„Avanti Protestanti“ auch in Baden!

 

Landesbischof gibt Impulse für zukünftige Kirchengestaltung

Bad Herrenalb (26.04.07). Flexibilität in den Gemeindeformen, ein starkes Miteinander von haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden, neue Fortbildungs- und Bildungskonzeptionen: unter anderem darin sieht Landesbischof Ulrich Fischer Chancen für die Zukunft der Landeskirche. In seinem jährlichen Bericht zur Lage vor der Landessynode sprach sich Fischer am Donnerstag zudem für ein engeres Miteinander mit der württembergischen Landeskirche aus.

Der badische Bischof würdigte das im letzten Jahr veröffentlichte Impulspapier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und empfand den Zukunftskongress in Wittenberg im Januar dieses Jahres als großen Gewinn für die Kirche. Vor allem mit den Grundsätzen geistliche Profilierung statt undeutlicher Aktivität, Schwerpunktsetzung statt Vollständigkeit, Außenorientierung statt Selbstgenügsamkeit sowie Beweglichkeit in den Strukturen habe die EKD „Unverzichtbares für die Weiterentwicklung“ benannt.  In Baden könne vieles davon aufgenommen und weitergeführt werden.

Die im Impulspapier gezeichneten rechnerischen Szenarien im Jahr 2030 würden allerdings nicht auf Baden zutreffen. Zum Beispiel sei die anvisierte Reduzierung der Pfarrerinnen und Pfarrer um 20 Prozent „in Baden eine viel zu hohe Zielgröße“, so Fischer. Er gehe davon aus, dass in Baden in den kommenden zehn Jahren wenn überhaupt nur in sehr geringem Umfang Gemeindepfarrstellen reduziert werden müssten. Nach wie vor bleibe auch die Parochie, ein bestimmtes Einzugsgebiet für eine Gemeinde, im ländlichen Raum in Baden eine feste Größe, in den Großstädten müsse man allerdings auch in Baden offen für neue Strukturen und Gemeindeformen sein: „Menschen in der Großstadt orientieren sich nur noch sehr bedingt an parochialen Vorgaben.“

Die regelmäßigen Dienste in den Gemeinden müssten verlässlich weiter finanziert werden, auf der Ebene von Kirchenbezirken und Landeskirche sollte aber eine stärkere Profilierung durch Projektmittel möglich sein. Dabei sprach sich Fischer für einen fairen und begrenzten Wettbewerb aus. Die vorhandene Qualität solle gehalten und durch ein verbindliches, theologisch verantwortetes Qualitätsmanagement verbessert werden. Dazu seien ein verbindlicher Fortbildungskanon und der Aufbau von Beratungsnetzwerken sinnvoll. „Steigerung der Motivation und Leistungsbereitschaft muss unser Ziel sein, nicht Aufbau neuer Versagens- oder Verlustängste.“ Zur Qualität gehöre auch eine gesunde „Kultur des Lassens“.

Die Bildungsarbeit der Landeskirche solle im Rahmen eines Bildungsgesamtplanes neu konzeptionell ausgerichtet werden. Zusammen mit der württembergischen Landeskirche wolle man einen „Grundkurs Glauben“ für Mitarbeitende konzipieren, um die Sprachfähigkeit im Glauben zu entwickeln. Mit der Schwesterkirche wolle man so viel gemeinsam machen, wie möglich. Fischer kündigte für das Spätjahr eine Rahmenvereinbarung mit der evangelischen Landeskirche in Württemberg an. „Wir wollen gemeinsam darüber nachdenken, welches eigentlich Kriterien für eine funktionierende Landeskirche sind“, sagte Fischer.