Gemeinsam unterwegs

 

Grußwort des Landesbischofs zum Ramadan

Dr. U. Fischer

Sehr geehrte Musliminnen und Muslime in Baden,

in diesen Tagen des Fastenmonats Ramadan nehmen Sie sich bewusst Zeit für Ihren Glauben. Den Glauben zu bekennen heißt, in eine lebendige Beziehung zu Gott zu treten und seine Barmherzigkeit zu erfahren. Ich möchte Ihnen auch im Namen der Evangelischen Landeskirche in Baden für diese Zeit der Einkehr und der Besinnung die besten Glück- und Segenswünsche senden.

In den letzten Jahren hat sich der christlich-islamische Dialog weiter intensiviert. Wir sind in Dialoggruppen und im persönlichen Gespräch gemeinsam unterwegs. In unseren Bemühungen bringen wir einander Achtung und Wertschätzung entgegen. In wechselseitiger Gastfreundschaft kann ein Klima des Friedens entstehen. Auf dem Weg zu einer friedvollen Gesellschaft lernen wir voneinander und miteinander. Mit Beunruhigung haben wir die Abstimmung in der Schweiz zum Minarettverbot verfolgt. Als Evangelische Landeskirche in Baden setzen wir uns für Religionsfreiheit und eine sachgerechte Diskussion im Zusammenhang mit der Errichtung von Moscheegebäuden ein. Wir sehen in einem offenen Dialog auf Augenhöhe eine wesentliche Kraft der Verständigung und Versöhnung.

Wir freuen uns mit Ihnen, dass mit dem Schulversuch „Islamischer Religionsunterricht in Baden-Württemberg“ sehr gute Erfahrungen gemacht worden sind und dass unter den Schülerinnen und Schülern wie in der Elternschaft hohe Akzeptanz besteht. Wir begrüßen diese Schritte zu einer Etablierung des islamischen Religionsunterrichts als einem ordentlichen Lehrfach in Baden-Württemberg.

Eine weitere Chance zur Verstetigung des Dialogs erkennen wir in den Bestrebungen, islamische Studien an deutschen Universitäten zu etablieren. Wir werden den Ausbau von Studiengängen und Weiterbildungsmöglichkeiten für muslimische Lehrkräfte und Imame an deutschen Hochschulen unterstützend begleiten.

Kinder und Jugendliche sind uns in unserer Kirche sehr wichtig. Wir wollen sie ansprechen und an den christlichen Glauben heranführen. Ähnliches geschieht in Ihren Moscheegemeinden mit Angeboten für junge Menschen. Ein wechselseitiges Lernen zwischen christlichen und muslimischen Kindern und Jugendlichen kommt dort zum Tragen, wo sie zusammen Erfahrungen machen und sich beispielsweise von ihrem jeweiligen Glauben erzählen bei Projekttagen in der Schule, bei Festen oder gegenseitigen Einladungen in die Gemeinden. So kann der christlich-islamische Dialog in allen Generationen Fuß fassen.

Ich wünsche Ihnen, Ihren Familien und Gemeinden eine segensreiche Fastenzeit und ein frohes Fest zum Abschluss des Ramadan. Gott schenke seinen Frieden.
Ihr
Dr. Ulrich Fischer