Hurra, Ferien!
Impuls vom 27.07.2010
Hurra, die großen Ferien sind da! Erinnern Sie sich noch daran, wenn dieser Ruf über Schulkorridore und Pausenhöfe tönte? Vermutlich hat sich seit Generationen daran wenig geändert.
Ich denke an die besonderen Rituale, die der letzte Schultag vor den Ferien hatte. Die Regeln des Schulbetriebs wurden schon vorab außer Kraft gesetzt. Jetzt durften Geschichten gelesen werden, die nicht im Lernplan standen. Spiele wurden gespielt, für die sonst keine Zeit war.
Der Zauber der sich ankündigenden Ferienzeit leuchtete voraus. Endlich Abschied von der Schule! Bald würde es auf kleinere oder größere Reisen gehen.
Auf Reisen zu gehen ist keine Errungenschaft unserer Tage. Bereits in der Bibel machen sich Menschen auf den Weg. Meistens handelte es sich um Wallfahrten oder Pilgerreisen, die man aus Anlass besonderer Festtage unternahm. Man begab man sich an Orte mit besonderer Ausstrahlungskraft.
Übergänge
Auch von Jesus wird erzählt, dass er mit seinen Eltern nach Jerusalem zog, um dort das Passahfest zu feiern. Ein besonderer Tag sollte es für ihn werden, den er mit großer Spannung erwartete. Mit zwölf Jahren war er genau in dem Alter, in dem er vollgültig in die Religionsgemeinschaft aufgenommen wurde. Im Rahmen dieses Festes würde er seine religiöse Mündigkeit erlangen.
Ein Übergangsritual war mit dieser Reise verbunden, das jeder Heranwachsende mit großer Spannung erwartete. Schon die Reise selbst war von dieser Spannung gekennzeichnet. Der Abschnitt der Kindheit lag nun hinter Jesus. Etwas anderes deutete sich an, war aber noch nicht deutlich zu erkennen. Was würde geschehen, wenn die Schwelle überschritten war, die in einen neuen Lebensabschnitt führte?
Selbst in einer säkularen Umwelt haben Reisen ihren Schwellencharakter bis auf den heutigen Tag behalten. Etwas bleibt zurück – bei jeder Reise. Vielleicht sind es Familienangehörige, vielleicht ein Haustier. Sicher sind es bestimmte Aufgaben und Pflichten, die man jetzt loslassen darf. Eine Wohnung oder ein Haus, ein Garten. Dinge sind zu regeln. Aber dann ist der Abschied auf Zeit gekommen und der Blick richtet sich voller Vorfreude nach vorne.
"Mit jeder Reise verbinden sich Erwartungen und Sehnsüchte. Manchmal auch Ängste."
Was will ich zurücklassen? Was kommt auf mich zu? Was möchte ich erleben? Mit jeder Reise verbinden sich Erwartungen und Sehnsüchte. Manchmal auch Ängste. In Zeiten, als die Verkehrswege noch unsicherer waren als heute, war das Gefühl für die Gefahren einer Reise stärker als heute ausgeprägt. Darum spielte der Reisesegen eine große Rolle.
Gott befohlen!
Bevor man die Haustür hinter sich schloss, wurden die Zurückbleibenden dem Segen und der Fürsorge Gottes anbefohlen. Auch für sich selbst erbat man das Geleit Gottes, der sich auskannte mit Wanderschaft. Denn nach biblischem Zeugnis war Gott nicht ein sesshafter Gott, sondern unterwegs mit seinem Volk.
"... Dem mitgehenden Gott anbefohlen, damit auf guten Abschied sichere Ankunft und gesunde Heimkehr folgt!"
Ade, Adieu, Adios – rief man sich damals wie heute zu. Dem mitgehenden Gott anbefohlen, damit auf guten Abschied sichere Ankunft und gesunde Heimkehr folgt!
Dazwischen aber liegen die bunten Tage der Rekreation und Erholung – in anderer Umgebung und mit anderen Eindrücken, mit anderen Düften und anderem Essen, mit andern Lauten und anderen Sprachen. Also, wir sind dann mal weg. Ade und gute Reise!
Akademiedirektor Klaus Nagorni, Evangelische Akademie Baden
