Europa braucht verlässliche Beziehungen
Synodalpräsidentin Margit Fleckenstein zu 50 Jahre Römische Verträge
Karlsruhe/Mannheim (22.03.07). „Europa braucht verlässliche Beziehungen zwischen Menschen“, sagt die Mannheimer Justizrätin Margit Fleckenstein, Präsidentin der badischen Landessynode anlässlich des Jubiläums 50 Jahre Römische Verträge am 25. März. Ihre Wurzeln hätten die Verträge im Vertrauen auf die Kraft der Vergebung.
„Es waren Worte aus der Bergpredigt Jesu, an denen sich die Initiatoren der Römischen Verträge orientierten“, so Margit Fleckenstein, die auch Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. Das Credo des damaligen französischen Außenministers Robert Schuman „Vergebung, nicht Vergeltung“ habe zu verlässlichen friedlichen Beziehungen zwischen einstigen Feinden geführt. „Europa ist ein Beispiel dafür, dass man mit Worten der Bergpredigt Politik gestalten kann“, so Fleckenstein.
Es sei für den weiteren Weg der Europäischen Union entscheidend, dass die 27 Mitgliedsstaaten sich als eine Wertegemeinschaft verstünden und eine verlässliche europäische Politik nach innen wie nach außen verantworteten. „Dazu gehört vor allem die Begegnung zwischen Menschen.“ Europa dürfe sich nicht nur auf höchster politischer Ebene abspielen oder als bürokratische Angelegenheit verstanden werden. „Das europäische Ziel ist ein Zusammenleben aller Menschen in Frieden und Solidarität“, sagt die Mannheimer Rechtsanwältin.
Nach wie vor sehe die evangelische Kirche in dem Europäischen Verfassungsvertrag und der Grundrechtecharta einen wichtigen Ansatz dafür, das Eintreten für Grundrechte und Demokratie als gemeinsame Verpflichtung aller Mitgliedsstaaten wahrzunehmen.
Viel stärker solle die Europäische Union auch globale Verantwortung wahrnehmen, fordert die Synodalpräsidentin. „Die Armutsbekämpfung muss als vorrangiges Ziel anerkannt werden.“ Ebenso müsse einer Politik der Nachhaltigkeit höchste Priorität eingeräumt werden. „Die Lebensgrundlagen der kommenden Generation dürfen nicht heute schon aufgebraucht werden“, sagt Fleckenstein.
Seit über fünf Jahrzehnten sei die Evangelische Kirche in Deutschland eingebunden in kirchliche europäische Netzwerke. „In diesen die Grenzen überschreitenden Gemeinschaften leisten die europäischen Kirchen in Begegnungen, Dialogen und Projekten vielfältige Beiträge zur Vertiefung einer europäischen Wertegemeinschaft und zum Zusammenwachsen unseres Kontinents“, beschreibt Fleckenstein den Beitrag der Kirchen für Europa. Das hätten auch Begegnungen der Ältestenräte der Landessynode aus Baden und Württemberg mit den Einrichtungen der evangelischen Kirchen in Brüssel im Februar bestätigt. Die ökumenische Gemeinschaft der Kirchen sei ein Modell für die Einheit in versöhnter Verschiedenheit, wie sie in Europa gebraucht werde.
„Wir müssen in unseren Gemeinden noch stärker Europa zum Thema machen“, ist Fleckenstein überzeugt. Dazu gehöre, sich noch intensiver mit der Charta Oecumenica auseinanderzusetzen. Das von den europäischen Kirchen im Jahr 2003 unterzeichnete Dokument weise den Weg zu einem Zusammenleben in Frieden und Solidarität „über alle konfessionellen und staatlichen Grenzen hinweg“.
Lesen Sie dazu auch den Artikel von Susanne Labsch:
Der Beitrag der Kirchen zum friedlichen Zusammenwachsen
50 Jahre Römische Verträge - Grundlegung für die Europäische Union (Glaube aktuell vom 19.03.07)
