Glaube aktuell (09.07.07)
Die Botschaft der barmherzigen Landgräfin - Elisabeth von Thüringen zum 800. Geburtstag
Elisabethjahr 2007
[1] Einheit von Wort und Tat
Am 7. Juli 2007 feierte Elisabeth von Thüringen (1207-1231) ihren 800. Geburtstag. Die in Ungarn geborene Elisabeth wird von Katholiken und Protestanten gleichermaßen als Glaubensvorbild geehrt. Elisabeth bezeugte die Botschaft des Evangeliums in Wort und Tat. Nie trennte sie die Taten der Liebe von der Predigt des Wortes Gottes. Die Evangelische Kirche und das Diakonische Werk in Hessen und Nassau haben ein Elisabethjahr 2007 ausgerufen. Zahlreiche Veranstaltungen und Publikationen verschiedener Einrichtungen und Institutionen begleiten das Gedächtnis an die Heilige.
[2] Eine couragierte Frau
Im Jahr 1225 war Elisabeth allein zuhause. Ihr Mann, Landgraf Ludwig von Thüringen, war zu Kaiser Friedrich nach Apulien aufgebrochen. Die 19 Jahre alte Burgherrin Elisabeth musste sich selbst um den fürstlichen Besitz kümmern. Vor den Toren der Wartburg, die Elisabeth zu dieser Zeit bewohnte, drängelte sich das hungrige Volk. Es war eine große Hungersnot ausgebrochen, die viele Menschen das Leben kostete. Elisabeth fackelte nicht lange und ließ alles Korn zusammenbringen, das sie aus den reichhaltigen Besitztümern des Landgrafen aufbringen konnte, und verteilte es restlos an die Bedürftigen. Unterhalb der Burg ließ sie ein Spital errichten, in dem sie die Kranken aufnahm. Sie beherbergte zahlreiche Waisen, gab ihnen zu essen und sorgte sich wie eine Mutter um die Kinder.
"Das Leben Elisabeths liest sich wie eine praktische Umsetzung dieser Werke der Barmherzigkeit."
[3] Barmherzigkeit als Christusnachfolge
Hungrige speisen, Durstige tränken, Nackte bekleiden, Fremde aufnehmen, Kranke besuchen, Gefangene befreien, Tote bestatten – so lauten in der kirchlichen Tradition die „klassischen“ leiblichen Werke der Barmherzigkeit. Dazu kommen die sieben geistigen Werke: Unwissende lehren, Zweifelnden raten, Irrende zurechtweisen, Trauernde trösten, Unrecht ertragen, Beleidigungen verzeihen, Fürbitte halten. Das Leben Elisabeths liest sich wie eine praktische Umsetzung dieser Werke der Barmherzigkeit. Den Dienst am Nächsten und die Sorge um die Mitmenschen waren für Elisabeth der Weg der persönlichen Christusnachfolge (imitatio Christi), Ausdruck eines Glaubens, den es zu Taten der Liebe drängt.
[4] Ein kurzes Leben
Bereits mit vier Jahren kam Elisabeth nach Thüringen. Das Mädchen war dem Landgrafen von Thüringen versprochen, den sie mit elf Jahren heiratete. Ludwig und Elisabeth führten den zeitgenössischen Berichten nach eine gute und glückliche Ehe. Ludwig hat die karitativen Bemühungen seiner Frau Elisabeth stets unterstützt. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Von Elisabeth gibt es keine Selbstzeugnisse, wie sie beispielsweise von den Mystikerinnen des Mittelalters bekannt sind, in denen Reflexionen und Erlebnisse tiefer Religiosität festgehalten wurden. Sie hat sich auch zu keiner Glaubensgemeinschaft bekannt und ist keinem Orden beigetreten.
1226 legte Elisabeth dennoch ein Gelübde ab, das sie verpflichtete, nicht wieder zu heiraten, falls sie Witwe wird. 1227 brach Ludwig zu einem Kreuzzug auf. Bereits sechs Wochen später befanden sich die Kreuzfahrer in Süditalien. Dort breitete sich unter ihnen eine Epidemie aus, an der, neben vielen anderen, Ludwig und der Kaiser erkrankten. Während letzterer sich erholte und schließlich den Kreuzzug bis nach Jerusalem führte, starb Ludwig im September 1227 in Otranto an der Südspitze Italiens. Einen Monat später gebar Elisabeth ihr drittes Kind. Ludwigs sterbliche Überreste wurden auf dem Rückweg in seine Heimat übergeführt und im Hauskloster Reinhardsbrunn bestattet. Er bekam den Beinamen "der Heilige".
