Das Kreuzeszeichen
Impuls vom 25.02.09
Am Aschermittwoch beginnt die Passionszeit. Wir begleiten unseren Heiland auf dem Weg hinauf nach Jerusalem, auf dem Weg ans Kreuz. Die Passionszeit kann zum Anlass werden, sich mit dem Kreuzeszeichen zu befassen.
Das Kreuzeszeichen wurde bereits in der alten Kirche geübt, Martin Luther erwähnt es als selbstverständlichen Brauch beim Morgen- und Abendsegen (Evangelisches Gesangbuch 808,1; 814.1).
Wie wird das Kreuzeszeichen vollzogen?
Es gibt heute vor allem zwei Weisen, das Kreuzeszeichen zu vollziehen, die westliche, also die katholische und lutherische, und die östliche Weise.
Beiden Möglichkeiten ist gemeinsam, dass das Kreuz ruhig und in nicht zu kleiner Gebärde geschlagen wird. In der Regel nimmt man dazu die rechte Hand. Entweder mit Zeige- Mittel- und Ringfinger (Westen) oder mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger (Osten) werden Stirn und Brust und beide Schultern berührt, die rechte und dann die linke Schulter, wie in der Orthodoxie oder umgekehrt, zuerst die linke und dann die rechte Schulter, wie es in der Westkirche geübt wird. Die orthodoxe Art kann interpretiert werden als Weg von außen nach innen, als Verbindung von Verstand, Gefühl und Handeln mit dem Herzen, in der westlichen Welt geht der Weg umgekehrt vom Verstand und Empfinden über das Herz ins Tun. Die jeweilige Anzahl von Fingern wird mit der Dreieinigkeit Gottes und den beiden Naturen Christi, wahrer Mensch und wahrer Gott, in Verbindung gebracht.
Zum Kreuzeszeichen gehören die laut oder still gesprochenen Worte: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (Matthäus 28,19)
Was geschieht beim Kreuzeszeichen?
Ist es mir möglich, es aufrecht stehend zu vollziehen, verbinden sich oben und unten, Himmel und Erde, die Welt zu meiner Rechten und die Welt zu meiner Linken. Ich gründe und erde mich, lasse mich aufgerichtet sein zum Himmel hin und bin offen für die Welt um mich.
Mit dem Kreuzeszeichen stelle ich mich bewusst in die Gegenwart Gottes, von dem und durch den und zu dem alle Dinge sind und dem auch ich zu eigen bin. (Röm.11,36; 14,7ff).
Das Kreuzeszeichen vergegenwärtigt mir meine Taufe auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Das Kreuzeszeichen verbindet mich mit Christus dem Gekreuzigten. Auf seinem Weg ans Kreuz hat er der Welt bis in die letzte Konsequenz Gottes Liebe bezeugt.
Das Kreuzeszeichen verbindet mich mit anderen Christen, die mit mir auf dem Weg der Nachfolge des Gekreuzigten sind und waren. Es trennt nicht die Konfessionen, sondern verbindet sie.
"Die Zuneigung Gottes kommt auf mich herab, will mich erfüllen und durch mich hindurch weiterfließen."
Das Kreuzeszeichen ist ein Segenszeichen. Die Zuneigung Gottes kommt auf mich herab, will mich erfüllen und durch mich hindurch weiterfließen.
So kann das Kreuzeszeichen bewusst, wie bei Martin Luther, am Anfang und am Ende eines Tages stehen, es kann mich bezeichnen, wenn ich das Haus verlasse, wenn ich eine Arbeit beginne, wenn ich im Lauf eines Tages eine Glocke läuten höre. Es kann zum Ausdruck des Danks oder zum Stoßgebet werden, mich begleiten bei freudigem und beängstigendem Erschrecken. Am Anfang eines Gottesdienstes kann es die Vergegenwärtigung des Gegenwärtigen bedeuten (2. Mose 3,14) und am Ende die Gewissheit des mitgehenden Segens (1. Mose 12,1-3).
Wofgang Max,
Leiter der Fachstelle Geistliches Leben
