Glaube aktuell (14.08.06)
Bangen und Beten - Zum Israelsonntag 2006
Der 10. Sonntag nach Trinitatis wird in der Evangelischen Kirche als „Israelsonntag“ begangen. Diese Tradition reicht nachweislich bis in die Reformationszeit zurück. Der „Israelsonntag“ liegt ungefähr in dem Zeitraum, in dem die jüdische Gemeinde einen Fasttag zum Gedenken an die Zerstörung des Ersten und Zweiten Tempels hält. Diese Zerstörungen geschahen nach jüdischer Tradition ebenso wie einige andere Katastrophen am gleichen Datum.
Das kirchliche Gedenken geschah im Lauf der Jahrhunderte mit unterschiedlichen Akzenten. Der Untergang Jerusalems wurde oft als Gericht Gottes für den Ungehorsam des Volkes Israel gedeutet, aber auch als warnend abschreckendes Beispiel für die Christenheit. Eine Neubesinnung trat nach der Schoa ein. Heute bedenkt die Kirche ihr geistig-theologisches Verhältnis zum Volk Israel, das nicht durch die Christenheit abgelöst wurde. Wir bekennen die bleibende Erwählung Israels.
Politische Ereignisse machen es vielen Menschen schwer, dieses Bekenntnis auf den heutigen Staat Israel zu übertragen. Diese Spannung ist jedoch nicht größer als die, die zwischen unserem eigenen praktischen Verhalten und unserem Glauben an die Rettung allein aus Gnade besteht.
Israel und Jerusalem Glück und Heil wünschen (Ps 122,6) bedeutet bangen und beten, dass es dem heutigen Staat Israel vergönnt ist, mit seinen Nachbarn in Frieden zu leben und ihnen gemäß seiner Gründungsurkunde „die Hand zum Frieden und guter Nachbarschaft“ zu reichen.
Kirchenrat i. R. Dr. Hans Maaß
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Die Kollekte am Israelsonntag kommt der Versöhnungs- und Verständigungsarbeit von zwei Einrichtungen in Israel zugute:
Das Leo-Baeck-Erziehungszentrum in Haifa dient seit seiner Gründung im Jahr 1938 der Verständigung zwischen jüdischer und arabischer Bevölkerung, indem es als erste jüdische Schule Arabisch als Pflichtsprache lehrte.
Zu seinem heute erheblich erweiterten Aufgabenfeld, gehört Gemeinwesenarbeit für den Stadtteil, sowohl die Integration äthiopischer Juden wie auch Kindergärten für arabische Kinder. „Worte allein können nicht helfen; wir müssen daran arbeiten, um Koexistenz zur Wirklichkeit zu machen“, ist das Motto dieser Arbeit.
Nes Ammin wurde als „Zeichen der Völker“ als eine christliche landwirtschaftliche Siedlung gegründet, um einen uneigennützigen europäischen Beitrag zum Aufbau Israels zu leisten. Mittlerweile verlagerte sich der Schwerpunkt der Arbeit, Nes Ammin leistet nun interreligiöse Bildungs- Begegnungs- und Studienarbeit. In diesem Jahr wird ihre Arbeit durch den Raketenbeschuss der Hisbollah aus dem Libanon massiv behindert und eingeschränkt.
Lesen Sie zur aktuellen Lage im Nahen Osten auch das Wort an die Gemeinden (Glaube aktuell 01.08.06)
Berichte aus der Krisenregion Naher Osten - Nachrichten mit einem Gesicht
Mit den Nachrichten vom Konflikt im Nahen Osten verbinden sich für unsere Landeskirche vertraute Gesichter und Stimmen. Susanne Labsch, Leiterin des Bereichs Mission und Ökumene, steht über e-mail in Kontakt mit der Schneller-Schule im Libanon und mit Nes Ammin in Israel.
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