Wie Stricken ohne Wolle

 

Verabschiedungs-Symposion für Michael Trensky zu Bildung und Gemeindeentwicklung

Karlsruhe (11.3.07). „Religionspädagogik ohne Kirche ist wie Stricken ohne Wolle“, so fasste der Leiter des Religionspädagogischen Institutes Karlsruhe, Professor Hartmut Rupp, das Verhältnis von Bildung und Gemeinde zusammen. Vor rund 200 Gästen diskutierten am vergangenen Freitag Experten und Vertreter der Kirchenleitung zum Thema. Anlass war der bevorstehende Abschied von Oberkirchenrat Michael Trensky. Der Bildungsreferent der Landeskirche geht zum Ende dieses Monats in den Ruhestand.

„Religionspädagogik bindet sich viel stärker wieder an die Kirche“, sagte Landesbischof Ulrich Fischer am Freitag im Evangelischen Oberkirchenrat Karlsruhe bei dem Symposion. In früheren Jahren hätten sich Religionsunterricht und Gemeindearbeit entfernt. „Nach 1968 gab es viele Religionslehrer, die sich rühmten, nichts mit der Kirche zu tun zu haben“, so der Bischof. Er betonte den wichtigen Zusammenhang zwischen individueller Bildung von Religiosität und der Lerngemeinschaft der Kirche. „Auch das individuelle Bekenntnis der Lehrkraft soll zurückbezogen sein auf das Bekennen der Kirche“, forderte Fischer.

Bildung gehöre zu dem Gesamtauftrag der Kirche, bemerkte auch Heinz Schmidt, Theologieprofessor in Heidelberg und Leiter des diakoniewissenschaftlichen Instituts. Dabei dürften außerschulische und schulische Bildung nicht voneinander getrennt werden. „Alle Kräfte der Kirche haben an diesem gesamten Bildungsauftrag Anteil“, so der Professor. Landesbischof Fischer ergänzte, dass Bildung ein wesentliches Element des Gemeindeaufbaues sei und umgekehrt: „Gemeindeaufbau war und ist immer Bildungsarbeit.“ In der Bildung müsse das Erinnertwerden an die Taufe ein wesentliches Element sein.

Schmidt erinnerte daran, dass Michael Trensky sehr viel für das Verhältnis von außerschulischer und schulischer Bildung getan habe. „Das ist für ihn nicht trennbar.“ Daher habe man auch konsequent das Amt für Kinder- und Jugendarbeit dem Bildungsreferat zugeordnet, sagte Landesbischof Fischer. Er bedankte sich bei Trensky für dessen konsequentes Eintreten für den gesamtkirchlichen Bildungsauftrag.

Bei dem Symposion wurde auch die Festschrift für Michael Trensky vorgestellt. Mit Beiträgen von dem Heidelberger Professor Wilfried Härle, dem ehemaligen Landesbischof Klaus Engelhardt, sowie vielen weiteren Theologieprofessoren und religionspädagogischen Experten stellt es einen wichtigen Beitrag zum Verhältnis von Bildung und Gemeindeentwicklung dar. Hartmut Rupp und Christoph Scheilke, Leiter des württembergischen religionspädagogischen Zentrums, stellten die Festschrift vor, die von ihnen im Calwer Verlag herausgegeben wurde.

In einem Abschiedswort skizzierte Michael Trensky noch einmal seine wesentlichen Arbeitsschwerpunkte. Neben der flächendeckenden Versorgung mit Religionsunterricht in Baden habe ihm vor allem Herzen gelegen, die Religionslehrer in ihrem Dienst zu würdigen und zu stärken. Für die kommenden Jahre erhoffe er sich, dass die begonnene ökumenische Zusammenarbeit im Religionsunterricht noch weiter ausgebaut werden könne. Dass im letzten Jahr seines Wirkens die Gründung einer evangelischen Grundschule in Heidelberg gelungen sei, war für Trensky ein weiterer Baustein des Bildungsauftrages der Kirche. Er wünschte sich, dass noch weitere Gründungen von evangelischen Schulen möglich würden. In dem von ihm geförderten Verhältnis von Bildung und Gemeinde sieht er vor allem im Bereich der frühkindlichen Bildung noch Handlungsbedarf.

Den passionierten Posaunenbläser und Bratschisten freute es, dass Kinder und Jugendliche vom Posaunenchor der Kirchengemeinde Heidelberg-Wieblingen das Symposion musikalisch umrahmten.

Am Samstag, den 31. März 2007 um 16 Uhr wird Trensky in der Karlsruher Stadtkirche in einem Gottesdienst verabschiedet werden. Sein Nachfolger wird der bisherige Rektor der Evangelischen Fachhochschule Freiburg, Professor Christoph Schneider-Harpprecht.