Nach dem Verlust ihres Mannes begann für Elisabeth eine qualvolle Zeit. Die Brüder ihres Mannes betrogen Elisabeth um ihr Witwenerbe und vertrieben sie aus ihrem eigenen Haus. Mit ihren drei Kindern und den engsten Vertrauten fand sie zunächst bei den Franziskanern in Eisenach ein Obdach.
Elisabeth bekam in Marburg ein Grundstück zugewiesen, wo sie ein kleines Hospital für die Kranken- und Armenpflege betreiben konnte. Die Repressalien, unter denen Elisabeth zu leiden hatte, sowie die Selbstaufopferung, mit der sie alle seelischen und physischen Qualen ertrug, führten zu einem lebensbedrohlichen Zustand. Sie starb 1231 mit kaum vierundzwanzig Jahren.
Schon bei ihrer Beerdigung sollen sich Wunder an ihrem Grab ereignet haben. Kranke wurden geheilt, Rosen blühten zu ungewöhnlichen Jahreszeiten auf. Schnell sprach sich dies herum. Skizzen ihrer Biographie wurden nach Rom geschickt, Experten mit den Untersuchungen zum Heiligsprechungsprozess beauftragt. Bereits 1235 wird sie heiliggesprochen.
[5] Eine evangelische Heilige
Elisabeths Nachfahre Landgraf Philipp hatte sich der Reformation angeschlossen und wollte 1530 ein Exempel statuieren. Er ließ die Gebeine der Elisabeth aus der Thüringer Elisabethenkirche entfernen. Dem Heiligenkult sollte zwar ein Ende gemacht werden, nicht aber dem Gedächtnis an das Zeugnis und das Leben Elisabeths. Zahlreiche Gedenksteine und Brunnen zeugen bis heute von dem hohen Ansehen, das Elisabeth in Thüringen und Hessen und überall auf der Welt genießt. Bis heute haben sich in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Elisabethgedenktage erhalten. Es geht dabei nicht darum, einem Personenkult das Wort zu reden, schon gar nicht der Verehrung der sterblichen Reste eines Menschen. Aber Elisabeth gehört in die Wolke der Zeugen (Hebr 12,1), deren Leben ein Fingerzeig auf den „Anfänger und Vollender des Glaubens“ (Hebr 12,2) ist.
[6] Elisabeth soll in Bewegung bringen
800 Jahre trennen uns von Elisabeth, doch ist das Gedächtnis an diese engagierte Christin mehr als historisches Andenken. Elisabeths Handeln und Denken, ihr aus tiefer christlicher Überzeugung genährtes Engagement für die Schwächsten und Bedürftigsten der Gesellschaft, sind bleibendes Zeugnis dafür, dass das Zeugnis für das Evangelium sich untrennbar in Wort und Tat zum Ausdruck bringt. Unser Glauben wird auch in Taten der Liebe lebendig, in der Bindung an die Quelle der Liebe, an Gott. Elisabeths Leben ist damit Beispiel für das enge Miteinander von Diakonie und Kirche, von verkündigendem und tätigem Auftrag der Kirche.
"Elisabeths Leben ist Beispiel für das enge Miteinander von Diakonie und Kirche, von verkündigendem und tätigem Auftrag der Kirche."
Richtig in Bewegung bringt der Elisabethpfad von Eisenach nach Marburg, der teilweise auf Strecken des Jakobusweges an Stationen des Lebens Elisabeths führt. Ein Pilgerführer informiert anhand von Wanderkarten über den Verlauf des Elisabethenpfades, Stationen, an denen der Heiligen gedacht wird, und über Pilgerherbergen. Die 104-seitige Broschüre kann für 8,50 Euro über das Internet direkt beim Elisabethenpfad e.V. bezogen werden: www.elisabethpfad.de.
Lektüretipps und weitere Infomationen:
- Ortrud Reber, Elisabeth von Thüringen. Landgräfin und Heilige, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2006, 206 Seiten. Preis: 22 Euro.
- Heinz J. Algermissen u.a., Mehr als Brot und Rosen. Elisabeth von Thüringen heute, Verlag Herder, Freiburg 2007, 156 Seiten. Preis: 9,90 Euro.
Zudem finden Sie viele Dokumente, mehr Informationen zu Leben und Werk, sowie ein Elisabeth-Online-Spiel unter der Jubiläumsjahrseite der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau: www.800-jahre-elisabeth.de.
Marc Witzenbacher,
Leiter der Abteilung Information und Öffentlichkeitsarbeit
