Langfristig die Not lindern - Nicht müde werden in der Hilfe für die Ärmsten der Armen

 

Impuls vom 29.01.2010

Landesbischof Ulrich Fischer

Landesbischof Ulrich Fischer

Es war ein Schock. Das verheerende Erdbeben auf Haiti hat Menschen getroffen, die auch vor dem Erdbeben schon in einer Dauerkatastrophe leben mussten. Politisch und wirtschaftlich ist Haiti ganz unten. Zerstört durch machtgierige Menschen, die schon vor dem Beben der Erde im wahrsten Sinn über Leichen gegangen sind.

Ich bin dankbar, wie viele Menschen jetzt dazu beitragen, die Not in Haiti zu lindern. Mit ihren Spenden unterstützen sie auch die Hilfswerke der evangelischen Kirche darin, den an Leib und Seele Geschundenen das Lebensnotwendige zukommen zu lassen. Allen Spenderinnen und Spendern danke ich von Herzen.

Das Leben kann erschreckend sein. Aber gerade dann ist es wichtig, dem Schrecken etwas entgegen zu setzen. Jesus lädt uns ein, am Glauben festzuhalten, zu vertrauen - trotz allem. Ihm nachzufolgen, zu teilen. Es wird den Menschen in Haiti helfen, wenn wir sie unterstützen, sofort und - wenn es geht - auf Dauer. Darin sehe ich unsere wichtigste Aufgabe: Nachhaltig das Land darin zu unterstützen, das Leben in geregelten Bahnen zu gestalten. Für Arbeit und Nahrung, für stabile Verhältnisse und eine vertrauenswürdige Regierung zu sorgen.

"Es ist schlimm, dass erst Hunderttausende von Opfern die Weltgemeinschaft zum Helfen aufrütteln."

Braucht es denn immer erst eine Katastrophe solchen Ausmaßes, dass wir auf den Zustand eines Landes wie Haiti aufmerksam werden? Es ist schlimm, dass erst Hunderttausende von Opfern die Weltgemeinschaft zum Helfen aufrütteln. Und dass selbst dann die Hilfe stockt, weil die Strukturen des Landes schon zuvor zerstört waren. Haiti mahnt uns alle, die Not solcher Länder wahrzunehmen. Wir dürfen es nicht einfach hinnehmen, dass auf dieser Welt eine ganze Gesellschaft auf riesigen Müllbergen ums nackte Überleben kämpft. Als Gesellschaft und als Kirchen ist es unsere Aufgabe, alles uns Mögliche dafür zu tun, diese Menschen darin zu unterstützen, selbst auf die Beine zu kommen.

"Beten auch dafür, dass uns solche Bilder immer wieder daran erinnern, nicht müde zu werden in der Hilfe für die Ärmsten der Armen."

Dabei helfen Spenden. Ich bin überzeugt: Auch Beten hilft. Ganz konkret für die Überlebenden, für die Helferinnen und Helfer aus aller Welt. Dass wieder Leben in sie kommt und dass Gott in ihren Schmerzen bei ihnen ist, auch im Schmerz um ihre Toten. Beten auch dafür, dass uns solche Bilder immer wieder daran erinnern, nicht müde zu werden in der Hilfe für die Ärmsten der Armen.

Landesbischof Ulrich Fischer
aus seiner Kolumne im Offenburger Tageblatt