Glaube aktuell (23.03.08)
Der Sieg des Lebens - Was uns Ostern bedeutet
Christlicher Glaube ist Osterglaube.
„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden!“ Das verkündet ein Engel den beiden Frauen, die am Morgen zum Grab Jesu kommen. Und die Frauen rufen diese Freudenbotschaft den Jüngern zu: „Der Herr ist auferstanden!“ So lesen wir es im Lukasevangelium im 24. Kapitel. Und so sprechen Christen in aller Welt es in der Osternacht und an den Osterfesttagen einander zu: „Der Herr ist auferstanden; er ist wahrhaftig auferstanden!“
In diesen Augenblicken der Fassungslosigkeit, des Entsetzens und dann der Freude begann der Lauf der christlichen Heilsbotschaft rund um die Welt und durch die Jahrtausende.
Der Kern des christlichen Glaubens
Die Auferstehungsbotschaft ist der Kern des christlichen Glaubens: Der Apostel Paulus schreibt dies in ganz klaren Worten: „Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.“ (1. Kor 15,14)
"Sieg des Lebens wird gefeiert, der Tod wird ausgelacht."
Der endgültige Sieg des Lebens über den Tod im Auferweckungswerk Gottes ist das Größte, das Gott uns in Jesus Christus schenken kann. Diese frohe Botschaft wurde in der Osternacht oder am Ostermorgen, wenn neues Licht das Dunkel vergessen lassen will, in den Kathedralen des Mittelalters mit dem Ritus des Osterlachens begrüßt, wie er noch heute in Ostkirchen Brauch ist. Der Sieg des Lebens wird gefeiert, der Tod wird ausgelacht.
Unser Leben erhält erst durch das Osterereignis die Perspektive der Unendlichkeit. Wie ist angesichts dieser Tatsache zu verstehen, dass in unseren Gemeinden das Weihnachtsfest, genauer gesagt: der Heilige Abend, die größte Anziehungskraft, die größte Zahl der Gottesdienstteilnehmer hat? (...)
Sehnsucht nach Wärme
Wie kam es zu diesem Bedeutungswandel hin zu Weihnachten? Selbst bei meinen Reisen in China habe ich immer wieder gehört, dass das Weihnachtsfest die meisten Menschen und gerade viele junge Menschen zu den christlichen Kirchen führt. Weihnachtssymbole sind dort das ganze Jahr über zu finden. Natürlich können wir Christen die Grundlage unseres Lebens schon an der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus festmachen. Aber ich denke, dass es nicht theologische Gründe sind, die zu dieser veränderten Einstellung geführt haben. Oft macht man den Kommerz, die klingelnden Ladenkassen dafür verantwortlich; doch ich glaube, dass es nicht daran liegt.
Das Weihnachtsfest ist mit seiner heimeligen Atmosphäre der Wärme und der Freude gut zu feiern, auch wenn Menschen seine eigentliche Bedeutung nicht oder nicht mehr teilen. Wärme und Freude möchten in unserer Welt heutzutage alle Menschen empfinden. Gemütlichkeit, Zuhausesein, Beisammensein, Zeit füreinander haben, Gastfreundschaft, Großzügigkeit, Hilfsbereitschaft brauchen alle dringend. Die ständigen Überlegungen „Was bringt es mir? Was nützt es? Wofür ist das gut?“ und die Erwartung, dass man für heute Investiertes schon morgen Erträge bekommen müsse, haben unsere Welt nachhaltig verändert. Wenn wir das Ruder nicht herumreißen können, schliddern wir in eine zweite, nämlich eine soziale Klimakatastrophe – außen die Erderwärmung, innen die Eiszeit kalter Berechnung. (...)
Ostern neu entdecken
Das Osterlachen ist uns abhanden gekommen. Die Bedeutung des Osterfestes muss sich nicht auf das Ostereiersuchen für die Kinder und den Osterspaziergang beschränken. Wir können das Osterfest in seinem ganz besonderen Gehalt neu entdecken. Wie wäre es, wenn wir uns an Ostern 2008 die Zeit nähmen, alle die biblischen Osterberichte zu lesen und zu bedenken? Wie wäre es, wenn wir gleichsam als geistlichen Osterspaziergang mit den Jüngern Jesu den Weg nach Emmaus gingen? Das sind Bibelstellen, an denen wir unser Leben festmachen können, an denen wir die Kraft der Osterbotschaft ganz neu erleben können. (...)
"Nach dem Karfreitag, dem stillen und dunklen Tag der Trauer um Jesus, schenkt Gott uns Ostern, einen hellen und fröhlichen Tag der Freude über Jesu Auferstehung."
Auferstehung macht schon in diesem Leben alles anders für Menschen, die glauben, die sich auf die Botschaft des Engels verlassen: „Jesus ist auferstanden ...“, die eine Hoffnung haben auf Vertrauen und Liebe in dieser Welt und eine Hoffnung sogar über den Tod hinaus.
Ostern ist ein Fest der Freude! Nach dem Karfreitag, dem stillen und dunklen Tag der Trauer um Jesus, schenkt Gott uns Ostern, einen hellen und fröhlichen Tag der Freude über Jesu Auferstehung. Jesus ist lebendig, er ist bei uns.
„Jesus Christus spricht: Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ (Joh 14,19)
Diese kraftvolle Jahreslosung 2008 aus dem Johannesevangelium bietet ein Jahr lang eine gute Gelegenheit, über den Grund unseres Glaubens, die uns von Gott zugedachte Fülle des Lebens und über die Hoffnung, die uns trägt, neu nachzudenken, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen und einander die gute Nachricht zuzusprechen: „Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“
Von Margit Fleckenstein, Präsidentin der Landessynode
Aus dem evangelischen Magazin Standpunkte, für ekiba.de gekürzt. Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung. Die Erstveröffentlichung ist erschienen unter der Rubrik "Nah dran" in der Märzausgabe der Standpunkte.
