Ökumenische Gemeindezentren – Einheit praktisch
Impuls vom 06.05.2010
Aus der Reihe "Beispiele badischer Ökumene", Teil 3
Am Anfang stand eine ganz praktische Überlegung. Die Idee zu den ersten ökumenischen Gemeindezentren in Deutschland hatte zunächst finanzielle Gründe. Warum in einem Neubaugebiet zwei Kirchen, zwei Gemeindezentren bauen? Auch wenn zu Beginn der 70er Jahre die Kirchen noch nicht über drastische Sparmaßnahmen nachdenken mussten, suchte man doch nach kostengünstigen Möglichkeiten, um Kirche vor Ort präsent zu halten. Mit dem Rückenwind des ökumenischen Aufbruchs nach dem zweiten Vatikanischen Konzil ist schließlich eine Idee geboren: Warum nicht ökumenische Gemeindezentren bauen?
Gemeindezentren. Insgesamt ist ihre Zahl in Deutschland auf rund 70 angewachsen, die meisten davon in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Auch das jüngste findet sich im Süden: das Ökumenische Gemeindezentrum in Freiburg-Rieselfeld. Architektur und Prinzipien der gemeinsamen Arbeit wurden hier wie bei den meisten der Gemeindezentren umgesetzt: so viel gemeinsam wie möglich, so wenig getrennt wie nötig. Ein evangelischer Kirchenraum, ein katholischer Kirchenraum, durch Knopfdruck in einen gemeinsamen Kirchenraum verwandelbar, gemeinsame Gruppenräume, teilweise sogar gemeinsame Gremien und hauptamtliche Mitarbeiter wie Sekretärin oder Hausmeister. Die beiden großen Kirchen sind dabei oft über den eigenen Schatten gesprungen, wenn es um Genehmigungen und Finanzierungen beispielsweise von Stellen ging. Aber die Zentren sind Modelle für ein gelingendes Miteinander; nichts schlimmer, wenn es dann schon an den Formalitäten scheitern sollte.
Einzigartig: Die Arche
Doch der Schatten ist manchmal sehr groß. Dass es bei den Gemeindezentren eben nicht nur um Sparlösungen ging, zeigt eines der ältesten Zentren der Republik in Neckargemünd bei Heidelberg. Das vor 32 Jahren gegründete ökumenische Kirchenzentrum Arche hat viele Nachahmer gefunden, doch in seiner ökumenischen Konesequenz bleibt es einzigartig.
"Aber die Taufe ist das Band, das beide Gemeinden trotz bestehender Unterschiede verbindet, sichtbar in den gemeinsam gefeierten Taufen."
Dass im Mittelpunkt des Zentrums ein gemeinsamer Taufstein steht, ist nicht nur ein Symbol. Getauft wird einmal im Monat bei ökumenischen Gottesdiensten, die als Agapefeier gestaltet sind. Zwei- bis dreihundert Menschen reichen sich die Brotkörbe weiter, meist wissen sie nicht einmal mehr, ob ihr Banknachbar katholisch oder evangelisch ist. Nach wie vor haben beide Gemeinden ihren eigenen Pfarrer und einen jeweils von der Gemeinde gewählten Kirchengemeinderat bzw. Pfarrgemeinderat. Doch beginnen diese ihre Sitzungen immer als „Öku-Rat“, tagen auch in regelmäßigen Abständen zusammen und gehen einmal im Jahr zusammen in eine Klausur. Der „Öku-Rat“ bestimmt über den gemeinsam geführten Haushalt und plant die vorwiegend gemeinsam durchgeführten Projekte. So versteht die Arche ihre Arbeit nicht als „Zweck-Ökumene“, sondern tritt nach außen sehr geschlossen, ja fast als eine Gemeinde auf. Trotzdem pflegen die beiden Gemeinden ihre eigenen Traditionen in Taizé-Andachten oder dem Gebet des Rosenkranzes. Aber die Taufe ist das Band, das beide Gemeinden trotz bestehender Unterschiede verbindet, sichtbar in den gemeinsam gefeierten Taufen.
Vorbildliches ökumenisches Miteinander
In unterschiedlichen Spielarten und Formen des gemeinsamen Lebens und Arbeitens haben sich die ökumenischen Zentren in Deutschland bewährt. Sie können in der Regel ihre gewachsenen Strukturen und Kooperationen auch bei einem Wechsel von Hauptamtlichen beibehalten.
"...ökumenische Projekte sind nicht an Räume, sondern an Menschen gebunden."
Aber auch für Gemeinden, die (noch) keine gemeinsamen Räume haben, kann diese Form des ökumenischen Miteinanders Vorbild sein. Gemeinsame Taufgottesdienste mit den Taufen durch die jeweiligen Geistlichen, gemeinsame Sitzungen der Gremien und ökumenische Projekte sind nicht an Räume, sondern an Menschen gebunden. Und sie verbindet mehr, als die Konfessionen voneinander unterscheidet.
Zur Einstimmung auf den 2. Ökumenischen Kirchentag, der von 12.-16. Mai in München stattfindet, stellen wir Ihnen auf ekiba.de in loser Folge einige Beispiele badischer Ökumene vor.
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