Projekt Anstiftung zum Dialog

 

Die Evangelische Jugend in Baden und Württemberg führte von 2004 bis 2005 ein Projekt mit dem Titel Anstiftung zum Dialog durch.

Projekt_Anstiftung_zum_Dialog
Was für ein Film läuft denn hier?

Mit diesem Projekt stellte sie sich der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Das Ziel des Projekts war, die evangelische Jugend mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund über ihre Werte ins Gespräch zu bringen.

Das Projekt „Anstiftung zum Dialog“ bestand aus zwei Bereichen, einerseits aus einer durch Entimon geförderten Schulung für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende und anderererseits dem Filmprojekt von Jugendlichen, bei welchem sie miteinander in den Dialog traten.

Die Filmprojekte wurden in drei Orten durchgeführt. Sie verliefen sehr unterschiedlich und die Haupterfahrungen sollen hier kurz wiedergegeben werden.

Sie wären ohne die finanzielle Unterstützung von Wertall und Entimon nicht möglich gewesen.

     

    Therapie sociale

     

    Mit Konflikten leben

    Charles Rojzman
    Charles Rojzman beim Dekadeforum Juli 2005

    Unsere Gesellschaft verändert sich immer schneller, die Lebensläufe werden individueller, wirtschaftliche Probleme nehmen zu und soziale Bindungen nehmen ab. Dies führt bei vielen Menschen zu einer steigenden Unsicherheit und Ängsten. Wohnen in einer Kommune noch Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen, so verstärken sich die Ängste. Wenn in den letzten Jahren von Integration gesprochen wurde, ging man dabei häufig von einer klaren festen Gesellschaft aus, in welche sich andere Personen integrieren müssen. Doch genau diese Vorstellung von Integration oder auch Assimilation funktioniert nicht, da sie den Grundbedürfnissen der Menschen widerspricht. Deshalb stellt sich heute vielmehr die Frage: Wie können wir zusammenleben?

    Dies ist auch der Titel eines Buches des franz. Soziologen und Therapeuten Charles Rojzman, wenn man es ins Deutsche übersetzt. Charles Rojzman hat in den 80er Jahren eine Methode entwickelt, die er "Therapie sociale" nennt. Diese Methode erwies sich vor allem in den franz. Vorstädten mit ihrer alltäglichen Gewalt als sehr effektiv. Eine Besonderheit dieses Ansatzes ist die Einbeziehung der BürgerInnen und der Angestellten der Institutionen. Gemeinsam wird eine sogenannte Kooperationsgruppe gebildet, die die Aufgabe hat, Vorschläge für die Probleme des Stadtteils zu entwickeln. Diese Gruppe trifft sich i.d.R. sechs mal zwei Tage. Bei der Zusammensetzung der Gruppe wird besondere darauf geachtet, dass in der Gruppe Vertreter mit extremen Positionen vertreten sind, denn auch in einer extremen Position ist ein Teil der Wahrheit enthalten. Dadurch unterscheidet sich die Arbeit schon deutlich von anderen Gruppen, wie z.B. den sozialen Agenda-Gruppen.

    Gefühle wie Angst, Hass und Vorurteile behindern zu Beginn die Kooperation. Es ist die Aufgabe des „Therapeut sociale" die Gruppe durch diese Emotionen zur Kooperation zu führen, so dass am Ende die „kollektive Intelligenz" der Beteiligten wirksam werden kann.

    Charles Rojzman arbeitet nicht nur in Frankreich, sondern leitete Projekte in den USA und Beslan. Beslan ist uns vor allem durch das schreckliche Selbstmordattentat in einer Grundschule bekannt. Charles Rojzman arbeitete mit den Müttern dieser Grundschüler.

     

    Therapie sociale in Deutschland

    Seit ca. 10 Jahren hält Charles Rojzman verschiedene Vorträge und Seminare. Von 2001 bis 2004 bildete er 7 Therapeuten aus, die nun im deutschsprachigen Raum selbst Seminare und Projekte anbieten. Das erste Stadtteilprojekt in Germersheim fand unter dem Titel "Jung sein in Germersheim - Chancen und Gefahren für Jugendliche" im Jahre 2004 statt. Dieses Projekt hatte das Ziel: Gewaltprävention und Brücken zwischen den einzelnen Gruppen zu bauen. Lesen Sie weiter unten mehr zu diesem Projekt.

    Beim Dekadeforum 2005 in Karlsruhe entfachte Charles Rojzman als Hauptreferent intensive Gespräche und Nachdenklichkeit.

    "Therapie sociale" ist als Methode auch für Kirchengemeinden interessant. Hier treffen viele Menschen mit unterschiedlichen Vorstellungen, Glaubens- und Werthaltungen aufeinander. Wie können sie zusammenleben? Wie kann eine Gemeinde aufgebaut werden und in Kontakt mit ihrer Umwelt stehen ohne sich völlig abzugrenzen? Wie kann die Gemeinde Menschen eher anziehen anstatt sie abzustoßen?
    Mit der Methode "Therapie sociale" können Kirchengemeinden unterstützt werden, ein gemeinsames Konzept zu erarbeiten. "Therapie sociale" ermöglicht die Kooperation durch konstruktive Konfliktaustragung.

      Anfragen an: Stefan Maaß

    Arbeitsstelle Frieden
    Blumenstr. 1-7
    76133 Karlsruhe
    Tel.: 0721 9175-470