Leben von und mit Gottes Gnade

 

Impuls vom 31.10.2009 - Zum Reformationstag 2009

Fischer und Zollitsch

Landesbischof Ulrich Fischer und
Erzbischof Robert Zollitsch

Als Begnadete leben

„Begnadet leben“, so steht es als Überschrift über diesem Gottesdienst. Und ich denke, es ist ein starkes Zeichen der Gnade, die uns von Gott geschenkt ist, dass wir diesen Tag gemeinsam ökumenisch begehen. Denn auch wenn wir als Christen darunter leiden, dass wir getrennt sind und die Wunden, die damit verbunden sind, schmerzen, so dürfen wir heute doch gemeinsam mit Melanchthon eines Reformators gedenken, der alles getan hat, um diese Spaltung der Kirche zu verhindern. (...)

Es war ja die zentrale Frage, die Melanchthon und die anderen Reformatoren umtrieb: wie kann jeder und jede Einzelne ganz persönlich einen gnädigen Gott bekommen, das ewige Leben bei Gott erlangen? Die Ungewissheit stand im Raum: Kommt es da auf unsere, auf meine Leistung an, auf das, was ich getan habe? Und damit war die Angst verbunden, zu versagen, den hohen Ansprüchen nicht genügen zu können. Oder kommt es – wie es etwa Melanchthon aufzeigte – auf das an, was Gott uns selbst aus Vorauszahlung schenken will? Können wir auf seine Barmherzigkeit hoffen? (...)

Ja, Gott will seine Gnade allen Menschen schenken; er ist für uns alle am Kreuz gestorben; allein aus Gnade, nicht durch unsere Leistung sind wir gerettet. Es kommt aber auf die Bereitschaft von uns Menschen an, uns darauf einzulassen, das Geschenk der Gnade Gottes anzunehmen, letztlich ihm zu vertrauen. In der Liebe, die Gott uns schenkt, wartet er zugleich auf unsere Antwort auf seine Gabe.

- Weiter lesen: Predigt von Erzbischof Robert Zollitsch im Wortlaut

 

Dienet einander mit der Gabe...

„Dienet einander mit der Gabe, die Ihr empfangen habt als die guten Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes.“ (...) Wir haben von unserer Geburt an Begabungen mit auf den Lebensweg bekommen, manche mehr, manche weniger. Wir alle sind Begabte. Als Christenmenschen sehen wir in unseren Begabungen Gaben Gottes oder - wie es die Reformatoren um Philipp Melanchthon immer wieder betont haben - Wirkungen des Heiligen Geistes. Unsere Begabungen sind Geschenke unseres gnädigen Gottes. Sind Spiegelbilder der Gnade, der charis Gottes. Sind Charismen. Wir alle sind Charismatiker. Unsere Begabungen, unsere Charismen sollen wir zum Besten des menschlichen Miteinanders einsetzen.

- Weiter lesen: Predigt von Landesbischof Ulrich Fischer im Wortlaut

Im Ökumenischen Gottesdienst zum Reformationstag und zum Melanchthonjahr 2010 predigten Landesbischof Ulrich Fischer und Erzbischof Robert Zollitsch am 31.10.2009 in der Stiftskirche Bretten zum Thema "leben von und mit Gottes Gnade":