ekiba aktuell (27.06.07)

 

Notwendigkeit einer theologisch fundierten Kultur der Gabe

Karen Hinrichs
Karen Hinrichs

Dr. Thomas Kreuzer
Dr. Thomas Kreuzer

Kreative Spendenaktion
Kreative Spendenaktion...

Helfen mit Rad & Tat
..."Helfen mit Rad & Tat"

Bericht vom 3. Südwestdeutschen Fundraising Forum in Bad Herrenalb

Kartoffeln musste niemand zum 3. Südwestdeutschen Fundraising Forum mitbringen. Das war vor 60 Jahren bei der Eröffnung der Evangelischen Akademie in Bad Herrenalb mit einer Tagung für Ärztinnen und Ärzte noch anders: Neben dem Tagungsbeitrag von 45 Reichsmark mussten "Lebensmittel in natura 1 Pfund Kartoffeln pro Tag, also 7 Pfund für den ganzen Lehrgang, und Brotaufstrich" mitgebracht werden.
Im Juni 1947 redete natürlich noch niemand von Fundraising. Doch bereits ein Jahr nach der Akademiegründung bat der erste Leiter der Akademie, Friedrich Schauer, um Unterstützung der Akademiearbeit: "Den Hilferuf um eine brauchbare Schreibmaschine wage ich kaum laut werden zu lassen, geschweige denn den um einen kleinen Kraftwagen zur Herbeischaffung der Redner und der Teilnehmer aus der französischen Zone, die über Gernsbach anreisen müssen."

"Kultur der Gabe"
In diesem Sinne war die Akademie der richtige Ort, unter dem Motto "Am Ende gewinnen alle!" sich mit den Möglichkeiten des Fundraisings auseinanderzusetzen. Oberkirchenrätin Karen Hinrichs, Leiterin des Referats Grundsatzplanung und Öffentlichkeitsarbeit der badischen Landeskirche, in dem auch das Fundraising verortet ist, eröffnete das Forum mit einer biblischen Betrachtung zu Markus 12, 41-44 "Das Scherflein der Witwe".
Dr. Thomas Kreuzer, Direktor der Fundraising Akademie (Frankfurt) skizzierte im Folgenden neue Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft und betonte die Notwendigkeit einer "theologisch fundierten Kultur der Gabe"

Der Fundraisingexperte Dieter Schöffmann bezeichnete im Hauptvortrag Fundraising als "Vermögensbildung". Es sei ein Handlungskonzept für Vereine, Kirchengemeinden, kleinere und größere Non-Profit-Organisationen, um eigenständig finanzielle und personelle Ressourcen zu erwirtschaften. In seinem Beitrag sprach er von den Chancen neuer sozialer Partnerschaften zwischen Gemeinwohl und Wirtschaft: "Unternehmen können mehr als Geld geben".

In mehreren Workshops konnten die über 160 Teilnehmenden des Forums Grundkenntnisse im Fundraising erwerben und für sich "Beziehungen als ein wichtiges Fundament des Fundraisingarbeit" entdecken. Ein Workshop rückte das Thema "Ehrenamtliche sind unentbehrlich" in den Mittelpunkt.

Kreative Aktion
Damit all dies nicht nur Theorie bleibt, gab es die kreative Spendenaktion "Helfen mit Rad & Tat". Das Forum schlüpfte selbst in die Haut von Spendenden: Vier ausgewählte Teilnehmer durften in genau 60 Sekunden vorstellen, welches Anliegen ihre Organisation hat und für welches Projekt Spenden benötigt werden.

Das Spendenparlament - alle Teilnehmer des Forums - stimmten über die Verteilung von 660 EUR aus Sponsorengeldern und dem Verkauf von Losen ab. Zuvor mussten die vier Teilnehmer noch im Vortragssaal in die Pedale treten: wer bei einem Fahrradrennen auf Kinderrädern am langsamsten fahren konnte, hatte zusätzliche Gewinnchancen. Der erste Platz wurde schließlich gleich zweifach vergeben: Die "Oberreuter Lesemäuse Karlsruhe" mit Doris Roller und das "Projekt Demenz Ulm" vertreten durch Barbara Eberle konnten jeweils 231 EUR mit nach Haus nehmen.

Das Forum endete mit einem Beitrag von Dr. Ambros Schindler, Leiter des Deutschen Stiftungszentrums (Essen) über die Erwartungen von Stiftern und die reale Praxis von Stiftungen.

Veranstalter des Forums waren neben der Akademie die Evangelische Landeskirche in Baden, das Diakonische Werk Baden, die Fundraising Akademie Frankfurt und das Aktivbüro der Stadt Karlsruhe.

Ralf Stieber, Evangelische Akademie Baden