Glaube aktuell (01.08.06)
Zur Lage im Nahen Osten: Wir bitten Gott um seinen Frieden - Wort an die Gemeinden
S. Labsch
Liebe Schwestern und Brüder,
mit großer Sorge verfolgen wir in diesen Wochen, wie sich die Spirale der Gewalt im Nahen Osten immer schneller dreht. Mit großer Anteilnahme sehen wir die Opfer in der Zivilbevölkerung. Tausende von Menschen sind auf der Flucht vor Bombardierungen im Libanon und vor Raketenbeschuss in Israel, insbesondere die verängstigten und verletzten Kinder und ihre Familien haben wir vor Augen. Wir alle wünschen und beten, dass die kriegerischen Handlungen und die Gewalt sofort beendet werden.
„Mit allen Christen in der Welt befreundet…“
Die Evangelische Landeskirche in Baden ist „mit allen Christen in der Welt befreundet…“ und sie hält fest „was sie mit der Judenheit verbindet“ (Artikel 2, Grundordnung). Unter den Opfern der Bombardements und des Raketenbeschusses befinden sich Menschen christlichen, jüdischen und muslimischen Glaubens, mit denen wir seit langem freundschaftlich verbunden sind. Betroffen durch die Kampfhandlungen sind ebenso Einrichtungen im Libanon und in Israel, die sich für den Frieden zwischen Christen, Juden und Muslimen einsetzen und durch unsere Gaben und Kollekten regelmäßig unterstützt werden.
Dazu gehören im Libanon die National Evangelical Church in Beirut (NECB) mit ihrem Kirchenpräsidenten Dr. Habib Badr und deren Schulen, besonders die Johann–Ludwig–Schneller-Schule (JLSS) in Khirbet Kanafaar in der Bekaa–Ebene. In Israel gehören dazu das christliche Gemeinschaftsdorf Nes Ammim im Norden Israels und das jüdische Leo-Baeck-Erziehungszentrum in Haifa.
Bildungsarbeit für den Frieden
All diese Einrichtungen tragen durch ihre Bildungsarbeit zum Frieden bei: Die JLSS stellt ihren Unterricht und ihre Begegnungsarbeit unter das Motto: „Frieden gestalten – Zukunft gewinnen“, das von allen Mitgliedern des Evangelischen Missionswerkes in Südwestdeutschland gemeinsam gelebt wird.
Nes Ammim, bedeutet „Zeichen für die Völker“. Das ökumenische Dorf führt durch seine Studienarbeit Christen, Juden und Muslime, Israeli, Araber und Menschen aus verschiedenen Nationen zusammen. Hier arbeitet Tatjana Weiss, geborene Ilzhöfer, früher Pfarrerin in Pforzheim.
Das Leo-Baeck-Erziehungszentrum trägt durch seine Arbeit seit Jahrzehnten zur Verständigung und Versöhnung zwischen israelischen und arabischen, jüdischen, christlichen und muslimischen Kindern und Erwachsenen bei.
Die Schulen der NECB und das Leo-Baeck-Zentrum beherbergen, versorgen und begleiten Flüchtlinge.
Neben allem Leid haben die kriegerischen Angriffe den vollständigen Ausfall der Einnahmen zur Folge, mit denen sie ihre Frieden fördernde Arbeit finanzieren. Daher bitte ich Sie, besonders diese Einrichtungen in ihre Fürbitte aufzunehmen und neben den regulären Kollekten mit weiteren Spenden und Gaben zu unterstützen. Zudem treten wir mit der weltweiten Ökumene (siehe die Erklärungen des ÖRK, der EKD und des EED, mehr dazu finden Sie hier) ein für einen raschen Waffenstillstand, für diplomatische Verhandlungen und den freien Zugang zu und für Hilfsorganisationen, die der Not leidenden Bevölkerung beistehen.
Aufruf zur Versöhnung
Am 20. August, den 10. Sonntag nach Trinitatis, feiern wir in unseren Gemeinden den Israel-Sonntag. Wir erinnern dabei an unser besonderes Verhältnis zum Judentum. Die israelische Politik wollen wir an dieser Stelle weder bewerten noch rechtfertigen. Jede Kritik am israelischen Vorgehen muss die besondere Geschichte und Situation der israelischen Bevölkerung im Blick behalten. Die gegenwärtige Situation im Nahen Osten darf in keinem Fall wieder als Legitimation für antijüdische Äußerungen oder Aktionen in unserem Land dienen. In unserer Grundordnung verpflichten wir uns Antijudaismus und Judenfeindlichkeit zu überwinden.
"Unsere Geschwister und Freunde im Nahen Osten gehören zu denen, die wissen, dass Krieg und Gewalt keine Konflikte lösen kann. Sie setzen sich seit Jahrzehnten geduldig für Verständigung und Versöhnung (...) ein."
Als Christenmenschen glauben wir, dass Gott alle Menschen liebt und dass die Menschen selig sind, die Frieden stiften. Unsere Geschwister und Freunde im Nahen Osten gehören zu denen, die wissen, dass Krieg und Gewalt keine Konflikte lösen kann. Sie setzen sich seit Jahrzehnten geduldig für Verständigung und Versöhnung in Israel, im Libanon und in Palästina ein. Lassen Sie uns Ihnen beistehen.
Wir bitten Gott um seinen Frieden:
"Du Gott der Gerechtigkeit und des Friedens,
wir tragen dir unsere Sorge über die Gewalt im Nahen Osten vor,
wir bringen vor dich die Angst und das Leid der Kinder und aller Menschen in den umkämpften Gebieten.
Um Frieden für das Heilige Land bitten wir dich.
Lass die Verantwortlichen bald Wege finden, die Konflikte ohne Gewalt auszutragen.
Bewahre du unsere Herzen und Sinne, dass wir uns nicht hineinziehen lassen in eine Spirale von Gewalt und Gegengewalt, von Schuld und Polarisierung.
Schenke uns offene Ohren, Herzen und Hände für alle Opfer in diesem Konflikt.
Hilf uns zerstörte Beziehungen zu heilen,
hilf uns weiter geduldig Schritte zu gehen um Frieden zu gestalten
und Zukunft zu gewinnen zusammen mit allen Menschen guten Willens.
Bewahre und begleite uns in Christus Jesus.“
Amen
Susanne Labsch, Kirchenrätin
Leiterin des Bereichs Mission und Ökumene
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Wenn Sie eine der mit uns verbundenen Einrichtungen in Israel oder im Libanon unterstützen möchten, können Sie dies durch eine Überweisung auf das Konto der Evangelischen Landeskirchenkasse, Konto 500 003, BLZ 660 608 00 (Evangelische Kreditgenossenschaft Karlsruhe), unter dem Stichwort “Nahost“ tun. Falls Sie eine Einrichtung besonders bedenken möchten, ergänzen Sie bitte JLSS (im Libanon), Nes Ammim (in Israel) oder Leo-Baeck (in Israel).







