Von der Reformation zu Europa

 

Ausstellung in Amtsgericht Karlsruhe zeigt interessante Zusammenhänge auf

Karlsruhe (03.05.07). Was haben die reformatorischen Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts mit der europäischen Verfassung zu tun? „Die Kirchenordnungen sind frühe Dokumente des modernen Staatsgedankens“, so Pfarrer Konrad Fischer, Melanchthonbeauftragter der badischen Landeskirche. Die maßgeblich von ihm konzipierte Ausstellung wird anlässlich der Karlsruher zweiten Nacht des Rechtes zusammen mit der Evangelischen Akademie in Baden, der Stadt Karlsruhe sowie der Heidelberger Akademie der Wissenschaften nach Stationen in Brüssel und Stuttgart nun in Karlsruhe gezeigt.

Vor 450 Jahren kam mit der Einführung evangelischer Kirchenordnungen in der Kurpfalz und in der Markgrafschaft Baden-Pforzheim ein langer Prozess der Reformation an sein Ende. „Die Reformation war aber nicht nur ein kirchliches, sondern ein ebenso politisches Ereignis“, wies der emeritierte Heidelberger Kirchengeschichtsprofessor Gottfried Seebaß bei der Eröffnung der Ausstellung am Mittwoch in Karlsruhe auf. Mit der Neugründung der evangelischen Kirche habe man eine Vielzahl von rechtlichen Ordnungen und Bestimmungen neu fassen müssen. „Dies war eine unglaubliche Leistung“, so Seebaß. Die 1556 in Baden und der Kurpfalz eingeführten Kirchenordnungen würden in der Diskussion um die Europäische Verfassung interessante Parallelen aufweisen. „Das spiegelt sich allein schon in der Frage nach dem Gottesbezug, aber auch in der Frage nach dem Einflussbereich des Staates auf kirchliche Belange“, wie Konrad Fischer darstellte. Die Kirchenordnungen der Reformation könne man durchaus als Baustein und Ferment des neuzeitlichen Verfassungsstaates betrachten. Dies zeige die Ausstellung mit Schautafeln und Originaldokumenten deutlich auf.

„Karlsruhe ist als Stadt des Rechtes genau die richtige Station für solch eine Reflexion zwischen Kirche, Religion und Recht“, sagte der Kulturreferent der Stadt Karlsruhe, Michael Heck. Er freue sich sehr, dass genau diese Ausstellung den Auftakt für die Nacht des Rechtes in Karlsruhe bilde.

Die Ausstellung ist bis zum 14. Mai 2007 von Montag bis Freitag, jeweils von 8.00–16.00 Uhr im Obergeschoss des Amtsgerichtes Karlsruhe, Schlossplatz 23, zu besichtigen. Der Eintritt ist frei. Gruppenführungen können unter (07252) 944112 (vormittags) beim Sekretariat der Europäischen Melanchthon-Akademie Bretten angefragt werden.