Damit reagiert die EKD auf langfristige Entwicklungen wie Mitgliederschwund, sinkende Finanzkraft und Bevölkerungsrückgang. Die in dem Impulspapier aufgezeigten Reformperspektiven wurden nun von 300 Vertretern aus allen 23 Landeskirchen drei Tage lang in Wittenberg diskutiert.
Konzentration auf Kernaufgaben
Die Reformation habe den Begriff der Kirche konsequent vom Gottesdienst und von der Verkündigung des Wortes Gottes her bestimmt, so Bischof Huber weiter in seinem Vortrag zur Eröffnung. Diese Konzentration werde die nun anstehenden Reformüberlegungen bestimmen und antreiben.
Diskussionen auf allen Ebenen
Das Kongressthema wurde von den verschiedensten Seiten betrachtet. So sprach Prof. Dr. Horst W. Opaschowski, Wissenschaftlicher Leiter des BAT Freizeit-Forschungsinstituts, am Donnerstag über den Sozialen Rahmen des Reformprozesses während die Journalistin Claudia Bender über "Kommunikation und Profilbildung - Marke Evangelisch?" referierte.
Neben den Vorträgen und Gesprächen im Plenum wurden die im Impulspapier genannten zwölf Leuchtfeuer, Orientierungspunkte auf dem Weg ins Jahr 2030, in Foren besprochen. Dort befasste man sich unter anderem mit den Themen Gemeindeformen, Mitgliederorientierung aller Mitarbeitenden, Zukünftiges Laienengagement, Bildung, Christsein in säkularer Lebenswelt; Diakonie, Themenmanagement und Finanzen.
Am Samstag hielt der Tübinger Theologieprofessor Eberhard Jüngel eine Bibelarbeit, in der er die evangelische Kirche zu Gottvertrauen aufrief. "Der Glaube kennt nur einen Erfolg: von Gott geführt zu werden", sagte der Theologe. Allerdings sei Planung für die Kirche auf dem Weg in die Zukunft unerlässlich.
"Zurück geht es nicht mehr"
Einen Weg zurück gebe es nicht mehr, sagte der EKD-Ratsvorsitzende zum Abschluss. Kirchliche Kernaufgaben wie die Gottesdienstgestaltung stünden im Mittelpunkt der geplanten Reformen, so Huber weiter. Die Entscheidung über konkrete Projekte liege nun bei den Leitungsgremien der Landeskirchen und der EKD.
Von Wittenberg gehe das Signal aus, dass die Konzentration auf die kirchlichen Kernaufgaben kein leeres Wort sei. Trotz aller Kontroversen sei auf dem Kongress klar geworden, dass die evangelische Kirche in einen unumkehrbaren Zukunftsprozess hineingeraten sei. Nun gehe es darum, Reform- und Pilotprojekte in Gang zu bringen und gelungene Beispiele auf allen kirchlichen Ebenen bekannt zu machen. Als vorrangige Handlungsfelder nannte der Berliner Bischof die Qualität der Gottesdienstgestaltung, das Zusammenwirken von Ehren- und Hauptamtlichen sowie das Verhältnis von herkömmlichen und neuen Gemeindeformen.
Der Zukunftskongress habe Entscheidungen nicht vorgegriffen, betonte Huber. Die Gremien von Landeskirchen und EKD müssten nun bestimmen, welche Prioritäten sie setzen wollten. Der oberste Repräsentant von rund 25 Millionen Protestanten äußerte die Erwartung, dass die Debatte über Größe und Gestalt der Landeskirchen weitergehen werde.
Bestärkt
Die Evangelische Kirche in Deutschland sieht sich durch den Zukunftskongress in Wittenberg in ihrem Reformkurs bestärkt.
So äußerte die Präses der EKD-Synode, Barbara Rinke, die Erwartung, dass die evangelische Kirche nach Wittenberg von einer "nüchternen protestantischen Aufbruchstimmung" erfasst werde: "Man muss keine Angst haben, dass uns nach Wittenberg die Luft ausgeht." Die Debatte werde im November in Dresden bei der EKD-Synode fortgesetzt, die das Schwerpunktthema "Aufbruch in der evangelischen Kirche" haben werde.
