Glaube aktuell (02.08.08)
Lust auf Lesen
Lies' mal wieder!
Die Sommer- und Urlaubszeit ist für Viele auch Lesezeit. Warum nicht mal die Bibel? - Wolf -Dieter Steinmann über die (Un)Lust am (Bibel)lesen:
Haben Sie das Glück, dass Ihr Sohn, Enkel oder Neffe gerne liest? Oder macht der männliche Nachwuchs in Ihrer Familie um Bücher eher einen Bogen? „Lesen ist Mädchenkram“, denken viele Jungs. Woran liegt es, dass Mädchen mehr, lieber und besser lesen?
Frank Reifenberg, Autor von Jungenbüchern, nennt zwei Gründe: Zum einen bieten die meisten Jugendbücher eher Identifikationsfiguren für Mädchen. Zum anderen wird das Buch den Jungs von Frauen nahegebracht, und die haben andere Vorstellungen von einem „guten Buch“ als Jungen. „Jungs wollen starke Helden, mit denen sie sich identifizieren können. Für Jungs zählen Action, Spannung und Humor, leicht lesbar, direkt“, sagt Reifenberg. Ich fand auch Winnetou und Old Shatterhand prima, und meine Deutschlehrerin fragte mich, ob ich nicht auch mal etwas anderes lesen wollte. Und „etwas anderes“ hieß: etwas „Gutes“. Wer Jungen zum Lesen bringen will, muss ihnen Lesen als Abenteuer zeigen, das Lust macht. Wäre das nicht etwas für Väter, Onkels und Opas? Wie wäre das? Vater und Sohn miteinander auf der Couch, und Papa liest spannende Geschichten vor. Das müsste doch werden.
Und wenn man den Jungs die Lust am Buch der Bücher, an der Bibel nahe bringen will? Wird das nicht doppelt schwer? Vielleicht geht es aber doch, denn es gibt eine Menge von starken Männern in der Bibel, vielleicht wird nur nicht jungennah genug von ihnen erzählt. Sie werden als Helden eher geglättet oder ganz verschwiegen.
"Mit dem Lesen finden sie auch ein Stück Lust auf gutes Leben und Neugier auf Gott."
Nehmen Sie Elia, den Propheten. Er ist ein Mann voller Energie, leidenschaftlich, ungezügelt, der Urtyp eines wilden Mannes. Kein bürgerlich-moralisches Vorbild, aber ist das nicht genau der Stoff, aus dem Leseabenteuer sind? Genau der Lesestoff, mit dem man als Junge groß werden kann. Und man muss doch erst groß werden, bevor man erwachsen werden kann. Elia geht diesen Weg mit Gott. Er ist ein einsamer Kämpfer für seinen Gott, steht ganz und gar für seine Sache, bietet dem König die Stirn, tritt allein an gegen 400 Konkurrenten auf Leben und Tod. Und triumphiert. Wie ein jugendlicher Held fühlt er sich: unverletzlich, groß und überheblich. Dann erzählt die Bibel von seinem Absturz und wie er danach ein erwachsener reifer Mann wird. Mit Gott.
Es gibt schöne Erzählbücher zur Bibel, die den biblischen Stoff lebendig nacherzählen. Auch die Bibelcomics sind ein Weg, nicht nur Jungen die Lust am Bibellesen nahe zu bringen. Mit dem Lesen finden sie auch ein Stück Lust auf gutes Leben und Neugier auf Gott.
Wolf-Dieter Steinmann, Rundfunkpfarrer am SWR
Aus: Panzer, Lucie / Steinmann, Wolf Dieter: Dem Glück auf der Spur - Anstöße für Frauen und Männer
Verlag Evangelische Gesellschaft Stuttgart, 2008 (ISBN 978-3-7918-8010-5)
Zu bestellen unter http://www.buchreligion.de/







